Biki-Blog

09/1 Marokko

Das Land hat mich schon lange gereizt. Aber so allein – das erste Mal Afrika – noch nicht sooo offroadsicher – und als Frau – … hab ich mich nicht getraut.
Also versuchte ich es mit einer organisierten Endurotour.

Das Land hat mich absolut überzeugt: Leute, v.a. die Berber; Landschaften; Kultur – natürlich überraschend für mich Afrika-Anfängerin, aber sehr faszinierend.


Es gibt noch jede Menge einsamer Pisten, zum Teil recht anspruchsvoll, meistens aber mit der DRZ auch mit Gepäck problemlos. Leider wird an den Straßen irre viel gebaut, um Touris anzulocken. Schade, die Natur-Puristen kommen dann nicht mehr so gerne.
In den Dörfern ist man willkommen, Steine werfende Kinder habe ich nicht erlebt.

Marokko ist im Aufbruch. Der König forciert Modernisierung, Kommunikationstechnik und Handel mit Europa. Die Menschen in den ländlichen Gegenden haben es schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Müll und Abgase sind ein großes Problem.

Die Pisten gehen durch die Berge, über Pässe um 2500 m, dann wieder durch Flussbetten und Palmenhaine.

Die Flüsse graben sich tief in den Atlas ein, z.B. die Todra und der Dades. Die Schluchten sehen aus wie die riesigen Canyons im USA-Kalender. Gigantisch! Zum Teil kann man unten drin fahren – wenn man’s kann 😉
Besonders beeindruckend fand ich den Anblick wenn man aus dem kargen Hochland kommt und vom den Rand des Gebirges hinunterschauen kann in ein Tal: Palmen, angelegte Terrassen, der schlängelnde Fluss. Dann fährt man die Serpentinen runter und steht in einem Palmen-Dorf: 2 m breiter Weg zwischen den Lehmhäusern, neugierige Kinderaugen, Männer, die auf den Mopeds testsitzen wollen, ein kleiner Laden mit dem Wichtigsten für die Versorgung: Tee wird gekocht, Makrelendosen, frisch gebackenes Fladenbrot, Cola, Joghurt im Tetrapack. Alles lecker.

Im Süden fährt man dann kilometerlang über Schotter, Salzseen, durch breite Queds, erste Sandfelder. Hier leben Familien mitten im Nichts. Immer gibt es was zu Essen und zu Trinken, manchmal auch Sprit – manchmal nicht.
Der Wüstensand im Erg Chebbi hat mich erstmal genervt. Später ging’s ganz gut. Ein Sandfan werde ich aber sicher nie. Ich liebe Schotter, Steine, Stufen – hoch wie runter.

Wir haben fast immer in Kasbahs übernachtet. Im Sommer ist es in den Lehmburgen sehr angenehm, weil sie kühlen, manche hatte sogar eine Heizung.
Die Nachttemperaturen im Winter sind niedrig. In den Bergen liegt ja auch ’ne Menge Schnee. Mein dicker Schlafsack war also genau richtig.

Am Abend musste ich dann immer die Kasbah erkunden: verwinkelt, viele Gänge, witzige Fenster, Dachterrasse, Sitzecken, Pflanzenecken, oft mit Steinen, Muscheln, Werkzeugen dekoriert habe ich jede Menge schöner Fotos geschossen.

Die Berber sind sehr gastfreundlich, sorgen für Unterhaltung, machen Musik und kochen lecker. Die Mopeds bekamen immer einen guten Platz im Hof. Probleme mit Diebstählen hatte ich nie.

Abends gibt es meistens Tajine: eine Art Eintopf in einer besonderen Tonform, oft mit Fleisch, Fisch, Kartoffeln, viel Gemüse, Ei, … sehr lecker! Kriegt man auf jedem Markt, in jedem Restaurant.

Sehr neugierig war ich auf die Märkte. Es ist schon schockierend, wenn da Fleischberge in der Sonne liegen, meistens Hammel oder Geflügel. Aber man bekommt auch alles andere: Plastikdosen, Lampen, Fernseher,
Handys, Uhren, Klamotten, Gemüse usw. und natürlich Gewürze. Ich konnte mich gar nicht sattriechen.

Immer eingekauft habe ich Datteln und Nüsse. Für mich die perfekt Nahrung zwischendurch und wenn’s sonst gar nix gibt.

Start- und Endpunkt der Tour war Marrakesch. Im Zentrum laut, schrill, bunt, eng, rauchend wie man es erwartet. Schnell hatte ich kapiert, wie ich gucken musste, damit die Händler mich in Ruhe anschauen lassen und nicht so nerven. Dann hat das Bummeln in den Souks unheimlich Spaß gemacht. Na klar hab ich auch eingekauft und standhaft gehandelt…

Noch ein Wort zur Organisation und zur Gruppe.
Zum Glück waren die Teilnehmer alle sehr nett, die Stimmung immer super.
Schwierig war die große Differenz im Fahrvermögen. Die Gruppe hat das gut aufgefangen, den Reiseleiter hat es nicht interessiert wie es dem Letzten geht. Der fuhr halt hinterher und war hoffentlich auch irgendwann da damit es weitergehen kann. Ansonsten habe ich mich über wenig Infos zu Kultur und Menschen, abfällige Bemerkungen und „Durchheizen“ geärgert.
Wer also einem rallye-ambitionierten Typ hinterherdüsen will ist bei mobiketours richtig.

Wer was vom Land und den Menschen sehen will und ansonsten eher touristisches Tempo fährt ziemlich falsch. Der kann dann nämlich auch gar nicht alle Etappen mitfahren sondern muss auf eigene Faust über Asphalt zum nächsten Hotel fahren. Ärgerlich, wenn das an mehreren Tagen passiert.
Dem Preis entsprechend waren die Übernachtungen meistens eher luxuriös und touristenfreundlich gelegen und betrieben.

Zum Fotografieren hatte ich keine Zeit. Die Bilder hier sind deshalb von meiner 2. Reise im Sommer.

Das Land hat fasziniert, Ziel der Reise erfüllt: ich trau mich das auch auf eigene Faust.

Ich will wieder hin!

2 Kommentare »

  1. […] unter: Uncategorized — bikibike @ 20:59 Berichte von den Marokkoreisen sind fertig. Das war im Januar 2009 und diese im August […]

    Pingback von Marokkoberichte eingetragen « Biki-Blog — 9. März 2010 @ 21:18 | Antwort

  2. […] Weiter geht’s hier. […]

    Pingback von Marokko-Enduro-Tour Januar 2009 | Motorrad Tagebuch — 16. April 2010 @ 19:34 | Antwort


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