Biki-Blog

10/6 Sardinien

Ich musste vor der Abfahrt an der Fähre einem netten -obwohl österreichischem 😉 (Gruß nach Wien) – Gleichgesinnten versprechen, nix Gutes über diese Insel zu schreiben. Aber die Gefahr bestand auch nie. Da gibt es nix Gutes drüber zu schreiben! Diese Insel und der ganze Urlaub war eine einzige Katastrophe!

Es ging schon los am ersten Tag als wir von der Fähre kamen: Da will man sich noch bisschen von der langen Nacht in der Bar erholen und bisschen rumtrödeln – kommen doch gleich kilometerlang nur Kurven! Nix mit Ruhe. Wer soll denn da entspannt vor sich hin rollen???

Der Verdacht des ersten Tages bestätigte sich dann täglich: diese Sarden haben keine Ahnung vom Straßenbau! Die kriegen ja keine grade Linie hin. Wo haben diese Ingenieure bloß studiert???

Oder trinken die zu viel Wein? Das wäre eine Erklärung und auch ein verständlicher Grund. In den Wein mischen die Winzer garantiert irgendwelche Suchtmittelchen. Der KANN sonst gar  nicht so schmecken, dass man immer und immer wieder mehr will.

Pausen machen hat auch nicht gut geklappt. Die Mopeds geraten in diesen Kurven in einen Rausch, sodass sie gar nicht zu bremsen sind. ie fahren einfach immer weiter. Entsprechend hoch war bei mir ständig der Adrenalinpegel. Entspannung, Ruhe? Gab’s nicht.

Auch nicht für die Reifen. Ich bin ja nicht so der Extrem-Schräglagen-Freak. Aber nach deeem Urlaub musste ich Reifen wechseln weil das Profil außen weg war. Innen war noch total viel da. Der TÜVler ließ sich davon nicht überzeugen.

Ähnlich dem Wein müssen die Sarden das mit dem Latte Macchiato machen. Die Dealer findet man an jeder Ecke eines Dorfes. Besonders in den Bergdörfern verdienen sich die alten Männer wohl was dazu, indem sie ahnunglose Touristen zahnlos anlächeln und dann mit den Drogen abfüllen. Eine vernünftige Entscheidung über die konsumierte Menge ist schon nach dem ersten Glas nicht mehr möglich.

Noch eine Droge: Man muss wirklich davor warnen, im Frühjahr nach Sardinien zu fahren. Die ständig wechselnden, extrem intensiven Düfte vernebeln das Gehirn. Mehrfach fühlte ich mich gezwungen, einem Duft hinterher zu laufen, um die Quelle – und die noch stärkere Intensität zu finden.

Und wer sich gepflegt seiner Urlaubsdepri hingeben möchte hat schon verloren. Unter dieser Sonne, in diesem Mittelmeerklima KANN man gar nicht deprimiert sein. Noch nicht mal zu einem Tag schlechter Laune hat es gereicht. Und auch der von allen Psychologen garantierte Urlaubs-Beziehungsstress hat nicht geklappt. Das war vielleicht nervig. Dabei wollte ich mich doch mal so richtig abreagieren und rumstreiten!

Kommen wir mal zum Essen. Frau möchte ja im Urlaub immer auch gut aussehen, bisschen abnehmen und eine schöne Figur kriegen. In Sardinien ist auch das unmöglich. Wenn man es schafft, das ständige Angebot an leckerer Pizza zu ignorieren und lieber z.B. gesunden Fisch essen möchte wird man völlig enttäuscht. 4 Gänge sind das Minimum, am Ende setzt das Tiramisu noch eins drauf. Die Figur ist also nach einem Sardinienurlaub völlig im Eimer. Am besten versteckt man sich gleich in solch einem. Die ständig dazu gereichte dunkelrote Flüssigdroge macht es nicht besser.

Kommen wir mal zu den Menschen: den SARDEN. Mit ihrer fürchterlich herzlichen Art lullen sie einen ein, sodass man sich kaum losreißen kann. Dabei verführten sie uns mit oben beschriebenen Drogen.  Das breite Grinsen und zufriedene Vor-sich-hin-dösen ist hoch ansteckend und führt zu Dahin-sinken-in-einen-Plastikstuhl. Medikamente gegen diesen Virus haben wir erst später gefunden: das Überfahren der deutschen Grenze holt uns zum Glück rechtzeitig in die Nüchternheit zurück. Hier könnte man ja in diesem Zustand nicht überleben.

Wenn Sarden ins Auto sdteigen verändert sich der Einfluss des Virus und überträgt sich auch auf das Auto. Sie werden plötzlich lebhafter, verfolgen eine ganz klare Bewegungslinie. Ihre Autos bekommen dann flexible Außenmaße und passen sich der zur Verfügung stehenden Breite an. Nur so kommen sie durch die 1,23m breiten Gassen inkl. Gegenverkehr.  Sie schaffen es immer, um unsere Mopeds und auch um rumstehende Kühe herum zu driften.

Insgesamt sind sardische Autofahrer sehr kontaktscheu. Sieht man mal einen ist er schon wieder um’s Eck geflitzt.

Ein ewiger Feind war für uns der Faktor Zeit. Wir mussten tatsächlich trotz höchster Anstrengung bei Planung und Tempo unbefahrene Straßen sowie ungesehene Berge zurück lassen.

Apropos Straßen. Über die Kurven hatte ich ja schon berichtet. Sehr häufig sind man kreative Verkehrsschilder. Ständig wird man dadurch zur Entscheidung gezwungen, inwieweit man die darauf vorgeschlagenen Regeln und Geschwindigkeiten umsetzen möchte. Polizisten sind dabei leider keinerlei Hilfe. Sie stehen ignorierend, auch grüßend einfach nur irgendwo rum.

Wobei man sagen muss, das extrem männliche Aussehen einiger dieser Exemplare hat mich schon massiv vom Fahren abgelenkt. Von wegen Helfer.  …. Also Freund … ok … Darüber könnte man reden.

Äh ja, wir waren bei den Straßen. Neben Straßen gibt es Nebenstraßen. Und Wege. Auch hier ist man völlig orientierungslos. Da überall Spuren verlaufen muss man selbst entscheiden, ob man hier fahren möchte und kann. Keiner verbietet es wirklich. Gut, dass ich keine Enduro dabei hatte. Das wäre noch viel schlimmer gewesen. Die Anforderungen an das selbständige Denken verhindert jegliche Urlaubsstimmung.

Sehr interessant fand ich allerdings die runden weißen Schilder mit rotem Rand. Darauf stand jeweils 70 – 50 – 30 – 10. Hiermit wird angezeigt: „Ja, wir haben erkannt, dass hier mal gebaut werden müsste. Wir haben aber noch nicht beschlossen, ob und wann wir damit beginnen.“

Finden sich tatsächlich schon begutachtenden Bauarbeiter an solchen Plätzen ein und man rollt mit deutschen 10 km/h vorbei reagieren sie irritiert und fassungslos, beginnen dann hektisch zu winken, dass man doch endlich Gas geben und verschwinden möge.

Noch ein Wort zum Wetter. Ich hatte ja Leder an. Und als guter Europäer auf einem 2-Wochen-Urlaub natürlich die Regenkombi dabei. Völlig umsonst. Wieder etwas sinnlos rumgeschlepptes. Ergebnis des andauernden Sonnenscheins war ein Aussehen, das ich zu Hause niemandem verbergen konnte und massive neidische Ablehnung erfuhr.

Für Fotografen ist diese Insel absolut nicht zu empfehlen. Ich habe ja immer schon reichlich Speicherkarten dabei. Aber diesen Angriff der Umgebung hatte ich nicht erwartet. Der Foto war kaum zu halten, sprang von allein aus der Tasche. Selbst beim Fahren hielt er nicht still.

Ein Grund dafür waren auch die Blumen und Kakteen. Die ausgelöste Sucht nach „gucken“ „hinlaufen“ „Fotos machen“ kollidierte massiv mit der Kurvensucht und führte in Zusammenhang mit dem Zeitfaktor zu heftigen Gewissenkonflikten.

So kann man also den gesamten Urlaub als völlig misslungen beschreiben. Ein erneuter Besuch der Insel ist völlig ausgeschlossen und kann ich auch keinem empfehlen. Bleibt bloß weg da!!!

Bilder gibt’s natürlich keine. Ich will Euch ja nicht aus diesem Blog vergraulen.

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2 Kommentare »

  1. Hi Birgit,

    danke für die Warnung vor Sardinien, wenn es dort so schlimm ist, fahr ich natürlich nicht auf diese sardistische Insel. Werde mal deine Island-Blog lesen, vielleicht zieht es mich dann dorthin.

    Besten Dank und liebe Grüße

    Hanno

    Kommentar von Rudi Biber — 11. Februar 2012 @ 20:56 | Antwort

    • Oh, aber Vorsicht!

      Falls Du mit einer Enduro nach Island fahren willst solltest Du damit rechnen, dass das Moped nicht mehr heim will und Dich abwirft.
      Oder es biegt einfach mal auf die schrecklichen, immer kleiner werdenden Pisten ab. Die haben nämlich ziemlich viel Spaß dort. Bremsen verabschieden sich dann und das Moped hüpft vor Begeisterung auf und ab.

      Überleg Dir das gut!

      Kommentar von Biki — 11. Februar 2012 @ 21:28 | Antwort


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