Biki-Blog

08/8 Island

Islandtour 2008

Die Idee von der geheimnisvollen Insel aus Feuer und Eisist schon ganz alt. Beim Reisemotorradtreffen im Westerwald 2004 hab ich einige Diavorträge von Motorradfahrern gesehen und hab mich infiziert. Beim gleichen Treffen hab ich die DR 350 gekauft: einfach so, ohne sie gesehen zu haben. Das war eine gute Entscheidung.

Die Insel stelle ich mir SEHR wild vor, keine Menschen im Hochland, SEHR gefährlich, SEHR schwierig zu befahren. Aber eben landschaftlich auch SEHR schön. Entsprechend hoch war mein Anspruch an meine Ausrüstung und mein Fahrvermögen.

Nach zwei Jahren üben konnte ich meinen Traum erfüllen.

Samstagmorgen in Dänemark: Moped abladen, packen. Nicht so einfach. Meine Klamotten drauf geht gut. Dazu noch 2 Reifen für den extra anreisenden Mitfahrer, 2 Kanister, Kettenkit, Lebensmittel für 2, …

Ein riesengroßer Berg auf meinem kleinen Moped.

An der Fähre bin ich zu früh und setze mich auf die Imbissbänke.

So langsam füllt es sich: Fahrradfahrer, Womos, jede Menge Allrads, ein paar Mopedfahrer. Spannend.

Ich sitze mit 2 Franzosen am Tisch, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Irgendwann kommt ein Mopedfahrer: ein Pole. Er arbeitet in Island, ist 27, Moped-Mechaniker in Reykjavik, war 4 Wochen in Europa unterwegs.

Noch mehr Leute, mehr Mopedfahrer. Dann kommt eine KTM, Minuten später eine Frau mit Crossstiefeln: Anke. Setzt sich auch zu uns und es wird noch lustiger. Sie wandert nach Island aus, fährt eine 400er KTM Military.

Sie erzählt mir viel vom Land und so langsam kommt meine Reiselust. Beim Einchecken freu ich mich schon richtig und die Urlaubsstimmung ist da 🙂

22.30 geht die Fähre.

Parken und Festbinden auf der Fähre ist kein Ding. Dann ab in die Kabine. Da ich ja alleine bin auf der Hinfahrt hab ich ein Bett in einer 4er Frauen-Kabine mit einer Isländerin, einer Holländerin, einer Belgierin. Nett und ruhig, eigene Dusche, genug Platz.

Die Fährtage verbringe ich mit Kartenstudium, Kopien lesen, in Karte eintragen, ordnen, wegschmeißen. So langsam reduziert sich mein mitgebrachter Papierstapel und in meinem Kopf entsteht ein Bild der Insel.

Anke gibt noch gute Tipps. Nun klingt alles viel weniger bedrohlich. Die Gastfreundlichkeit der Isländer ist groß. Und es soll tatsächlich Zivilisation geben…

Die Abende auf der Fähre sind lustig. Ein Sänger mit Gitarre spielt Rock und Klassiker. Wir haben viel Spaß. Das Bier ist ok, die Cocktails auch  🙂

Auf den Färoern treffe ich  Dietmar, der mit der Fähre von Schottland kommt. Wir sind mit 2 DR 350 unterwegs. Meine ist eine SHC. Gut geeignet für die Anforderungen auf der Insel: leicht, unkaputtbar, unkompliziert, bequem genug für so eine Tour mit wenig Asphalt.

Dann der Ankunftstag: mittags laufen wir in Seydisfördur ein, mitten in den isländischen Nebel. Von den tollen Fjorden ist nix zu sehen. In einer langen langsamen Schlange quälen wir uns durch dicken Nebel über einen Pass, Kurven, durch die Berge. Ich denke immer an meinen Vergaser. Auf den Färoern fuhr die DR nur noch ruckelig: die Vergaserfeder ist gebrochen, wir haben sie zusammengesteckt, erstmal geht es weiter.

In Egilstadir wechselt Dietmar Reifen und Kette. Dabei macht der Typ bei MotoMax gleich 2 Schläuche kaputt und flickt sie wieder. Keine gute Werkstatt. Unsere erste Erfahrung mit dem isländischen Arbeitsengagement. Aber es sollte noch besser kommen.

Bald sind wir fertig, das Fahren ohne Reifen hinten drauf ist besser und wir  verlassen den Ort in südlicher Richtung. Durch ein kleines Waldgebiet geht es raus in die Berge. Der erste unasphaltierte Abschnitt der 1 beruhigt mich. Das geht gut, ich kann schnell fahren. Es ist kalt und feucht. Wir biegen mutig ab in eine Abkürzung über einen Schotterpass. Dicker Nebel versteckt die wahrscheinlich tolle Landschaft.

Langsam schlängeln wir uns hoch. Es wird kälter. Zu sehen ist nix. Oben angekommen lichtet sich der Nebel. Wir fahren in einen sonnigen, strahlenden Fjord. Überwältigend. Oben halten wir und genießen überschwänglich unseren ersten großen Wasserfall, steile Felsen mit Abbrüchen, den Ausblick, die Sonne.

Der Urlaub beginnt…

Runter geht es über festen Schotter, einen schmalen und z.T. steilen Weg, trocken, zügig in grüne Wiesen, immer mit Blick auf das blaue Wasser.

Hier wollen wir bleiben! Der eingezeichnete Zeltplatz existiert nicht. Wir fragen an einem Hof, ob wir bleiben dürfen und bekommen einen Platz auf der Wiese, auch Wasser und einen Sitzplatz auf Paletten. Der Bauer scheint sehr interessiert zu sein. Wir laden ihn zum Tee ein und unterhalten uns auf isländisch-englisch-deutsch-schwedisch. Er fährt mit dem Quad rum, hat Kühe, wohnt mit seiner Frau oberhalb der 1.

Wir denken noch: direkt an der 1 – hoffentlich haben wir unsere Ruhe. Einzelne PKW kommen vorbei, mal ein Truck. Abends und morgens ist es absolut ruhig. Wir machen einen Abendspaziergang über die Wiese, schauen uns die Kirche und den Friedhof an. Der Sonnenuntergang färbt die Felsen rot.

Wir wachen auf mit dem Blick auf den Fjord. Sonne! Zum Frühstück gibt es frische Milch vom Hof.

Weiter geht es mit Sonne und weiten Blicken über die Steilküste auf der Ringstraße.

Pausen machen wir am Wasserfall mit 2 Berlinern und ihrem blauen Bus – dort gibt’s auch Kaffee. In Höfn an der Tanke wärmen wir uns auf. Nochmal Kaffee und Pause. Kaffe gibt’s immer und überall, open end zum Nachschenken. Sehr schön.

Das Fahren ist anstrengend. Der Wind ist heftig, die Kilometer ziehen sich aber es ist noch relativ warm. Wir vermeiden einen Tunnel und fahren oberhalb über eine Schotterpiste mit tollem Ausblick auf’s Meer. Es stürmt! Man muss auf die Handschuhe aufpassen, sonst fliegen sie weg. Und auch auf die Pipirichtung muss man achten  🙂

Auf dem Meer sind häufig Vögel zu sehen, auch ganze Schwärme Schwäne. Sehr beeindruckend!

80 km lang geht es nun entlang des Vatnajökull – immer mit Blick auf den Gletscher.

Über einspurige provisorische Holz- / Leitplankenbrücken fahren wir über Schwemmland des Gletschers hinweg, über Flussarme mit reißendem, trübem Wasser und Sandflächen – es wird sehr kalt und feucht.

Dann kommt endlich links das offene Meer in Sichtweite und rechts die Gletscherlagune. Das erste, was wir sehen sind große graue Berge. Dann wird mir klar: das sind Eisberge! Und nun sehe ich auch die blauen Berge weiter unten. Ein genialer Anblick! Vorn das blaue Wasser mit den blauen Eisbergen und neugierigen Seehunden, weiter weg auch richtig große Eisberge. Dahinter türmt sich der riesige Gletscher auf, die Spitzen verstecken sich in Wolken. Viele Möwen fliegen und sitzen herum, der Parkplatz ist gut besucht, das Café auch.

Wir wärmen uns nach einem ausgiebigen Fotorundgang auf, trinken reichlich Kaffee. Lange unterhalten wir uns mit einer jungen Deutschen, die hier über den Sommer jobbt. Es sind echt viele, die hier arbeiten. Manche bleiben auch über den Winter. Ich kaufe mir einen Islandaufkleber und schreibe Postkarten und Tagebuch.

Um sieben schließt das Cafè, wir haben das ok, am See zelten zu können und fahren eine Piste Richtung Gletscher. Schnell finden wir ein windgeschütztes Plätzchen direkt am See. Nach dem Kochen und Zeltaufbauen gehen wir noch am See spazieren, beobachten die Robben – die meinen Käse nicht mögen und nicht näher kommen, klettern auf einen Hügel. Der Blick von dort oben ist Wahnsinn. Sonnenuntergang hinter’m Gletscher, davor der glitzernde graue See mit den Eisbergen, Möwen, Seehunde, die sich einen Schlafplatz auf Eisschollen suchen.  Das ist ein Traum.

Über eine Schotterrinne klettern wir wieder runter. Dietmar kommt auf die Idee, dass wir ein Stück Eis aus dem See fischen könnten. Gerade schwimmt ein Stück in der Nähe, das wie eine Ente aussieht. Also Schuhe aus und es rausgeholt. Schöne Fotos entstehen. Leider werden meine Füße nicht mehr warm, sodass ich das erste Päckchen Taschenwärmer brauche.

Aus der Ferne hören wir beim Einschlafen das Knacken des Gletschers. Morgens irgendwann bricht wohl ein größeres Stück knallend ab.

Morgens fahren wir am See entlang auf den Gletscher zu in der Hoffnung, ihm näher zu kommen. Auf der Ebene oberhalb geht es weit über Sand-, Wiesen-, Steinflächen. Aber näher kommen wir nicht. Beim Fahren verteidigen große Raubmöwen ihre Nester, fliegen ganz dicht hinter Dietmar und verfolgen ihn. Sieht gruselig aus. An der Seite gehen Abflüsse ab, der See dehnt sich immer weiter aus. Der Rand des Gletschers ist grau und zerfurcht. Wir genießen die Aussicht, die Ruhe, die Unberührtheit. Diese erste Strecke richtig offroad ist ein gutes Training nach einem Jahr ohne Schotter. Es ist nicht anspruchsvoll aber übt das handling, Rinnen fahren, durch Wellen, über Absätze und Hänge, auch schräg und quer à Gewichtsverlagerung.

Zurück am Meer machen wir Fotos von den Mopeds vor den Eisbergen, fahren zurück zum Zelt und packen. Dabei schwimmen wieder die Robben und beobachten uns. Im Cafè noch ein kleines Frühstück, Fotos von den Eisbergen am schwarzen Strand.

Francesco und Natascha, zu zweit auf der 1200 S, wir haben sie auf der Fähre kennen gelernt, sind auch da und wir können uns fast nicht trennen. Ein typischer Italiener mit gaaaanz viel Temperament. Natascha ist im 3 Monat schwanger – ganz schön verrückt.

Wir teilen schon den nächsten Abschnitt in Kilometer bis zu den Pausen ein – haben nicht so richtig Lust, zu fahren obwohl das Wetter ok ist. Es ist einfach zuuu schön hier.

Erstmal geht es um einen Gletscherberg herum bis Skaftafell. Hier ist der Svartifoss, zu dem man aber laufen muss. Keiner hat dazu so richtig Lust. Also legen wir uns einfach an den Fluss, der vom Svarti kommt: unter Birken und anderen Laubbäumen – ein seltener Anblick, an einem kleinen angestauten Teich mit bunten Kieseln, Blick in die kleine Schlucht darüber, Sitz-, Liegeplatz auf einer Holzbrücke. Ein schöner warmer Pausenplatz mit voller Sonne. Urlaub! Nochmal Energie tanken, der nächste Nebelstreifen ist schon zu sehen. Dann müssen wir doch los, fragen noch im Touribüro nach der nächsten Tankstelle. Über riesige Sandflächen, noch größer und weiter als gestern mit vielen vielen schmalen und langen Brücken über reissende Flüsse. Unterwegs noch ein kurzer Blick auf den Krossarfoss und endlich kommen wir in Kirkjubaerklaustur an. Hier gibt es eine Tankstelle, Supermarkt, Zeltplatz, Schwimmbad. Ein guter Platz zum Bleiben also. Und ein guter Ausgangspunkt für die Tour in die Lakispalte. Der Platz ist groß, viele Isländer verbringen hier ihr Wochenende. Zeltnachbarn sind ein deutsches Pärchen mit DR 350 und eins mit ’nem Auto.

Abends bin ich aufgeregt. Die erste lange Offroadstrecke (100 km), tiefe Furten bis zur Unfahrbarkeit, reifenmordende Lava, schwierige Pisten. Was hatte ich nicht alles über die Lakispalte gelesen. Und jetzt fahre ich dort hin. Zuerst machen wir meinen Vergaser noch wassertauglich. Es nieselt und wir basteln am Supermarkt unterm Dach.

Der Abzweig ist leicht zu finden, alles ist gut ausgeschildert. Der erste Teil geht über schwarze feste Piste.  Wir treffen einen Autofahrer, mit dem wir gestern schon gequatscht hatten. Er gibt mit seinem PKW auf, schafft die Piste nicht. Es nieselt weiter. Na toll!

Fahrerisch leicht, wenige steinige, geröllige Abschnitte, einige kleinere Bachdurchfahrten, die wir mit viel Gas und ich mit Angst meistern. Wir lernen: es geht auch langsam und ist sogar sicherer 🙂

Nach 30 km die erste Furt. Sie sieht tief aus. Und sie ist breit. Dietmar fährt vor und ich sehe die Tiefe, die Linie. Na gut, das scheint zu gehen. Ich laufe zuerst rein und schaue mir die Tiefe und den Boden an – das gibt Sicherheit. Ich fahre langsamer, kontrollierter, mit Blick auf’s Ufer. Es geht gut. Die Panik wird weniger.

Nicht viel später die zweite. Es ist ein echter Fluss und die Linie macht einen Bogen. Ich sehe keine Chance, das zu schaffen. Scheitern schon am zweiten Fluss? Meine Nerven treiben die Tränen in die Augen. Dietmar beginnt, sich die Wathose anzuziehen um im Fluss zu sichern. Ich habe das Gefühl, flüchten zu müssen, das Wasser sieht sooo tief aus. Flüsse dieser Breite sind bei uns richtig tief. Aber ich will ja da rüber und irgendwie muss es gehen. Also los – jetzt oder nie. Bevor Dieter fertig ist kicke ich an und fahre los. Die Linie ist klar: im Bogen links rum ist der niedrigste Wasserstand. Der Boden ist steinig, also aufstehen und Lenker festhalten. Ich fahre schnell, viel zu schnell. Das Wasser spritzt in alle Richtungen, bis hoch zum Helm. Ich will nur durch. Ich komme gut drüben an, bin völlig nass – von außen und innen. Es war gar nicht so schlimm, das Moped tut was ich will, das Wasser bremst aber drückt nicht weg. Der Boden war stabil. Ich bin erleichtert und denke, dass das ziemlich dumm war. Es kommen im Urlaub noch mehr Dummheiten 🙂

Dann kommt Dietmar, auch zu schnell aber mit weniger Angst. Männer nehmen’s doch leichter. Warum mach ich mich bloß so verrückt?

Trotzdem bleibe ich aufgeregt an diesem Tag. Insgesamt fahren wir etwa 12 Furten, davon 4 große (die beiden großen hin und zurück), dazu eine kleine Lavafurt, die zu tief und voller Lavabrocken ist und die wir durchschieben.

Die Ausblicke sind überwältigend. Trotz häufigen Regens, ständiger Wolken und Kälte kann man die Vulkanreihe erahnen. Sehen können wir sie kaum. Wir klettern auf einzelne Vulkane, bestaunen die verschiedenen Steine, die kleine Pflanzen, die selbst im Lavasand überleben, eine einzige Mondlandschaft, kleine Seen, mit Moosen überwachsene Lava – rote und schwarze, Sandfelder, mit und ohne Gras, quietschgrüne Flecken wo Schwefelwasser austritt.

Diese Laki-Spalte ist eine Vulkankette ist 1783 bei einem 8 Monate dauer nden Ausbruch   entstanden. Damals gab es viele 10 000 Tote durch die Gase und die folgende Hungersnot da auch viele Tiere starben.  Die Lavafontänen waren 100 m hoch.

Die Piste ist sehr abwechslungsreich. Wir fahren auf Sand, durch Lavafelder, über Geröll, manchmal ist es lehmig. Alles ist gut machbar, auch wenn es nun nass ist. Ab und zu gibt es Wanderparkplätze, Wege sind ausgeschildert.

Ich laufe zu einem kleinen Kratersee, der völlig eingeschlossen von Lava liegt: die Ränder spiegeln sich im ruhigen Wasser. Hier würd ich gern länger bleiben.

Wir fahren eine Schleife, man kann sich hier auch verfahren, es zweigen immer mal Wege ab. Wir müssen aufpassen. Am Ende der Schleife kommen wir an die Lavafurt. Sie ist nicht breit, liegt in einem grünen von Wasserlaufen durchzogenen kleinen Tal mitten im Lavafeld. Die Strömung ist kräftiger, die Tiefe ist grenzwertig. Aber es liegen viele scharfe Lavasteine drin. Wenn ich dort dagegen fahre und anhalten muss drückt die Strömung mich um. Mein Moped ist für meine Beine zu hoch, um so etwas halten zu können. Also schieben wir. Eine gute Gelegenheit, zu üben. Ich links, an der Strömung und am Gas, Dietmar sichert rechts und schiebt mit. Es geht gut. Das beruhigt für folgende Furten, die also auch tiefer sein können.

Der uns folgende Jimmy hat echte Probleme, setzt mehrmals auf.

Zurück wieder durch die breiten Furten. Die kleinen sind ok und ich fahre sehr kontrolliert durch. Die ganz große Furt hat nun am Nachmittag noch mehr Wasser, wir suchen uns einen anderen Weg: breiter, dadurch flacher. Mit Watstiefeln durch ist ok.

Zurück dann mit Tempo und im Stehen über die Piste. Übermütig genießen wir die Sonne, die nun raus kommt. Rechtzeitig, um den Fagrifoss in der Sonne schillern zu sehen.

An einem kleinen Wasserfall am Rückweg machen wir noch mal eine schöne Pause. Da kommen die beiden DR-Fahrer vom Zeltplatz mit ihrem Begleitfahrzeug dazu.

Beim nächsten Mal könnte man den Abzweig nach Buland ausprobieren. Dorthin gibt es zwei Pisten mit 2 bzw. 3 Furten.

Fazit: weiche Hügel, hohe Berge, eckige Vulkane, knubbelige Lavafelder, tiefe Schluchten, ein wunderschöner Wasserfall, liebliche Bachbetten, breite Flüsse, abgerutschte Hänge, Schafe, Serpentinen, steile Auf- und Abfahrten.

Bin völlig überfordert von den Eindrücken. Das würde für einen ganzen Urlaub schon reichen.

Leider ist der Zeltplatz am Abend gefüllt mit Italienern, die die Küche besetzen und ohne Ende Lärm machen. Ein krasser Gegensatz zu unseren Erlebnissen tagsüber. Sonst sind hier viele Deutsche, Holländer, Belgier, Franzosen. Der Zeltplatz kostet zusammen 1200 IKR, warme Dusche extra, Trockenraum, Küche, sauber, Tankstelle, Supermarkt, Bank, Cafè.

Das Wetter ist kühl, nieselig, windstill.

Die nächste Etappe soll nach Landmannalauga gehen.

Piste und Furten sollen leichter sein als Laki. Aber ich hab Bammel vor dem Wasser und trau mir das mit dem ganzen Gepäck nicht zu. Es regnet, nicht grad gute Bedingungen, um so eine Strecke zu fahren.

Also bleiben wir noch da: kochen, bummeln, quatschen, Eindrücke verarbeiten, mittags schauen wir uns eine Basaltformation an, von der der Ort seinen Namen hat: Kirchenboden, klettern hinter’m Zeltplatz den Wasserfall hoch, oben ist ein See, Pferde, Enten,…und eine schöne Aussicht auf das Dorf und die kleinen Krater. Anstrengend und steil, aber schöne Wasserfallbilder.

Danach gehen wir ins Schwimmbad mit Hotpot: entspannen nach der Kletterei. Die Italiener sind leider auch da. Entsprechend laut und unruhig ist es.

Abends in der Küche nerven die wieder richtig, belegen alle Tische. Ich motze rum und beim Frühstück ist es dann besser.

Start nach Landmannalaugar. Aufgeregt und unsicher von den Erzählungen und Reiseberichten fahre ich in die Piste. Mit Gepäck und im Regen ist es ziemlich wackelig. Dietmar ist schnell, ich trau mich nicht, bleib bei 50 km/h.

An der ersten Furt tragen wir das Gepäck rüber. Packsack, Rolle runter, Wathosen an. Wir quatschen mit einigen Autofahrern, alles Touris. Durch das Wasser kommen wir gut aber meine Unsicherheit bleibt. Wer weiß, was da noch kommt…

Die Hosen machen echt ’ne gute Figur:

Als ich wieder aufgeladen hab kommt ein Linienbus, den ich anhalte. Der Fahrer ist total nett und hat die Ruhe weg. Er nimmt mein Gepäck mit. Super! Sie fährt sich soooo viel leichter. Das macht richtig Spaß und ich hab nun keine Angst mehr vor den Furten. Alle anderen sind aber nicht mehr so tief und sehen auch nicht mehr so gefährlich aus, es waren so etwa 15.

Unterwegs ändert sich die Landschaft. Von weich-grün-wellig zu steinig-bunt-schwarz mit tiefen hellgrünen Tälern. Darin kringeln sich die Flüsse: Urwaldtäler. Es fehlen nur noch die Dinos. Bloß hätten die hier nix zu fressen.

Nachmittags kommen wir in die bunten Berge bei Landamannalaugar: eine volle Zeltstadt, Busse, ein warmer Fluss, der einen Hotpot bildet, viele Leute, auch die beiden DR-Fahrer. Die Berge sehen toll aus – wie auf den Fotos. Eine schöne Gegend zum Wandern. Uns ist es zu voll und zu laut. Als der Bus mit meinem Gepäck kommt lade ich deshalb auf und wir fahren gleich weiter nach Landmannahellir.

Durch die Eingangsfurt fahren wir wieder raus. Die ist recht tief, v.a. aber sandig. DRchen wühlt sich aber gut durch, jetzt mit Gepäck. Es regnet heftig, die Piste ist frisch geschoben und entsprechend weich und matschig, Rinnen, Löcher, bäh! Ich hab Panik, die DR fährt gut aber ich vertrau ihr nicht. Ich bin völlig verkrampft und hab keine Nerven mehr, bin klatschnass. Es ging ja alles gut und war auch nie gefährlich. Aber aufregend. Nun noch 2 kleinere Furten, eine mit einem großen Bagger drin, der frisch schiebt. Er ist nett, zeigt mir die flachste Spur. Und langsam weiter über matschige Piste.

Endlich angekommen in Hellir: ein völlig leerer großer Zeltplatz mit 3 Hütten. Eine schöne große Wiese, Toilette, Dusche ganz einfach. Es ist ziemlich kalt und es regnet richtig, wir können eine kleine Steinhütte mit Bank und Tisch nutzen, die aber feucht ist und uns noch kälter macht. Dietmar kocht Tee, ich baue das Zelt auf, Dietmar kocht Essen: Tomatensuppe mit Thunfisch, ich plane die Route für morgen und die nächsten Tage.

Im Zelt ist es kuschelig, wir verkriechen uns. Geschätzte 6-8 °C höchstens, Regen, gefühlt: eisig! Wir schauen noch Bilder in den Kameras. Schön, den Tag noch mal anzuschauen, v.a. die Filme. Dietmar schläft schon. Es ist etwa 23.00 Uhr, sehr hell, endlich hat der Regen aufgehört, Ruhe.

Leider kreischen in der Nacht Vögel und wecken uns auf. Und ich hab keine Ohrstöpsel dabei…

Am nächsten Tag regnet es weniger. Ausgeschlafen und unternehmungslustig erkunden wir die Gegend um die bunten Berge. Zuerst fahren wir Richtung Norden. Über eine schwarze Sandpiste kommen wir an eine tiefe Schlucht: Valagja. Sie sieht aus wie eine riesige Badewanne, rote Hänge, kein Ausgang. Weiter über eine Bergkuppe in den Sand. Um eine Furt zu vermeiden biegen wir irgendwo in eine Spur ab. Die Piste ist gut, aber zu weit westlich.

Wir kommen an der Wellblechpiste 26 raus, fahren weiter Richtung Sprengi. Hrauneyjar besteht aus der Tankstelle mit Touriinfo. Pause, Kaffee, SMS lesen und schreiben -seit langem haben wir mal wieder Netz- aufwärmen. Es ist kalt und fängt wieder an zu regnen. Weiter geht es kleines Stück auf Asphalt.

Wir biegen ab in die Sprengisandur: hieram Südende ist sie eine nervige breite Wellblechpiste, ausgebaut. Ganz nette Ausblicke, aber das Fahren macht keinen Spaß.

Der Versuch, um den Dorisvatn zu fahren scheitert. Alles ist gesperrt, nur für Autorisierte von der Wasserwirtschaft. Da wir die Regeln hier nicht kennen 😉 versuchen wir es lieber nicht. Also 20 km zurück. Noch ein Abstecher auf die F 228. Das ist aber nur Wellblech und tiefer schwarzer Sand. Auch keine besonders schöne Landschaft. Es wird spät und wir kehren um. Noch mal zur Tanke, dann Richtung Landmanna zu unserem Zelt. Der Versuch, über eine Nebenpiste zu fahren endet am Abrutsch der Straße. Schade! Die Piste war richtig schön. Also wieder zurück und über die offizielle Piste F 208: eine Baustelle, die Arbeiter sind ganz entspannt, wir fahren über frisch aufgeschütteten Schotter, Erdhaufen, Rinnen, Spuren, Wellblech. Witzig. Dann weiter Wellblechpiste, Sand.

Und wieder die 13,8 km nach Hellir: matschig, Regen, 2 Furten, Wasserlöcher, keine Sicht auf den Untergrund.

Klatschnass und kaputt kommen wir an. Den Abend verbringen wir in einer der Hütten mit einem Paar aus Sachsen. Sie sind mit einem Auto 4×4 unterwegs und haben eine organisierte Tour mit einfachen Übernachtungen, Auto, Flug gebucht.

Wir können bei ihnen kochen und unsere Klamotten trocknen. Seeeehr angenehm. Dann kriechen wir ins Zelt und ich schlafe super bis die Vögel wieder schreien.

Auf dem Zeltplatz stehen nun 3 Zelte. Er liegt in Kringla, an einem breiten flachen Fluss, eine ganz ebene Wiese mit Tischen, sehr einsam und idyllisch, leider ohne echten Aufenthaltsraum.

Heute wollen wir echte Pisten, kein Wellblech mehr. Auf zur Südroute um Landmanna herum: Abzweig nach Hrafntinnusker. Jeeppisten, Berge, Sand, steile Auf- und Abfahrten, Schotter, tiefe Rinnen, aufgebrochene Erde, erodierte Böden.

Dann kommen wieder bunte Berge: Streifen mit Rot und Schwarz, dazu grüne Moose. Leider wieder nur Regen. Trotzdem sind die Eindrücke überwältigend.

In Sichtweite die ersten Dampfwolken. Da wollen wir hin!

Aber zuerst fahren wir steil hoch auf einen Hügel mit einer tollen Rundumsicht.

Dann kommen wir an einen Abzweig, vor uns raucht es. Also einfach in diese Richtung. Wir parken über einer dampfenden Rinne: ein Wasserlauf, Gase, Schwefel, Farben, Schneefelder. Wir suchen uns einen Weg hinunter, machen AVI’s und viele Bilder, bleiben lange da. Es fängt wieder an zu regnen und wird saukalt.

Ich laufe noch mal zu einer anderen Dampfwolke. Groß und beeindruckend blubbert und zischt es unter mir aus dem Berg. Der Regen wird stärker, wir müssen also weiter fahren.

In einer Sackgasse kommen wir an noch mehr Blubberblasen, daneben ein Schneefeld. Genial! Da ist wirklich Feuer und Eis direkt nebeneinander. In der nächsten Sackgasse ein kleiner Gletscher. Reingehen wollen wir nicht. Der Gletscher ist gefährlich, überall stehen Warnschilder, es brechen große Stücke ab. Wir sind auch vom Wetter genervt und fahren bald weiter.

Die Pisten machen richtig Spaß. Nur das Wetter ist schrecklich. An einer tiefen Furt sind wir zu unmotiviert, die Wat-Hosen anzuziehen. Danach würden noch mehr große Flüsse kommen, die bei diesem Regen sicher zu tief für uns sind. Dörsmörk muss noch ein bisschen auf uns warten.

Wir fahren noch mal in eine andere Piste rein. Aber es geht immer höher und wird immer kälter. Ich kann nicht mehr, friere so sehr. Die Furten nach Hellir sind höher als am Morgen, gut, dass wir nicht noch später dran sind. Zum Wasserfall, der von weitem zu sehen ist, kommen wir leider nicht. Es gibt wohl keinen Weg. Am Ende sind es heute nur 60 km.

In Hellir fragen wir die beiden netten Rangerinnen, ob wir eine Hütte zum Aufwärmen und Trocknen benutzen dürfen. Super! Jetzt ist mir sehr warm, wir verbringen den Nachmittag hier trocknen alles, kochen, essen, schreiben, ruhen uns aus. In unserer Höhle bleiben wir nicht lange, räumen nur die Sachen rein. Es ist dunkel, die Steine sind nass, alles ist feucht und kalt. Ich krieche gleich in den Schlafsack.

Wir fahren weiter mit Gepäck. Erstmal auf der F 225 Richtung Westen, um auf die 26 zu kommen. Wir rechnen mit Wellblech, Asphalt, einem langweiligen Tag, planen Museum und Wasserfall. Wir wollen nur nach Sellfoss zu Anke.

Dann biegt Dietmar ab zur Hekla. Ok, wir können ja mal gucken. Die Piste ist in der Karte nicht drin. Aber sie geht weiter. Erster Stopp am Wanderparkplatz. Ich fahre steil bergauf weiter um zu sehen, wo es da hin geht. Und es geht immer weiter. Wir fahren hoch bis zur letzten Parkmöglichkeit. Steil, noch steiler, wellig, sandig, rutschig. Und das mit Gepäck. Der Weg endet an der Kante und man muss aufpassen, nicht hinten wieder runter zu fahren. Eine tolle Aussicht. Die Hekla versteckt sich leider in den Wolken. So heißt sie ja auch. Boah, ist das schön hier!

Runter bin ich gaaaanz langsam. Fuß für Fuß, aber dann geht es gut. Am Abzweig versuchen wir heraus zu finden wo der andere Weg hin geht. Es scheint eine Piste bis zur 210 zu geben. Das probieren wir!

Sie ist gut fahrbar, auch mal Sand, viele Lavafelder, an deren Kante entlang, fast immer die Hekla im Blick, Schotter, kahl, schwarz, ein roter Berg, wieder grün, keine Furt, zwischen langen Bergrücken entlang, einsam. Die Richtung stimmt, wir kommen nur weiter westlich raus als gedacht. Das Wetter ist verrückt. Mal Sonne, viel Wind, dicke schwarze Wolken, immer wieder Hagel. In dieser Einsamkeit wirkt das richtig bedrohlich.

Am Ende treffen wir auf die 210. Dort machen wir Pause, stehen in der Sonne. Würden wir hier links abbiegen kämen wir nach Dörsmörk … Später! Ich laufe zu einem Geräusch das sich als schöner Lava-Wasserfall entpuppt. In dieser schwarzen Sandwüste ein verspielter Fluss – verrückt!

Wir treffen Ösis mit einem Jimmy, die mit uns ihre leckere Himbeerschokolade teilen. Energiiiieee!

Weiter geht es über Keldur – Hella zu Anke. Ich verpeil es, zu tanken und muss das Moped umlegen um an den Sprit in der rechten Tankseite zu kommen. Toll mit dem Gepäck. Dietmar muss helfen.

Es ist wieder kalt und feucht. Bin ich froh, heute abend ein Dach zu haben und zu trocknen. Duschen!

Dietmar und Anke fahren heute nach Reykjavik. Ich fahre alleine zwei Pisten nach Norden.  Reykjavik und die isländische Loveparade sind nicht das, was ich heute brauche. Lieber in die Berge. Es ist trocken, die Sonne scheint, alles ist gut und ich freue mich auf Pisten ohne Gepäck…

Dass die Piste so anstrengend wird hab ich nicht erwartet. Ziemlich gefährlich alleine. Durch trockene Flussbetten, steile Auf- und Abfahrten und dann über eine nicht enden wollende Sandstrecke. Am Ende stehe ich an einem sandigen Flussbett, auf der anderen Seite die Straße. Es dauert eine Weile, bis ich eine halbwegs feste Strecke finde um rüber und das Ufer nach oben zu kommen.

Von hier ist es nicht mehr weit bis Pingvellir: die berühmte Schlucht, in der das Gründungstreffen der Isländer stattgefunden hat. Interessante Ausstellungen und Filme erklären die Geologie und die Geschichte.

Hier sind ne Menge Touris, es gibt viele Wanderwege, kleine und große Risse in den Steinen, Wasserfälle – sehr idyllisch. Ich wandere ein bisschen, genieße die strahlende Sonne. Entlang des Pingvallavatn mit schönen Ausblicken auf Blubberfelder und kleine Wälder mit tiefen Einschnitten fahr ich wieder Richtung Sellfoss.

Wir machen einen Bummeltag. Dietmar und Anke haben 2 Mopedfahrer von der Fähre getroffen und eingeladen. Die beiden kommen heute hierher zum Quatschen und Verabreden. Wir trinken einen Kaffee mit ihnen und verabreden uns für morgen im Hochland. Dorthin wollen wir noch mal und hoffen auf trockeneres Wetter.

Dann fahren wir los zum Geysir und zum Gullfoss. Beides sind Touriziele, naja, man muss halt mal da gewesen sein.

Im riesigen Gullfoss spiegelt sich die Sonne und wir sehen ihn mit einem großen Regenbogen. Sehr beeindruckend.

Und dann steht plötzlich Lutz aus meiner Sambagruppe vor mir. Ich weiß ja, dass er auf der Insel ist, verabredet waren wir aber nicht. Und jetzt treffen wir uns hier 🙂  Tja, Island ist gar nicht so groß.

Weiter zum Geysir Strokkur – er macht es spannend. Erst kommt er gar nicht hoch, dann mehrere Male hintereinander. Gewaltig und sehr sehr heiß.

Mit Minimalgepäckbrechen wir früh auf ins Hochland zu Andreas und Thomas. Erstes Ziel ist die Flugplatztanke. Ich schaffe es mit der Tankfüllung  gar nicht bis dorthin, muss vorher das Moped umlegen. Es stürmt, das Moped muss richtig schaffen. Von dort fahren wir südlich auf die Sandpiste. Der Sand zieht sich, wir fahren Nebenstrecken, verfahren uns, nervig.

Dann finden wir endlich den richtigen Weg, waren viel zu lange östlich gefahren. Wir waren am Abzweig vorbei gefahren, haben ihn nicht erkannt obwohl wir schon mal da waren. Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg, fahren Richtung Hekla, der macht richtig Spaß, geht in die Höhe, mehr Steine. Als wir an der Valagja-Schlucht sind sind wir sicher. Die Sonne scheint, die Laune wird blendend. Über die F 225 nach Hellir düsen wir mit 100 km/h im Tiefflug mit Staubfahnen dicht hintereinander …

Andreas und Thomas haben uns eine Hütte reserviert, sie zelten davor und genießen die Sonne.

Wir laden ab, dann geht’s gleich los.

Wir fahren die bekannte Piste nach Hrafntinnusker, fahren die Steilauffahrt zum Aussichtsberg hoch. Oben steht eine F 800 GS mit isländischem Kennzeichen: ein einheimische Mopedguide. Er zeigt uns 10 Gletscher, die man von hier sehen kann. Die Namen kann ich mir natürlich nicht merken. Ich versuch’s mal nach der Karte: Torfajökull, Haskerdingur, Siduj., Skaftarj., Tindfjallej., Myrdalsj., Langj., …

Zusammen fahren wir bis zur T-Kreuzung, an der die Blubberspalte liegt. Dieter geht mit Andreas und Thomas noch mal rein. Ich quatsche mit dem Isländer über seine Ideen. Er will Reisen anbieten für Edelweiß, die wollen Touren ohne Offroad für ihre Luxusreisenden. Auf Island?? Er liebt die Westfjorde und gibt uns gute Tipps, die wir dann später auch ausprobieren.

Wir fahren weiter zu der Furt, an der wir das letzte Mal umgekehrt sind. Nun, ohne Regen ist sie kein Problem, viel weniger Wasser, auch die KTM und die Alp kommen gut rüber. Der Weg dorthin ist sooo schön: überall raucht es, die Steine sind farbig, Schwefelflecken, gelber Sand, lustige Piste mit viel Auf und Ab und vielen kurven. Das Wetter ist toll. Die Berge sehen ganz anders aus, wir haben super gute Sicht, schauen in tiefe Urwaldtäler, queren 2 Furten, sehen viele verschiedene Lavaformationen, machen gegenseitig Videos, stehen in Lavafeldern mit Blümchen. Was bin ich froh, den kleinen Stoppelhoppser zu haben. Damit geht es sooo leicht und ich kann das Fahren genießen und außerdem rumgucken.

Es ist ein richtig toller Tag bei tollem Wetter.

An der Hütte baue ich noch die neue Vergaser-Feder in die DR ein. Die 3 Männer geben ihre Kommentare dazu ab und machen Fotos.

Abends kochen wir in der Hütte. Wir sind müde, es war ein langer Tag und sind bald in den Kojen. Betten! Warm! Ruhig!

Morgens sind die Mopeds weiß überzogen. Wir haben Frost bei ganz klarem Himmel!

Heute bringen wir Andreas und Thomas Richtung Süden auf der Landmannastrecke. Das Wetter ist super. Die Piste ab Hellir ist trocken. Kein Vergleich zum letzten Mal bei Regen. Wir fliegen über die Piste, es macht richtig Spaß. Morgenkaffee gibt’s in Landmannalaugar.

Endlich geht’s weiter auf die Piste. Die Sonne lacht, ich mache viele Fotos und Filme. Die Strecke kennen wir ja. Dietmar und ich fahren mal vorn, mal hinten, wechseln uns ab im Furtenerkunden. Alle sind einfach zu fahren, die Gegend ist wunderschön und ich hab Zeit zum Gucken.

Die südlichste, letzte Furt, die tiefste, ist heftiger. Wir waten in den Hosen durch, sichern Andreas und Thomas. Die beiden haben keine Hosen dabei. Ich bin froh, dass ich sie habe – die Hosen.

Auf der anderen Seite steht ein Auto, deren Insassen sehen wollen wie wir das machen. Wir lassen ein Foto von uns allen machen und verabschieden uns. An der Eldgia-Schlucht schau ich noch mal rein und verspreche mir, wieder zu kommen. Die Furt ist für uns zu tief und die Zeit zu knapp.

Wir biegen westlich ab in die 210. Jetzt kommt wieder ein Stückchen Abenteuer. Die Piste macht unheimlich Spaß, ist nicht schwierig aber abwechslungsreich. Wieder sind es andere Farben, wieder sehen die tiefen Täler anders aus.

Die erste Furt ist tief mit Lavasteinen und Sand + Strömung. Dietmar  gräbt sich auf der Sandbank ein. Ich mach erstmal Fotos. Zusammen schieben wir sie dann rüber. Danach holen wir meine. Ohne Motor und auf einer anderen Linie. Geht gut, ist aber anstrengend. Wir ruhen uns am anderen Ufer aus und ich dreh ein lustiges Video von Dietmar.

Die Piste schlängelt sich durch grüne breite Täler, ab und zu durch kleine Bachläufe und Furten, nichts tiefes. Dann wieder durch Lavafelder, die ganz anders aussehen als bisher, über Kuppen, entlang von Kämmen. Sie lässt sich gut fahren, ich bin eher langsam und genieße die Ausblicke, sauge die Eindrücke in mich auf. Trotzdem bin ich sehr angespannt, kenne ja die Beschreibungen und den Verlauf dieser Strecke nach Þórsmörk von Berichten.

In einem kleinen Bachlauf möchte Dietmar ein Foto vor einer Lavawand machen. Als ich dort ankomme steckt sein Hinterrad schon bis zur Achse im Sand. Ne, ne! Ich mach erstmal Fotos, dann heben wir sie raus.

Weiter geht’s auf einer sehr schönen interessanten Piste bis zur nächsten Furt. Die ist breit, hat mehrere Arme, eine heftige Strömung und ist richtig tief. Man kann nicht auf den Grund schauen: trübes Gletscherwasser. Wir laufen den ganzen Fluss ab auf der Suche nach einem sicheren Weg. Aber wir finden keinen. Der tiefste Arm bleibt unsicher, v.a. weil der Grund nicht zu sehen ist. Immer wieder gibt es bei den Ein- und Ausfahrten tiefen weichen Sand.

Inzwischen ist es 16.00 Uhr und aus dem leichten Nieselregen ist richtig dicker Regen geworden. Über dem Gletscher ist es schwarz zugezogen.

Hinter dieser Furt kommen viele weitere, deren Zustand wir nicht kennen. Wir haben kein Zelt dabei, können also nicht warten, bis der Wasserstand sinkt. Einzige Hilfe wäre eine Hütte hinter dieser Furt, danach kommt nichts mehr.

Wir entscheiden uns schweren Herzens für’s Zurückfahren, gegen das Risiko zwischen den Furten hängen zu bleiben. Von hier haben wir noch die Chance, ohne große Furt auf die südliche 1 zu kommen. Schade, denn diese 210 hätte ich gerne erlebt. Sie ist eine der schönsten Pisten im Hochland.

Also fahren wir ein paar Kilometer zurück bis zu einem Abzweig, an dem die 210 Richtung Süden rausgeht. Es ist kalt, an der 1 ziehe ich alles an, was ich dabei habe. Bin ja auf offroad eingestellt, nicht auf’s schnelle Asphaltfahren.

Über die 1 durch Vik, mit Blick auf den Skogarfoss, vorbei an den berühmten Stränden fahren wir Richtung Westen. Es ist weit und macht nicht so richtig Spaß. Wir sehen immer auf den Gletscher und die dicken schwarzen Wolken darüber. Das sieht nach Unwetter, vielleicht sogar Schnee aus. Wir haben uns richtig entschieden.

Wir halten noch an einer Tanke zum Kaffeetrinken und aufwärmen, am Urrigafoss, klein aber nett und kommen abends bei Anke an.

DRchen ruckelt bis zum Stehenbleiben und ich hab keine Ahnung, warum. Sie springt dann immer wieder an und bläst schwarz hinten raus, ich vermute Dreck im Vergaser, die Mischung stimmt nicht. Es nervt, passiert aber zum Glück immer nur auf Asphalt.

Spät, gegen Mitternacht, gehen wir noch in den hotpot von Solheimar. Toll, unter’m Sternenhimmel im 40°C heißen Wasser zu liegen. Im großen warmen Becken kann man richtig schwimmen.

Jetzt wird es tatsächlich schon richtig dunkel. Es geht auf den Herbst zu und hier geht das ganz schnell.

Morgens packen wir die Mopeds und brechen auf in den Norden. An Anke verschenken wir noch ein paar Dosen Leberwurst. Die gibt’s hier nicht und sie freut sich.

Zuerst fahren wir nach Pingvellir. Über eine gute Schotterstraße kommen wir an die Kaldidalur. Erstmal Umleitung: gar nicht so schön zu fahren aber nicht sehr schwierig. Die Kaldi ist auch nicht schwierig, sie ist hoppelig und grob aber kaum Wellblech. Es ist sehr kalt und windig, wir fahren zwischen 4 Gletschern durch: dem Langjökull, dem Okjökull, dem Dorisjökull und dem Geitlandsjökull. Die Gegend ist kahl und grau, abweisend und einsam.

Lange halten wir uns nicht auf, weiter, weiter.

Endlich ändert sich die Landschaft wieder. Es wird weicher, runder, grüner. An einem Fluss, kleinen Büschen und vielen Heidelbeeren machen wir Pause. Am Fluss stehen hohe Basaltsäulen, es sieht beeindruckend aus. Wir genießen die Sonne und wärmen uns auf. Standardmäßiger Imbiss sind Erdnüsse und Rosinen mit Schokoüberzug, ich esse dazu viele viele Heidelbeeren und mache Fotos.

Auf den nächsten Kilometern wird es richtig lieblich und warm. Wir kommen in ein grünes Tal mit Bäumchen, Asphalt und Kurven. Und schon der nächste Stopp: am Hraunfossa. Die ganze Felswand entlang kommen kleine Wasserfälle aus der Lava. Hraun heißt Lava. Ein Stück weiter zu Fuß kommen wir an den Barnafall. Hier ist der Saga nach ein Kind reingefallen. Davon hat der Fall seinen Namen, er ist breit aber nicht hoch.

Jetzt ist es warm und die Sonne scheint. Eine isländische Chopperfahrerin hat wohl ihren Samstagsausflug hierher gemacht. Es ist seltsam auf diesen Pisten einen Chopper zu sehen.

Weiter über Asphalt kommen wir nach Borganes. Es hat wieder angefangen, leicht zu regnen, wir haben die Bergstrecke südlich vom Tal genommen und sehen die dicken Regenstreifen über dem Tal. Gute Entscheidung, oben am Berg zu bleiben. Nun kommt Sturm dazu. Vor uns sehen wir eine lange Brücke, die über den Fjord führt. Ich hab ein bisschen Bammel vor dem Seitenwind, aber hier unten ist es ruhig.

Am Ortseingang machen wir Pause in der Tanke. Zum Glück gibt’s hier immer auch richtiges Essen und viel heißen Kaffee zum Aufwärmen.

Die Suzi fängt wieder an, zu ruckeln, fängt sich aber immer wieder. Seltsam.

Wir fahren in den ersten unserer Westfjorde, schaffen es sogar entlang hoher Vulkane über einen ekligkalten Pass bis an die Nordseite vom Snaefellsnes, kurz vor Stykkesholmur. Der eingezeichnete Zeltplatz existiert wieder nicht. Wir fragen an einem Hof und dürfen am Fuß des Heiligen Berges Helgafell zelten. Es gibt eine Toilette, Wasser, dazu eine weiche Wiese mit Blick auf einen See – also alles was wir brauchen. Wir bleiben 2 Nächte. Abends machen wir einen Spaziergang auf den Berg. Ein schöner Blick zum Sonnenuntergang über dem Meer, hinter uns die hohen bunten Berge, ein roter Vulkan, Seen, Lavafelder. Dann schauen wir uns die Kirche an – die scheint berühmt zu sein. Nun ist mir wärmer und ich schlafe gut.

Hier hat das erste Treffen der Volksversammlung stattgefunden. Sozusagen der Vorgängerplatz von Pingvellir. Es scheint ein echtes Ausflugsziel zu sein. Immer wieder kommen isländische Autos, Leute gucken und laufen auf den Berg und zur Kirche.

Dieser Ort kommt sogar in meinem ersten Islandroman vor, der auf dieser Halbinsel spielt. Der Großvater der Geschichte ist auf Helgafell groß geworden.

Morgens fahren wir nach Stykkesholmur rein, informieren uns an der Fähre, versuchen, weil es immer wieder regnet und wir eigentlich nur eine Nacht bleiben sollen, ein Zimmer zu finden. Ist aber alles voll und so werden wir einfach auf dem schönen Zeltplätzchen bleiben. Nach einem Frühstückskaffee an der Tanke machen wir uns auf den Rundweg über die Halbinsel. An der Nordküste fahren wir Richtung Westen.

Immer wieder halten wir an schönen Ausblicken, einmal fahren wir auf den schwarzen Sandstrand. Tiefe Spuren machen die Einfahrt schwer, ich grab mich ein und mit allen PS, die die DR hat auch wieder aus. Ein bisschen Spielen im Sand, ein Stück rauf- und runter fahren. Ich finde eine schöne große Muschel, dann geht es weiter.

Bei Olafsvik biegen wir ab in die Piste zum Gletscher. Es geht sehr steil bergauf, der Schotter ist ok. Wir sind allein, es ist kalt und windig. Am höchsten Punkt geht eine Piste ab. Es geht noch weiter. Steil, schräg, geröllig und mit Rinnen treiben wir die DRchen bergauf. Auf einem Kamm ist Ende: kurz vor dem Eis stehen wir weit über den Vulkanen mit Blicken auf’s Meer in beide Richtungen der Halbinsel. Über uns der Snaefellsjökull. Wir laufen auf dem Kamm entlang zu einer zusammengefallenen Wetterstation.

Dieser Vulkan hat die Halbinsel ausgespuckt, vorher war hier Wasser. Unheimlich beeindruckend! Die Vulkane unter uns waren vorher von unten riesig anzusehen, jetzt sind es kleine Spitzen. Wir sind etwa 1000 m hoch, unter uns auf beiden Seiten das Meer.

Leider müssen wir auch wieder runter. Gar nicht so einfach an dem schrägen Hang. Weiter über schnelle Serpentinen, durch Lavafelder und an steilen Felsen entlang fahren wir an die Südküste. Hier fallen unheimlich viele kleine Wasserfälle von den Felsen. Es ist fast trocken, viele Wolken und heftiger Wind ziehen über uns.

Unterwegs halten wir an der Singenden Höhle: eine kleine Lavahöhle mit Echo. Es gibt ganz viele solcher Höhlen, manche sind begehbar. Man muss aber sehr vorsichtig sein, sie können beim Drüberlaufen einstürzen, man kann in Löcher fallen und wird dann nicht mehr gefunden weil sich die weiche Lava wieder schließt.

An der Südseite bei Malarrif fahren wir über einen Wanderweg über die Wiese zur Steilküste. Nistende Möwen und bizarre Lavaformationen im Meer sehen wir, aber leider keine Papageientaucher. Die sind schon weg.

Rund um die Spitze der Halbinsel ist es wenig spektakulär. Hier steht das höchste Bauwerk Islands: ein Sendemast. Es gibt einige verstreute Häuser, von denen jedes einen Ortsnamen trägt, einen Leuchtturm.

Eine leckere Kaffeepause gibt es in Olafsvik: Kaffee, Käse und einen Happen Vollkornbrötchen. Wir machen ausnahmsweise mal Pause an einer Bäckerei. Olafsvik ist ein sympathisches Städtchen, wirkt modern und freundlich. Ab und zu scheint sogar die Sonne.

Hinter Olafsvik biegen wir noch mal an die Südküste ab. Die Piste ist einfach, führt wieder durch alte Vulkane in einer kargen, schroffen Landschaft. Bergab fühlt es sich an wie Fliegen: in großen Serpentinen schwingt sich die Piste zum Meer runter.

Im Süden ist das Wetter wieder ruhiger. Wir trödeln die Küste entlang, jeder hält mal, um Fotos zu machen. Wieder sehen wir viele kleine Wasserfälle, nette Blicke auf Strände. Hier könnten Seehunde und Seebären sein, ich seh’ aber keine.

In Vegamot – einer Tankstelle mit Imbiss- halten wir kurz, ich frage nach dem Weg: „Nur für große Allrads, nicht für Motorräder möglich…“.  Wir biegen wieder ab nach Norden und fahren diesmal nicht den Hauptweg sondern eben diese erfragte parallele Piste. Sie ist nicht schwer, zieht sich unter zwei Bergkämmen durch und mündet an der Nordküste an den bunten Vulkanen wieder auf dem Hauptweg. Von wegen nur für Allrads! War echt einfach. Man darf wirklich nicht alles glauben. Kaum ein Isländer hat Motorrad-Erfahrung und kann es deshalb überhaupt nicht einschätzen.

Wir fahren noch mal nach Stykkesholmur rein, wärmen uns auf, gehen aber leider doch nicht in den hotpot. In der Tanke sitzen wir lange, Dietmar fährt noch mal fotografieren und die Post suchen.

Ich beobachte die Gäste der Tanke. Sie ist wie in allen Orten der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Hier trifft sich die Jugend, hier gibt’s fast food, Zeitungen, Kaffe, Fernsehen. Es ist der Supermarkt  und das Cafè der kleinen Orte.

Die abendliche Suppe, wie ganz oft Tomatensuppe mit Thunfisch, esse ich mit Blick auf unseren kleinen See. Enten schwimmen, die Sonne spiegelt sich rot darin, dahinter liegt der große  rotgestreifte Vulkan und es ist stürmisch. Romantik pur. Es wird kalt.

Mein Moped ruckelt immer noch, Dietmar schaut danach, lässt Sprit ab, kann aber auch nichts finden. Solange sie läuft lass ich es dabei und versuche, abends immer den Vergaser leer zu fahren. Dann springt sie morgens besser an.

In der Nacht stürmt und regnet es.

Der Wecker sorgt 7.00 Uhr dafür, dass wir die Fähre nicht verpassen. Eingespielt packen wir die Klamotten ein, Dietmar kocht Tee, ich verpacke die Hütte, wir sind in 45 Minuten fertig zur Abfahrt und rechtzeitig an der Fähre.

Auf der Fähre gibt’s erstmal Kaffee und Espresso-Trinkschokolade. Ich hab Probleme mit dem Seegang und lege mich nach einem Leseversuch hin. Der Seegang wird bis zur Insel Flatey immer heftiger. Ich verschlafe die Insel, Dieter macht Fotos. Als er wieder da ist und sich auch hingelegt hat kommen Arbeiter zu uns. Ein Moped wäre umgefallen und ein Hebel abgebrochen. Ok, wir haben Ersatz dabei, keine Aufregung. Also legen wir uns wieder hin.

Von der Fähre runter muss Dietmar schieben, anfahren mit Gepäck ohne Kupplung klappt nicht. Wir stehen im Regen, den Hebel hab ich schon auf der Fähre rausgesucht. Also hier umbauen. Einer von der Fähre bietet dann doch Hilfe an aber da sind wir schon fertig. Jetzt darf keine mehr umfallen. Das haben wir auf den folgenden Pisten immer im Kopf. Den Ersatz-Hebel wie auch das demolierte Kochgeschirr bezahlt die Fähr-Gesellschaft später ohne Probleme. Verzurrt hatten nämlich sie das Moped.

Im heftigen Regen fahren wir bis zu einem kleinen Supermarkt, der aber grad schließt. An der nächsten Hütte ziehen wir uns dann alles an was wir dabei haben: der Regen wird immer schlimmer, es stürmt und ist kalt. Über einen hohen Pass und durch Berge hindurch fahren wir auf die Nordseite des Fingers und kommen an den schönsten Wasserfall Islands: den Dynjandi. Er fällt über viele Stufen und Rinnen zwischen den Lavablöcken hindurch. Ich klettere ganz nach oben, mache schöne Bilder und genieße den Ausblick ins Tal und den Fjord. Unterwegs gibt’s wieder Heidelbeeren. Hier ist es sogar trocken und die Sonne kommt mal raus.

Die Zeltplätze die wir sehen bestehen hier nur noch aus einer Wiese und einem Holzhäuschen mit Toilette und Waschbecken. Völlig ausreichend, nur bei Regen wäre ein Wetterschutz irgendwie schön.

Unterwegs überholen wir ein Paar auf Fahrrädern, das wir am Abend wieder treffen. Es muss sehr sehr anstrengend sein, weil es ganz oft stürmisch ist und das Fahren auf dem Schotter nicht einfach ist. Besonders schön war es, Philipp kennen zu lernen. Er fährt leidenschaftlich Fahrrad und hat die Insel in der gleichen Zeit umrundet wie wir. Nur das Hochland ist echt nix, da muss zu viel geschoben werden.

Wir queren den nächsten Fjord-Finger auf einer Schotterpiste und kommen im Regen nach Pingeyri. Hier gibt es einen Zeltplatz und ein Schwimmbad. Das Bad wird gerade renoviert, der Zeltplatz ist leer: eine Wiese… keine Dusche. Wir fragen, ob wir im Bad schlafen dürfen – leider nein. Daneben zelten wär auch ok.

Über der Touri-Info mit sehr netter Betreuung finden wir ein kleines Hotel mit Cafè. Dort machen wir Pause und buchen uns dann gleich ein Zimmer. Der Preis ist ok: Zimmer mit eigenem Schlafsack ist nicht so teuer. Es ist kalt und regnet, morgen haben wir eine harte Strecke vor uns also wollen wir gut schlafen.

In der Info sehen wir das Bild vom Geheimtipp unseres F 800-Fahrer, unseres morgigen Ziels: die Piste, die nur bei Ebbe befahrbar ist. Sieht spannend aus. Wieder gar nicht gut für die Nerven. Heute ist nur noch Flut, also morgen früh.

Wir genießen es, den regnerischen Nachmittag bei Kaffee und Keksen drin zu sitzen, zu lesen und uns zu unterhalten. Abends gibt’s ein Lammgulasch. Lecker! Hier wohnen einige Touris, bunt gemischt sind es Deutsche, Belgier, Franzosen und die Schweizer mit den Rädern. Uns bedient der Chef: sehr freundlich und aufgeschlossen. Die weibliche Bedienung wirkt verschlossen, fast genervt. Sie braucht wohl  Zeit, aufzutauen. Später ist sie doch noch gesprächig und sogar lustig 🙂

Beim Stadtrundgang sehen wir, wie oede der Ort ist. Viele Häuser stehen leer, verfallen. Der einzige Treffpunkt ist wieder die Tankstelle, an der wir Trockenfisch, Schokolade und Äpfel kaufen. Der Hotelchef erzählt von den vielen Leuten, die wegen der besseren Zukunftschancen wegziehen. Die Dörfer hier sterben alle demnächst aus.

Abends duschen wir ausgiebig und genießen das heiße Wasser, waschen Klamotten, drehen die Heizung auf. Die leichten Schlafsäcke sind leider zu dünn, sodass wir frieren und gar nicht gut schlafen. Ich hole sogar nachts aus einem leeren Zimmer eine Bettdecke.

Morgens unterhalten wir uns beim Frühstück mit den Schweizer Fahrradfahrern, die wir gestern an der Piste gesehen haben. Sie sagten, Island ist schön, aber mit dem Fahrrad muss es nicht sein. Waren ziemlich kaputt von den Anstrengungen.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen in den Vorraum des Hotels und fahren auf die Piste um die Halbinsel und den Berg Kaldbakur ohne Gepäck. Sie hat sogar eine Nummer: 622 – und für uns einen Namen: Gunther’s Road.

Es beginnt mit einer netten Schotterpiste am Meer entlang. Auf und ab, ohne große Schwierigkeiten. Manchmal ausgesetzt hoch am Hang mit gutem Ausblick, manchmal durch Wiesen, Schotter, fester Weg, dann wieder am tiefen Abgrund der Steilküste entlang. Viele Wasservögel schwimmen unter uns im Meer oder fliegen auf wenn wir sie stören. Menschen sehen wir keine. Wir filmen uns gegenseitig. Auf der Straße stehen plötzlich vor mir 4 Schafsböcke und gehen nicht freiwillig weg. Ich will sie auch nicht in den Abgrund jagen. Sie scheinen zu überlegen, ob sie oder ich stärker sind. Zum Glück laufen sie dann doch weiter und irgendwann den Abhang runter.

Wir kommen an einen gelben Leuchtturm, machen Pause, essen Heidelbeeren, fotografieren.

Bald kommen wir an die Schlüsselstelle: Hier kommt man nur bei Ebbe durch. Große Steine liegen locker und tief rum, fallen schräg zum Meer ab, alles ist nass und voller Algen. Darüber ein felsiger Überhang. Es sieht spektakulär aus. Fahren trauen wir uns nicht. Also mit Motor schieben. Wir würgen die Suzis immer wieder ab, müssen wieder drauf und ankicken, wieder runter und schieben. Aber es ist nicht weit und wir sind froh, als wir das Stück nach 30 Minuten hinter uns haben. Den Abschluss bildet ein Felsentor, durch das wir fahren. Am Ende sind die Kupplungen auch am Ende, haben Schaum geschlagen.

An der Küste entlang geht es wieder in Richtung Osten. Leider finden wir den Abzweig nicht, um über die Berge zurück zu kommen und fahren weiter bis zur Schotterstraße. Die Piste ist angenehm zu fahren, Pause machen wir an einem Bach – unserer einzigen Furt heute. Links über uns türmen sich die Felsen, die oben wie abgeschnitten aussehen. Alle Berge an den Fjorden hier sind ehemalige Vulkane, die gespuckt haben als sie unter dem Gletscher lagen. Dadurch wurde die Lava auf den Gletscher geschleudert und dann abtransportiert, die Oberfläche wirkt wie glatt gefräst. Sie sehen deshalb wie Tafelberge aus und sind doch Vulkane.

Nach 70 km zurück in Pingeyri machen wir noch eine Kaffeepause, packen die Mopeds, tanken und fahren weiter nach Isafjördur.

Hier treffen wir die Schweizer Fahrradfahrer an der Waschanlage wieder. Die Räder sind völlig verdreckt vom Fahren auf dem nassen Schotter.

Die Stadt ist modern und freundlich, liegt um den Fjord herum und hat einen Hafen. Wir versorgen uns im Bonus, tanken und fahren weiter in die Fjorde. Es regnet.

Um den nächsten Finger herum ist es noch richtig eklig. Dann wird es trockener, der Wind bläst uns aus dem Fjord raus und bremst beim Reinfahren. Ich nutze den Wind aus und beschleunige mit ihm. Wir schaffen noch viele Kilometer, das hatten wir gar nicht gedacht. Es läuft super, gibt nicht viel zu sehen und die Piste ist gut zu fahren. Die Berge haben alle die gleiche Struktur, haben Querlinien und viele kleine Wasserfälle. Die Farben wechseln von tiefem Dunkelgrün zu grauen Felsen. Dazwischen Abbrüche mit roten Streifen.

Einmal sehen wir einen Schrottplatz und da mein Tankdeckel schon ewig undicht ist frage ich nach einer Dichtung. Der Typ kommt raus und hat eine, schenkt sie mir sogar. Genial!

An einigen Fjorden schauen wir nach einem Platz zum Übernachten. Es ist schon 20.30 Uhr und wir haben noch 230 km Straße geschafft.

Wir fragen an einem Hof, ob wir auf der frisch gemähten großen Wiese Richtung Fjord bleiben dürfen. Der Sohn, den wir fragen ist nur zu Besuch aber er erlaubt es. Kurzer Smalltalk – er ist nach Reykjavik gegangen weil es hier keine Arbeit und keine Zukunft gibt. So wie ganz viele junge Leute. Die Dörfer sterben aus.

Die Eltern kommen später mit dem Trecker und dem Hund aus dem Stall: Pferde, Kühe, Schafe. Die Pferde laufen frei rum.

Wir schlafen nicht weit vom Familienfriedhof auf einer weichen Wiese im Windschatten mit tollem Blick auf den Sonnenuntergang über dem Fjord. Das Wetter hat sich beruhigt.

Dietmar schaut morgens zufällig auf mein Kettenrad – es ist am Ende. Weit komme ich damit nicht mehr. Die letzten 3 Tage ging es rapide zu Ende. So war das nicht abzusehen. Die Nässe, der Sand  und die Wasserdurchfahrten haben ihm wahrscheinlich so stark zugesetzt.

Wir überlegen, wie es weitergehen soll. Ich versuche, beim ADAC Hilfe zu bekommen. Das kann ich vergessen. Den Abstecher zum hotpot am Meer streichen wir und versuchen, direkt nach Akureyri zu kommen. Erstmal wollen wir sehen, ob es nicht in Holmavik jemanden gibt, der ein Kettenrad für mich hat. Das Rad sieht schlimm aus, hat schon heftige Haifischzähne. In dem Örtchen fragen wir in einer Werkstatt, der Typ ruft einen Crossfahrer an, der uns aber nicht weiter helfen kann. Die Crosser haben kleinere Räder. Ich bin unschlüssig, versuche, im Internet Adressen in Akureyri zu finden. Relativ erfolglos. Aber die Adressen von Autohäusern finde ich und auch MotorMax / Toyota gibt es dort. Unser erster Anlaufpunkt.

Ab sofort fahre ich also noch gleichmäßiger, beschleunige nur ganz sanft und vermeide jeden Stopp. Wir tanken mehrmals und trinken dann immer einen Kaffee, machen Pause. Fotos macht nur noch Dietmar, Spektakuläres gibt’s hier eh nicht. Ich fahre durch. Die Straße ist unspektakulär, meistens asphaltiert. Oft geht es durch weite Täler, manchmal auch quer über die Berge aber immer sanft und in weiten Kurven.

An einem Tankstopp komme ich mit einem Paar aus Lörrach ins Gespräch. Sie fahren auch in unsere Richtung aber noch mal an die Nordküste. Die beiden werden wir noch mehrmals wiedertreffen.

Also weiter, schön gleichmäßig. Bloß nicht zu viel Gas, nicht am Berg anfahren. Die Zähne sind sooo dünn und schräg, dass ich jetzt schon nicht mehr weiß, warum die Kette noch hält.

Am letzten Kaffeestop / Tankstelle stehen ’ne Menge alter Isländer draußen: Omatours. Eine ist total nett und will sich mit mir auf Isländisch unterhalten-leider kann ich nur lächeln und nicken. Es ist lustig, diese Sprache zu hören.

Im letzten Bergmassiv vor Akureyri bekomme ich richtig Beklemmungen. Bloß nicht hier liegen bleiben! Es stürmt von den Bergen runter, bläst wechselnd von vorne und von der Seite, die hohen Bergwände wirken unheimlich und bedrohlich. Die Hänge sind abgerutscht und glatt, Steine und feines Lavageröll, unten die Straße und ein kleiner Bach, ein bisschen Gras. Es wirkt wie eine große Wanne mit glatten Seiten.

Ich schaffe es bis zum Pass – jetzt geht es quasi nur noch bergab bis in die Stadt. Ab hier könnte mich Dietmar zur Not schleppen. Geschafft! Wir fahren direkt auf den Zeltplatz.

Dass das Kettenrad noch diese 400 km heute gehalten hat, so wie es aussieht, glaubt man gar nicht. Nun war es nicht so, dass ich völlig unvorbereitet auf diese Tour gefahren bin…

Wir überlegen, wie wir morgen am Besten vorgehen. Optionen sind die Werkstatt in Akureyri, das von uns in Egilstadir hinterlassene Vorrats-Kettenrad, Adam, der polnische Mechniker in Reykjavik und der ADAC.

Der Zeltplatz liegt im Wohngebiet, auch hier nerven wieder die Italiener, die laut sind und den Kochplatz besetzen. Aber es gibt Duschen, man kann von hier in die Stadt laufen und das große Schwimmbad ist fast direkt gegenüber. Wir drehen noch eine Runde durch die Stadt, schauen, wo der Busplatz ist und gehen dann gleich schlafen. Jeden Tag fährt morgens ein Bus nach Egilstadir und nachmittags zurück.

Am Montagmorgen gehe ich zuerst zur Busstation und bitte den Fahrer, meinen Kettensatz mit zu bringen, den Dietmar noch in den Werkstatt in Egilstadir bei MotorMax liegen hat. Der Fahrer ist total nett, lässt sich alles von einem Mitarbeiter übersetzen und meint gleich: gar kein Problem. Solche Hilfe ist hier üblich, der Bus ist immer schon die Verbindung zwischen den Orten und es wurden Waren damit weitergeschickt.

Dann fahren wir gleich in die Toyotawerkstatt und bitten, in Egilstadir anzurufen, damit die das Rad zum Bus bringen. Der Chef hilft uns, alles geregelt. Abends gehe ich zur Busstation. Der Fahrer hat nichts für mich und ist selbst sichtlich traurig darüber. Leider funktioniert das alles nicht, weil MotoMax nicht auf unsere Bitte regiert, bzw. das Teil in ihrer Werkstatt nicht findet.

Die zweite Adresse ist gleich gut: ein Suzuki / KTM – Händler. Mit dem Zweirad-Service hatten wir bisher schon schlechte Erfahrungen, das setzt sich nun fort. Erst sagt er, er hat ein Rad für mich, ich freue mich – so hängen wir hier nicht fest, wir bauen das Rad aus. Bezahlt, ausgepackt – passt nicht. Na toll. Das Moped steht da ohne Hinterrad und muss über Nacht bleiben. Dann geht es einen Tag mit Hin und Her weiter bis er drauf kommt, das richtige in Reykjavik zu bestellen.

Dietmar fährt mich nun als Sozia durch die Stadt, meine DR steht mit ausgebautem Rad vor der Werkstatt. Den Nachmittag verbringen wir mit einem Stadtbummel, genießen die Sonne im heißen Bad und trinken Kaffee. Im Bad gibt es zwei richtige Schwimmbecken, eine Rutsche und 3 hotpots, in denen man flach liegt und die Wärme von unten und von oben genießt. Dazu einen mit Massagesprudel und alles natürlich schööön warm.

Der Eintritt kostet nur IKr 350,-, wir liegen 3 Stunden im Wasser und ich hole mir sogar einen Sonnenbrand.

Die Stadt – die Perle des Nordens- hat was. Es gibt eine Einkaufszone. Im Literaturcafé gibt’s lecker Kuchen, guten Kaffee und man kann dabei in Zeitschriften und Büchern schmökern. Gefällt mir sehr gut.

Heute Abend ist es kalt geworden. Nachdem wir auf dem Platz unsere Suppe gekocht haben, diesmal Pilzsuppe mit frischen Pilzen aus Holland und Zwiebeln, gehen wir in die Stadt. Aus dem ersten Café vertreiben uns die Italiener, die lärmend und stühlerückend ihren ganzen Abend hier verbringen. Eine von ihnen fängt plötzlich an, sehr laut und ohne Pause Klavier zu spielen. Damit vertreibt sie einen Trommler draußen und stört völlig die schöne ruhige Atmosphäre.

Wir laufen durch die Stadt und finden eine nette „Bar d’amour“. Draußen auf dem Platz ist Mopedtreffen, meistens Chopper. Dann beginnt das allabendliche Spektakel. Eine Schlange Autos fährt immer im Kreis um den Platz und durch die Innenstadt. Immer hin und her, alle möglichen Typen, viele Frauen. Das geht stundenlang so. Wir sitzen in der Bar und wundern uns. Dietmar trinkt ein Bier, ich genieße einen Cocktail Calua-Milch.

Auf dem Rückweg gegen Mitternacht setzen wir uns  auf die Kirchentreppe, essen Schokorosinen und schauen uns den Vollmond an.

Am Dienstag kommt die Post ausnahmsweise später – mein Kettensatz auch.

Mittags ist er endlich da – und passt sogar – bloß ist es nicht das bestellte Clip- sondern ein Nietschloss und sie haben kein Nietwerkzeug. Die in der Werkstatt sind nicht wirklich eine Hilfe. Endlich finden sie ein passendes Schloss und Dietmar baut den Satz ein. Dabei gibt’s immer wieder Hindernisse: die Kette ist auch vernietet, er braucht also eine Flex. Die ist in der Werkstatt nicht aufzutreiben. Der Chef ist sauer, dass ich die Kette nicht einbauen lassen wollte. Nachdem ich eine Radwechselaktion der Mechaniker gesehen habe lass ich die aber auf keinen Fall an mein Moped.

Im Verkaufsraum steht eine schwarze DR Z 400. Ich könnte einfach tauschen, Kennzeichen auswechseln, … seufz

Irgendwann ist die Kette drin, alles ist fertig. Es ist Mittag. Unser Plan ist, noch bis zum Myvatn zu fahren. Stress haben wir also nicht – es sind so 2 Stunden bis dorthin.

Wir fahren in der Stadt ins Literaturkaffee, es gibt leckeren Belohnungs-Kuchen. Dann bauen wir das Zelt ab, packen die Mopeds und es geht weiter.

Verloren haben wir die Tour an den Meeres-hotpot und den Ausflug an die Sprengi. Beides bleibt nun als offene Rechnung.

Die Fahrt zum Myvatn ist unspektakulär aber nett. Wir fahren in die Dämmerung hinein – bisschen doof ohne Licht vorne: da ist meine Isomatte verstaut. Halb um den See herum mit ersten Blicken auf die Askja und die Pseudokrater kommen wir an die Ostseite, an der wir zelten wollen. Es sieht viel weniger touristisch aus als ich erwartet habe.

Wir fragen an einigen Blockhütten, ob wir auch zelten dürften. Die Zimmerpreise sind heftig: 6000,-, für’s Zelten zahlen wir 900,- pro Nase. Das ist auch schon sehr viel, aber es gehört ein Aufenthalts-, Frühstücksraum dazu, Duschen, Internet, sehr nette Betreuung.

Hier arbeiten 3 Mädels aus Lettland. Sie studieren Tourismus und machen ein Praktikum. Bemühen sich sehr um die Gäste, machen Frühstück. Wir bleiben, zelten zwischen hohen Lavasteinen fast direkt am See. Zweimal genieße ich einen beeindruckenden Sonnenuntergang, mache schöne Fotos vom See mit Kratern, die Enten schwimmen auf dem See, die Mücken halten sich in Grenzen. Wir spielen mit dem lustig-albernen Hofhund, kaufen geräucherten, sehr fetten Fisch, ich glaub, es ist Lachs.

Das Wetter bleibt den ganzen Tag kühl aber trocken, nachts regnet es heftig.

Der Tag beginnt mit strahlender Sonne und Wärme – schön! Wir machen eine Wasserfalltour.

Wir fahren einmal um den Jökulsa à Fjöllum herum, der dann ins Meer fließt. Das ist ein riesiger Fluss, der größte Islands, der vom Vatnajökull kommt. Jökulsa heißt „Gletscherfluss“. Westlich davon Richtung Norden ist eine schöne abwechslungsreiche trockene Piste.

Wir kommen an einen Parkplatz, laufen zum Dettifoss – das kann man auch fahren, einfacher Weg, aber recht weit. Heute ist es richtig warm, wir schwitzen in unseren Mopedklamotten. Unser zweiter richtig warmer Tag nach dem Badetag in Akureyri.

Der Dettifoss ist riesig, transportiert viel Gletscherschlamm, sieht dreckig und gewaltig aus. Er ist der energiereichste Fluss Europas. Er stürzt über eine schräge breite Kante unheimlich tief runter, macht eine hohe Wolke. In die scheint jetzt die Sonne und wir sehen einen tollen Regenbogen.

Dann laufen wir weiter zum Sellfoss. Er ist ganz anders, obwohl es der gleiche Fluss ist. Er ist nicht so tief, dafür breiter in einer Hufeisenform. Man sieht von vorn auf ihn wie er mitten in den Basaltsäulen liegt. Wir machen eine schöne Pause in der Sonne, es sind wenige Leute hier. Dann müssen wir zurück zum Parkplatz laufen. Dort finde ich beim Pipimachen ein isländisches Ringbuch – das ist eine detaillierte Landkarte in Ringbuchformat. Sehr praktisch, nun finden wir jede noch so kleine Piste.

Weiter auf dem schönen Sandweg bis  zur Hauptstraße. Schöne Gegend. Links liegt ein Nationalpark – reinfahren ist also nicht.

Pause an einer Tankstelle am Abzweig zur Asbyrgi-Schlucht. Über mehrere hundert Meter hat der sich zurückziehende Gletscher mit dem Fjöllum einen Graben hinterlassen. Links und rechts gerade steile Wände, in denen man eingeschlossene Steine und Schichten sieht. Es gibt einen kleinen Birkenwald und einen sehr romantischen kleinen See, es ist schön warm.

An der Hauptstraße gehen wir an der Tanke einen Kaffee trinken und lernen einen Deutschen kennen, der schon ein paar Jahre hier ist, sich sehr wohl fühlt, jetzt seine Freundin aus München nachholt. In Deutschland war er Vermessungsingenieur, jetzt arbeitet er in einer Fischfabrik, wohnt in einem gemieteten Haus sehr abseits und ist Selbstversorger mit Energie und Garten.

Er  erzählt sehr interessant von seinem Leben und von den Isländern. Es wohnen 300 Leute zwischen „seinem Berg“ und Husavik. Er kennt alle und fühlt sich zu Hause. Der Umgang miteinander ist kühl und mit Abstand, aber jedem wird geholfen, alle sind, v.a. im Winter, voneinander abhängig. Eine Fahrt nach Husavik – 67 km –  macht er, um Pizza zu essen. Und gönnt sich das als etwas Besonderes auch.

Zurück fahren wir auf der Ostseite des Fjöllum auf einer zum Teil nervigen Wellblechpiste. Aber man kann gut Gas geben, mit 90 km/h ist es nicht ganz so schlimm. Manchmal ist der Schotter weicher, es geht um Kurven und über Kuppen. Hinter einer liegt ein Touristenauto, das sich gerade überschlagen hat. Helfer sind schon da, so können wir weiter fahren. Jetzt sind wir deutlich langsamer, zumindest in den Kurven.

Zurück auf der 1 düsen wir 40 km durch die inzwischen aufziehende Kälte über den Asphalt. Wir biegen noch zur Krafla ab. Hier produziert ein riesiges Kraftwerk aus Erdwärme Energie. Überall liegen Leitungen, es ist ein Vorzeigeprojekt des Landes. Durch Erdstöße ist es immer wieder lahm gelegt worden, ein größerer Ausbruch der Krafla wird erwartet. Oben gibt es einen Viti, überall sprudelt und dampft es, rundherum liegen Lavafelder mit ganz unterschiedlichen Formen.

Auf der anderen Seite der 1 liegt das Namafjall, ein Schwefelquellgebiet am Fuße des Berges mit einer Menge von Schlammlöchern, Schwefellöchern, Dampfberge. Das größte und aktivste Gebiet, das wir gesehen haben. Wir filmen eine Menge, die aufsteigenden Schwaden sehen toll aus im Sonnenuntergang. Den genießen wir dann noch richtig auf dem Namafjall. Hoch über dem Myvatn, davor die Dampfwolken und am Horizont die rote Sonne.

Heute haben wir eine Abenteuertour vor: auf einer Jeep-Piste Richtung Askia-Hochland rund um den Blafjall. Gefunden habe ich die Piste zufällig auf der Karte im neuen Ringbuch. Sie ist nicht lang, sodass wir das ausprobieren können.

Der Tag wird richtig spannend. Südlich des Myvatn geht es vorbei an den Pseudokratern, die ich nun noch mal in besserem Licht fotografieren kann. Hier schwirren  tagsüber jede Menge Mücken rum, die beim Tanken ziemlich nerven.

Durch einen Bauernhof, über eine Treckerspur durch Wiesen geht es los. Dann wird die Piste schnell zu einer einzelnen Spur über eine Steinwüste. Die Orientierung ist schwierig, Schilder gibt es hier keine. Aber da es 2 Berge gibt und die Sonne scheint können wir uns gut orientieren. Wir biegen von der Piste zur Askia ab und fahren zwischen den beiden durch. Durch ausgetrocknete Flussbetten, meistens ziemlich steinig geht es gut weiter. Dann wird es sandig, richtig tiefsandig mit Windwellen drauf. Sieht schon toll aus! Die Piste ist weg, völlig verweht, die Mopeds sinken ein. In der Ferne sehen wir das Askia-Massiv und die Herdubreid. Die Landschaft ändert sich. Erst waren es weite Steinflächen, jetzt Sandflächen mit Gras, dann kommen wir um die Ecke und stehen vor einem Lavafeld. Zwischen dem steilen Abhang des Berges und dem hohen Lavafluss schlängelt sich die Spur.

Blick von den Bergen auf den Myvatn

die Herdubreid schon fest im lBick

Weg ist hier keiner mehr, Navigation mit Ringbuch, Gefühl und Sonne

Wir fahren Zick-Zack über das Lavafeld. Jetzt sind wir quasi schon auf dem Rückweg. Völlig überraschend kommen wir auf eine richtig grüne Wiese mit ausgewaschenem Weg, weißen Blümchen und einer neuen hellbraunen Hütte. Die ist offen – eine Notunterkunft, ausgestattet mit allem was man als Wanderer so braucht. Aber auch eine tolle Unterkunft wenn man mal eine Übernachtung auf der Mopedtour braucht. Auf der Holzterrasse im Windschatten machen wir Pause, genießen die Sonne.

Jetzt kommen viele weitere Kilometer Geröllpiste. Es geht hoch und runter, steil, man muss am Gas bleiben. Über 2 Kämme fahren wir und hoffen, dass uns der Wind nicht runterweht. Tief erodierte Rinnen rechts und links, weite Blicke über die Ebene nach Süden, im Norden schaut schon der See raus.

Wir wollen noch eine versteckte Lavahöhle finden, haben aber keine Chance. Später erfahren wir, dass diese Höhle nur zu Fuß erreichbar ist und man eher reinfällt als sie zu entdecken. Eine Jeep-Gruppe Spanier sucht sie auch. Sehr nett, die Mädels fahren, die Männer navigieren.

Auf unserer Suche landen wir in einer Kraterkette, die lustig aussieht: kleine Krater aus roter Lava mit losen Stücken. Man muss echt aufpassen. Dazwischen ein Teppich aus Heidelbeeren. Mittagessen! Wir legen uns in die Sonne und futtern uns rechts und links durch.

Nach ein paar Abstechern fahren wir weiter Richtung See. Die Abstecher sind nicht ohne. Tiefe Löcher liegen in der Spur. Man kann nur ahnen, wie instabil das ganze ist und hoffen, dass es unsere Mopeds aushält. Auf jeden Fall fahren wir nicht von der Spur weg.

Der Rückweg ist einfach – irgendwann biegen wir links ab und kommen immer weiter runter.

Dann wird es eine recht gute Piste, wir fahren hinter dem Lavagebiet Dimmuborgir entlang. Hier stehen spektakuläre Lavaformationen. Plötzlich kommt noch eine Furt – und die sieht nicht gut aus. Sandig, tief, gar nicht breit. Nach diesem anstrengenden Tag braucht man kein Festfahren im Bach… Aber die Umgebung der Furt ist bildschön: grüne Pflanzen, blau schimmernde Zuläufe, hohe Gräser.

Zurück im Gästehaus fallen wir auf’s Sofa und den Sessel und halten Mittagsschlaf. Insgesamt eine super spannende Tour, anspruchsvoll und abwechslungsreich, aber nicht gefährlich. Fahrerisch für mich fast am Limit, v.a. in den Sandflächen und in den Bachbetten. Aber grad das machte es spannend und ich hab viel gelernt. Wir hätten nur beim Zeltplatz Bescheid sagen sollen, dass wir diese Route fahren. Da war weit und breit kein Mensch – nur ein paar Schafe.

Das nächste Ziel ist die Askja. Der „Captain“ vom Zeltplatz hat uns ein paar gute Tipps für unsere Touren gegeben und uns angeboten, Sprit und Gepäck zur Askja mitzubringen. Er macht am Samstag einen Ausflug mit seinen Mädels dorthin.

Wir müssen entscheiden, welche Route wir nehmen.

Die westliche Route, die 88, ist schneller, kürzer, häufiger befahren, hat weniger Asphalt, ist gut für die Ehre, hat aber 3 tiefe Furten und ist langweiliger. Die östliche schlängelt sich weiter, hat eine Tankstelle, flachere Furten. Die Infos vom Touristenbüro und dem Busfahrer zum Wasserstand der 88 klingen nicht gut. Wir entscheiden uns für die 905.

Wir fahren noch mit dem Captain tanken, machen seinen Kanister voll.

Den Abend bis 22.00 Uhr verbringen wir in der Grünen Lagune: in heißem Wasser unter Sternen mit Blick auf den See und die Berge. Die Temperaturen sind sehr angenehm, wir treffen die Spanier wieder, halten small-talk. Zum Schluss sitzen wir in einem 40° heißem Becken. Toll gegen den Muskelkater, aber das geht ziemlich auf den Kreislauf.

Nachts trommelt der Regen auf’s Zelt. Und dann mal wieder die Italiener. Wir sind sehr müde, würden gerne ausschlafen nach der lauten Nacht. Die spielen 7.00 Uhr mit dem Hund, sodass der immer wieder gegen das Zelt springt, sie reden laut rum und begrüßen die anderen, die in den Hütten geschlafen haben. Und das immer wieder in diesem eigentlich stillen Land.

Wir packen unseren Kram, sortieren nach „Auto“ und „Moped“. Das Minimum nehmen wir mit: Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher. Nochmal kurz zum Tourismusbüro für neue Infos, aber es bleibt dabei: kein Risiko und kein Stress.

Die 905 ist eine interessante Route, hat eine neue Tankstelle in Möðrudalur was uns sehr beruhigt. Dort unterhalten wir uns mit einer jungen Frau, die die Tanke mit Imbiss, Zeltplatz und Hütten betreiben. Sehr schön gelegen und gepflegt.

das ist eine Tankstelle

Es geht wieder ins Hochland, das Grinsen wird immer breiter. Die Piste beginnt mit Wellblech, hat viele Sandstellen und schlängelt sich durch die Lavafelder. Die großen Flüsse sind überbrückt, die wenigen Furten sind nicht schwierig.

Später hören wir, dass es eine gute Entscheidung war. Eine BMW wurde an dem Tag versenkt, die anderen Mopedfahrer hatten auch Mühe im Wasser und wurden z.T. mit einem Bagger rüber gebracht.

Unterwegs treffen wir die 2 Lörracher wieder. Sie kochen Kaffee, wir spenden die Schokokekse. Ein tolles Treffen mitten in den Lavasteinen auf der Piste. Sie haben gute Infos für uns. Aber es ist immer wieder schwierig, die Infos einzuschätzen. Autofahrer haben andere Probleme als wir, Ranger sehen es wieder anders und in Tourismusbüros haben sie meist keinen Plan vom Moped in Furten. Zudem wechseln die Bedingungen täglich. Man muss immer selbst einschätzen, was geht.

Gemütlich und ohne Probleme fahren wir weiter. Immer vor Augen die mächtige Herðubreið „die Breitschultrige“. Ein Ziel für die nächste Tour. 4 Wochen sind einfach zu kurz!

Auf dem Askiazeltplatz ist nichts los, wir sind früh da. Stellen unser Zelt auf, laufen in die Drekischlucht. Zeitgleich ist eine Gruppe Deutscher dorthin unterwegs mit denen ich mich anfreunde. Sie übernachten in einer Hütte und ich hoffe, wir können den Abend dort verbringen. Es ist kalt und nass draußen.

Die Drekischlucht ist lustig. Am Ende gibt es einen Wasserfall, überall recken sich Lavaformationen in unwirklichen Formen, sehen aus wie Figuren: Drachenschlucht. Die Steine sind ganz rau, in die großen sind kleine eingebacken, man sieht richtig, wie sich flüssige Lava um die Steine gelegt hat und dann durch Erosion frei geworden ist. Der Weg ist schmal, man muss ein bisschen klettern. Macht aber Spaß weil es nicht weit ist und wir nicht mehr fahren müssen. Am Wasserfall klettern wir noch lange rum.

Ich sammle schwimmende Lavabläschen. Die sind echt lustig, der ganze Bach ist damit überzogen.

Als wir zurück sind und mit dem Kochen beginnen wollen laden uns die Deutschen zum Reste-Essen ein. Dietmar kriegt Nudeln, ich werf eine Dose Thunfisch in die Tomatensoße. Lecker. Wir können den ganzen Abend da bleiben, trocknen unsere Sachen und bekommen gute Tipps vom Reiseleiter von Ice-Zeit aus Franken.

Die Nacht ist stürmisch, nass und sandig. Ich geh noch mal raus und sichere das Zelt rundherum extra mit Steinen. Die Stürme hier oben sind berüchtigt und in den Steinboden gehen die Häringe schlecht rein. Am Morgen ist der Sand in allen Ritzen, überall im Gepäck und auch im Zelt, im Schlafsack, im Kocher, … Das Zelt -Hilleberg Stajka- hat aber gut gehalten.

Nach dem Sturm und dem Regen in der Nacht bleibt das Wetter eklig.  Ich wasche erstmal unsere Küche ab, mache Fotos. Das Wetter wird besser, trockener. Wir wandern auf 2 Berge, vertreiben uns die Zeit. Ich sammle eine Menge Lavaklumpen.

An der Hütte treffen wir eine „wilde Horde“ netter Schweden. Sie sind viele Stunden pro Tag auf dem Moped, heizen in einer Woche um die Insel. Jetzt hatte einer einen Unfall auf der Piste, das hat sie ein bisschen aufgehalten…

Dann fängt es doch wieder an zu regnen, irgendwann hocken wir uns in eine warme Hütte – bis mal wieder ein Trupp nerviger Italiener kommt. Die sind echt überall.

Wir könnten mal den Weg zur Sprengi anschauen – aber wir wissen nicht, ob unser Sprit kommt, der würde dann nicht reichen.

Irgendwann kommt ein Pickup und eine BMW aus Italien. Sie beraten, ob sie die Sandpiste zur Sprengi fahren können. Der Mopedfahrer möchte nicht, die anderen wollen es riskieren. Das ist die schwierige Piste, die wir uns nicht trauen. Die Rangerin rät ab, sie fahren trotzdem bis an den Beginn des Sandes, übernachten da und wollen weiter sehen. Später treffen wir sie wieder und sind nach den Berichten froh, diese Strecke diesmal nicht probiert zu haben.

Die deutsche Wandergruppe läuft zum Viti und wird dort abgeholt. Wir fahren hoch zum Krater und laufen den kurzen Weg zum Viti. Dort treffen wir sie wieder.

Der Weg zum Viti, 40 Minuten, ist in Mopedklamotten und bei Gegensturm richtig anstregend. Oben am Krater hat man einen tollen Rundumblick. Wir stehen in einer riesigen Caldera: eine große Schüssel mit Sand, Geröll, Lava. Darin dann der große kalte Kratersee und der warme kleinere. Geradestehen geht nicht und so laufen wir bald zurück. Da kommen uns die Zeltplatzleute entgegen, haben unser Gepäck und den Sprit im Auto.

Wir fahren wieder runter, die Fahrt geht durch die löchrige Lava. Hier ist sie schwarz und sehr zerrissen.

Unten an der Hütte gibt es Picknick. Wir probieren vom frischen eigenen Lammfleisch. Super lecker!! Dann fahren wir vor dem Pickup die Piste zurück bis zum Abzweig zum Kverkfjell. Dort laden wir unser Gepäck und den Sprit ab und verabschieden uns vom Captain. Das war uns wirklich eine große Hilfe. Durch den Sand mit Gepäck wäre gegangen aber hätte nicht so viel Spaß gemacht. Heute ist die Piste super zu fahren, der Regen hat den Sand ein bisschen härter gemacht. Ich bin sehr schnell unterwegs und freue mich mal am Tempo.

Wir betanken die Mopeds im heftigen Sturm und Regen, schleppen das Gepäck hinter Steine und verstecken es dort. Der Wind verwischt unsere Spuren.

Irgendwann haben wir die Mopeds voll, alles ist fertig und wir fahren Richtung Vatnajökull, zur Eishöhle. Die Piste ist sandig, die Wellblechpiste lang.

Landschaftlich passiert nicht viel, wir fahren zwischen Steinfeldern, kleineren Bergen und durch 2 gut passierbare Furten, die wir uns trotzdem anschauen müssen. Es regnet und stürmt weiter. Da wir erst am Nachmittag an der Askia weggekommen sind ist es nun schon spät. Wir brauchen bald einen Platz zum zelten, sind beide fertig und genervt. Gar nicht so einfach, etwas zu finden, was nicht in Sichtweite der Piste liegt. Es regnet weiter, der Sturm wird immer schlimmer, rundherum nur graue Steine, Berge, Sand. Irgendwann biegen wir ab, fahren einfach über den Sand in Richtung eines Bergmassivs. Ich hoffe, dass wir dort ein bisschen im Windschatten sind. Leider sind wir das nicht. Der Sturm kommt vom Gletscher und drückt die Berge runter. Unser erster Platz wirklich in der Einsamkeit, mitten in der schwarzen Lava. Als das Zelt steht mache ich einen langen Spaziergang über die Felsen.

Nach dem Essen kommt die Dämmerung und der Wind lässt nach. Das Zelt steht voll abgespannt und es regt sich kein Lüftchen mehr…

Es ist völlig still: keine Italiener, keine Tiere, kein Wind, kein Regen. Und es ist eiskalt, man spürt die Nähe des riesigen Gletschers. Wir schlafen 11 Stunden.

Ich schaue aus dem Zelt, die Sonne strahlt mir ins Gesicht, kein Regen mehr und kein Wind: ein Traumtag. Kleine Wölkchen am blauen Himmel.

Hinter dem Zelt liegt ein trockener Fluss, der aus einer Schlucht kommt. In der liegen riesige Brocken, hier fließt wahrscheinlich im Frühjahr Schmelzwasser und es sieht gewaltig aus. Ich klettere in der Schlucht hoch und habe dann den Blick auf den Gletscher. Wow!

Wir fahren zurück zum Weg, weiter zum Gletscher. Hier besteht der Zeltplatz nur aus einer Wiese, aber die Hütte ist sehr schön. Wir fragen nach der Begehbarkeit der Gletscherhöhle Kverkfjöll. Die Österreicherin, die hier Rangerin ist gibt uns Auskunft. Wir sind ja sehr früh am Tag, die Einbruchgefahr daher am niedrigsten.

Wir stehen vor einem riesigen Eisfeld – hier beginnen 80 km Eis – der größte europäische Gletscher. Es gibt geführte Gletschertouren, die 10 Stunden dauern und zu einem Schwefelfeld mitten im Eis führen. Die Lörracher haben davon erzählt und waren sehr begeistert. Leider hab ich keine Wanderschuhe dabei und bin für so eine Tour auch nicht fit genug. Eine Erkältung hält sich seit Reisebeginn hartnäckig.

Auf dem Wanderpfad zur Höhle muss man den Gletscherfluss überqueren. Dazu gibt es eine Brücke, die ziemlich spannend, ähm – gruselig- aussieht. Die wird sicher im Herbst abgebaut, sonst würde sie im Winter zerstört werden.

Die Höhle ist überwältigend. Der Eingang ist etwa 20 m hoch. Sie schlängelt sich wie ein blauer Tunnel durch das Eis, alles schimmert blau und weiß, am Ende kommt ein heißer Wasserfall aus dem Eis. Es riecht nicht nach Schwefel, ist klares Wasser. Der Dampf hat die Höhle gebildet. Mittendrin ist ein Stück eingestürzt, dadurch kann man nicht mehr ganz hinein, Eisblöcke liegen aufgetürmt im Weg. Das Wasser ist zu tief für meine Stiefel, fühlt sich witzig an, im warmen Wasser herumszutappsen.

Auf dem Rückweg machen wir Frühstückspause in der Hütte. Es gibt Schokopulver, Kaffeepulver, Cornflakes und Milch, Thunfisch haben wir mit. Das ist ein tolles Frühstück.

Die Rangerin erklärt uns, wie die Betreuung der Touris organisiert ist. Sie bekommen einige Wochenendkurse, werden nur im Sommer dort eingesetzt und haben ansonsten normale Jobs. Nur 10 Ranger in ganz Island sind ganzjährig eingesetzt.

Zurück fahren wir die Parallelpiste bis zu unserem Gepäck. Die Rangerin meinte, die wäre ganz schlecht für uns. Gut, dass wir nicht auf sie hören – die Piste ist prima, viel besser als die Sandpiste gestern. Eindrucksvoll, auch anstrengend, aber eher steinig und nicht ganz so viel Sand, führt durch Berge hindurch und immer mit dem Blick auf die Herdubreid. Sehr beeindruckend!

Am Gepäck angekommen tanken wir zuerst aus dem Kanister und laden dann alles auf. Dabei kippt mir das Moped um – auf meinen Rücken. Zum Glück sieht es Dietmar gleich und rettet mich.

Wir stehen also mitten in der Sand- / Steinwüste und tanken und packen… Muss ein lustiges Bild sein. Sieht bloß keiner, wir sind völlig allein.

Irgendwann geht es weiter. Mal sehen, wie weit wir heute kommen. Es geht los mit den langen Wellblechstrecken, die wir schon kennen.

Erstmal wollen wir nach Adalbol. Dort soll es einen Zeltplatz, vielleicht auch Zimmer geben. Da kommt plötzlich der Abzweig „Brudalur“. Wir suchen lange auf der Karte – es scheint eine ca. 60 km lange Piste zum neuen Staudamm zu sein. Kurze Absprache: wir haben unser Zelt, essen, Wasser und Sprit – wir probieren das.  Ob wir rüber kommen ist ungewiss, der Damm ist im Bau.

Die Piste ist super: kaum Sand, kein Wellblech – mal wieder eine echte Jeep-Piste, die die normalen Touris nicht fahren. Das sind die schönsten und die am wenigsten zerfahrenen.

Zuerst geht sie Richtung Süden: den spitzen Snaefell immer im Blick, dahinter der große Gletscher. Hoch über der Landschaft zieht sich die Piste als eine oder mehrere Spuren durch eine graue Steinwüste. Wir sind im echten Hochland: hier wächst kaum noch was. Es ist eisig, trocken, verlassen, keine Hütten, ab und zu mal eine Markierung aber keine Schilder. Einige trockene Bachdurchfahrten machen es spannend, gefährlich ist es nie. Aber wir haben ja keinen Stress.

Irgendwann bremst es hinten an meinem Rad. Es ist die Wathose, die durch das Rütteln losgegangen ist und sich in die Bremsscheibe gezogen hat. Ganz schön gefährlich, aber ist ja noch mal gut gegangen. Jetzt hängt ein grüner Gummistiefel an der Wegmarkierung.

Am Ende des Berges geht es um ihn herum hinunter zu einem See. Das scheint noch nicht der Stausee zu sein, aber wahrscheinlich ist es ein Arm von ihm. Am Ufer entlang gibt es nun auch mal ein Schild, Baumaschinen sind geparkt, es ist Wochenende. Wir brauchen einen Zeltplatz. Es sieht aber schlecht aus, stürmt, hier wären wir schutzlos und so fahren wir weiter bis zum Damm Karahnjukar.

Ein großer Damm und 4 kleinere stauen die Gletscherflüsse des Vatna. Ein gigantisches Bauwerk liegt da mitten in der hier grünen Landschaft. Gebaut, um den Osten Islands mit Arbeitsplätzen zu versorgen und die wichtigste Ressource Islands, das Waser, zu nutzen zerstörte er riesige Weiden der Rentiere, Schluchten und Biotope. Das war keine leichte Entscheidung für die Isländer.

Am ersten Damm fahren wir unterhalb auf einem Wirtschaftsweg vorbei. Der große ist in die Landschaft eingebaut, er nutzt einen großen Berg und lehnt sich dort an. Er schneidet den Zufluss zu einer bis zu 200 m tiefen Schlucht ab. Das ist die tiefste und spektakulärste Schlucht Islands. Um sie gab und gibt es viele Diskussionen. Hier leben seltene Tierarten, die nach dem Austrocknen aussterben würde. Ein großes eigenartiges Biotop würde zerstört. Deshalb wurde ein künstlicher Wasserfall hinter den Damm gebaut, der das feuchte Klima in der Schlucht und damit den Lebensraum erhält. Im großen Bogen stürzt er in die Schlucht und sprüht weit hinein.

Überschwemmt wird durch das Anstauen ein riesiges Gebiet, das bis zum Gletscher reichen wird. Hier gab es früher grüne Hochtäler, Feuchtgebiete, in denen Rentiere lebten. Das ist alles schon versunken.

Der Damm ist für Touristen nur in der Mittagszeit geöffnet, am Wochenende gar nicht. Wir fahren einfach mal und es stört offensichtlich auch keinen. Ich halte sogar mehrmals auf dem Damm, um Bilder zu machen und mir die Schlucht anzuschauen.

Hinter dem Damm kommen wir auf eine Asphaltstraße, es wird extrem kalt und windig. Hier kommt zelten nicht in Frage. Also weiter. Wir können wählen zwischen dem Weg weiter zum Lagerfljot und der Piste zur Snaefellhütte. Die ist näher und garantiert (fast) ein Bett. Aber erstmal hin kommen: steinig, es regnet, schneit, stürmt, wir fahren gegen die untergehende Sonne und sehen kaum etwas, 2 Furten, 14 km, das Gepäck scheint 100 kg zu wiegen und das nach so einem schönen aber anstrengendem Tag. Ich zittere schon seit einer Stunde, kann gar nicht mehr im Stehen fahren.

Endlich sind wir da. Die Hütte ist fast leer, wir können uns ein Zimmer aussuchen und bleiben dort auch allein. Die beiden Rangerinnen sind nett, es gibt heißen Kakao, der Ofen bollert, ich taue auf, Franzosen spenden uns gleich den Rest ihrer Suppe. Sehr lieb und die Suppe ist lecker! Bloß das Duschen ist nicht so lustig. Im Regen flitzen wir zur Hütte nebenan, Licht gibt es nicht, der Wind pfeift durch die Ritzen. Also fix und schnell wieder rein. Wenigstens das Wasser ist halbwegs warm und sorgt schon für ein bisschen Erholung.

Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster schaue lege ich mich auch gleich wieder hin. Der Berg ist weiß, es schneit immer noch und das Thermometer zeigt 3°C. Der Entschluss, zu bleiben fällt leicht als wir aus dem Haus gehen: Sturm, dass die Hütte wackelt und eine Eiseskälte. Ich bin nun richtig krank, habe Fieber. Also kochen wir erstmal Kaffee, ich trinke Kakao, wir hocken uns mit dem Buch und den Keksen auf die Bank im großen Raum und schwätzen mit den Franzosen, den Rangerinnen und deren Besuch. Die eine wird abends von ihrem Freund besucht und ist dann sehr gut drauf …

Von hier ist die Fähre im Notfall an einem Tag erreichbar. Im besten Fall können wir noch in die Nordost-Fjorde fahren. Wir schmieden Pläne und Alternativen, reden viel über die Tour, die nun fast zu Ende ist, schmökern in den Islandbüchern und in den Karten, tauschen uns mit den netten Rangerinnen über Island und die Leute hier aus.

Den ganzen Tag wechseln sich Regen, Sonne, Schneeschauer ab, ständig stürmt es, dass die Hütte wackelt. Ich mag gar nicht raus gehen, mir ist auch hier drin kalt obwohl der Ofen bollert. Dietmar macht einen Spaziergang und kommt mit vielen Schneebildern zurück. Es wird immer kälter, mittags haben wir 1°C und die Schneeflocken fliegen quer am Fenster vorbei.

Am Abend kommt die Mutter einer Rangerin zu Besuch, wir unterhalten uns gut. Später gibt es noch gepökeltes Lamm – eine isländische Spezialität, die es v.a. zu Weihnachten und anderen Festen gibt. Wir werden eingeladen und schlemmen mit. Überhaupt eine schöne Art der Isländer und der hier Reisenden: alles kommt auf den Tisch und jeder bedient sich. So kenn ich das und so mag ich das sehr.

Das Wetter beruhigt sich in der Nacht.

Morgens strahlt draußen die Sonne, es gibt keinen Wind und 5°C. Also beste Startbedingungen.

Die Strecke zurück zur Hauptroute ist heute gar nicht schlimm: die Sonne scheint, es ist trocken. Rechts im Blickfeld liegt immer der verschneite majestätische Snaefell. Er sieht toll aus. Links die verschneite Herdubreid. Ein Traum! Ein paar grobe Steine, die 2 Furten sind morgens nicht tief, alles gar kein Problem. Da sehe ich wieder, wie sehr mein körperlicher und mein seelischer Zustand mein Fahrvermögen beeinflusst.

Die Straße nach Egilstadir ist gut ausgebaut. Es rollt, meistens bergab, durch grüne flache Täler, rundum weiße Berge, gekringelte Flüsschen. Dann kommt der Lagerfljot in Sicht. In weiten Serpentinen geht es runter ins romantische Tal, vorbei an tiefen Schluchten.

Von der Straße aus ist der Hengifoss zu sehen. Er fällt hoch und schmal in einer kleinen Zick-zack-Schlucht und ist von Basaltsäulen eingerahmt. Auch an dem Abzweig zum warmen Wasserfall fahren wir vorbei, beides ist Pflicht beim nächsten Besuch.

Rentiere weiden frei auf einer Wiese, wir kommen in einen Wald.

Bis Egilstadir fahren wir durch den Vorzeigewald Islands. Birken, Eschen, Nadelbäume wurden hier aufgeforstet und mit Erfolg gehegt und gepflegt. Es ist eine warme Gegend, links liegt der See, rechts ein buckliges Lavafeld, in dem Bäumchen stehen, dahinter Schneeberge. Einfach schön!

In Egilstadir fahren wir zum Zeltplatz, auf dem auch die Touri-Info ist. Wir deponieren das Gepäck hier, gehen einkaufen, tanken, trinken Kaffee.

Nur mit dem Schlafsack beladen fahren wir über eine gute Schotterstraße 70 km in die Nordostfjorde nach Bakkagerdi. Auf einem Parkplatz unterwegs sehe ich das Auto der Lörracher stehen.

Zuerst suchen wir das Steincafè. Das ist gar nicht so leicht. Es ist ein wunderschön gestaltetes Haus aus verschiedenen Steinen, drin ein Stein-Shop. Alles ist aus verschiedenen Steinen künstlerisch gestaltet: die Tassen, die Deko, die Lampen, die Theke, …

Nicht weit davon das Elfenhaus, sehr gepflegt und sehr geheimnisvoll. Ich hab ihnen mal zugewunken und bekam den Eindruck, dass wir wiederkommen dürfen. Zumindest hat keine Elfe widersprochen 😉

Dort trinken wir Kaffee und fragen uns nach einem Guesthouse durch, finden es aber nicht und wollen dann in die Jugendherberge. Echt schwierig, wir fahren 1000mal durch’s Dorf auf der Suche nach der zuständigen Johanna. Irgendwann laden wir einfach ab, das Haus ist offen und leer und sagen in der Bank Bescheid. Alles kein Problem, hier gibt’s noch das alte Island.

Auf der Halbinsel wollen wir unsere 2 letzten Tage verbringen. Es scheint, als wolle uns Island den Abschied richtig schwer machen.

Die Landschaft in diesem abgelegenen Eck ist extrem vielfältig, die wärmende Sonne verwöhnt uns und die Pisten sind perfekt: manchmal kniffelig aber nicht gefährlich.

Wir suchen die Jeep-Piste, die uns der Wander-Reiseführer empfohlen hat. Es geht über einen Pass mit losem Schotter, gut geräumt und einfach zu fahren. Die Steine färben sich von Rot bis Gelb und Braun, dazwischen bläuliche und grünliche Streifen. Die sind genauso bunt wie in Landmannalaugar. Östlich geht es wieder runter Richtung Meer. Die Piste wird schwieriger, steil und grob. Fahrspuren sind kaum noch zu sehen, sind ausgewaschen und tief. Hier war schon lange kein Auto mehr. Das Gebiet ist klein, im Notfall kann man zurück laufen, die Richtungen sind immer wieder ausgeschildert und GPS-Postionsschilder stehen überall. Die Piste wird richtig schlecht und weich, es geht quer über die Wiese, hier ist nichts mehr instand gehalten. Hier fährt ja auch keiner hin. Für 8 km haben wir eine Stunde gebraucht. Wir fahren sehr langsam, müssen oft halten zum Schauen und Fotografieren. Das ist zu schön zum einfach nur durch fahren.

Die Landschaft ist lieblich: grüne Wiesen, weiße Blümchen, kleine plätschernde Bachläufe. Unten schimmert der einsame Strand. Leider kommen wir nicht bis dort hin. Auf den letzten 500 m gibt es keine Piste mehr und nach diesem langen Tag müssen wir nicht querfeldein fahren. Zumal 2 Flüsse ohne Furten dazwischen liegen. Wir machen also Pause, genießen den Ausblick, picknicken auf der Wiese und kehren dann um.

Die Rückfahrt geht zügig und führt über mein schwierigstes Stück des Urlaubs – abgesehen von Sandpassagen im Hochland. Nach einer Kurve, also ohne Schwung, steil bergauf in losem Geröll. Noch mal einen Blick in das romantische Tal und dann kommen wir zurück in unsere Bucht, zum Steincafè und der Jugendherberge.

Auf dem kleinen Zeltplatz (Wiese mit Klohüttchen) des Ortes sehe ich das Auto der Lörracher. Wir laden sie zum Kaffee ins Stonecafè ein und haben eine lustige Stunde gemeinsam. Die Fischsuppe ist super lecker. Dazu kommt ein ostdeutscher Wanderer, der einen Reiseführer schreibt. Er scheint extrem lange Strecken abzulaufen und zu fotografieren.

Abends kommt Johanna, um das Geld abzuholen. Das Haus bleibt offen und wir können kommen und gehen wie wir wollen. Das Wichtigste hier: eine heiße Dusche und danach ins warme Bett.

Da wir ziemlich platt sind schlafen wir sehr früh. Es gibt noch einen schönen roten Sonnenuntergang und dann bin ich weg.

Am nächsten Tag geht es noch mal in diese grandiose Landschaft. Eine andere Piste, nicht schwierig, führt uns durch die bunten, Berge, schroffe und gezackte Felsen, quietschgrüne Täler bis an den Strand. Dazwischen liegen kleine Seen, die Entfernung ist nicht weit aber wir erleben sooo viel. Am Meer steht eine Wandererhütte mit einem  Ranger, der mit seiner Freundin da ist. Wir stören wohl 🙂

Nach kurzem smalltalk fahren wir an den Strand von Breidavik. Wir fahren so richtig in den Sand! Parken dort kurz vor dem Wasser und gehen spazieren. Was hier alles angespült wurde. Lange sitzen wir und schauen auf’s Wasser. Es ist Mittag, der Nebel hebt sich über das Meer, rund um die Bucht liegen Berge.

Auf der anderen Seite der Bucht fahren wir durch mehrere kleine Bachläufe weiter, queren mehrere Hänge, sehen kleine Wasserfälle und schlängeln uns auf einer lustigen Piste bergauf. Sie ist spannend, manchmal sehr steil, wechselt zwischen Steinen, festem Schotter, losem Schotter – perfektes Endurowandern in strahlender Sonne, ohne Wind, in  traumhafter Landschaft und mit immer wieder wechselnden Ausblicken. Piknik machen wir auf einem kleinen Pass kurz vor der Kreuzung, die uns auf den nächsten Weg zur nächsten Bucht nach Husavik führt. Lange sitzen wir hier und genießen den Ausblick und die Ruhe. Man muss von der Fähre aus gar nicht so weit fahren. Mit ein bisschen Glück kann man sogar die Querverbindung nach Seydisfördur probieren. Eigentlich nur ein Wanderweg, aber einen Versuch wäre es wert.

Ein toller Abschlusstag, der eine wunderbare Erinnerung hinterlässt.

Die Sackgasse bis zur nächsten Bucht ist eine einfache Piste: festgefahren, extrem kurvig, steil und lang. Aber auch ganz lustig, sodass wir bis zur Bucht fahren, Heidelbeeren naschen und dann umkehren.

Noch einen Kaffee im Stonecafè, Sachen einladen an der Jugendherberge und dann brechen wir auf nach Egilstadir. Hätten wir gewusst, wie einfach die Piste ist hätten wir das Zelt mitgenommen.

Im nächsten Fjord gibt es noch eine kleine Schlucht, die ich mir unbedingt ansehen möchte. Wir klettern in den Steinen rum, ich sammle ganz viele ein. Die sind alle völlig bunt! Rechts und links ragen verschieden geformte Basaltformationen hoch, unten bunte Steinbänder im Wasser. Es ist der letzte Tag, also kann ich die  Packtaschen beladen. Die untere Hälfte meines Gepäcks besteht nun aus bunten Lavasteinen. Gut, dass die nicht so schwer sind!

Auf dem Rückweg bleibt die DR plötzlich stehen, springt immer wieder an, kommt aber nicht weit. Aha: der Tankrucksack ist voller Steine, die drücken den Boden auf die Belüftung vom Tank, sodass keine Luft und also kein Sprit raus kann. Hinter uns kommen die Italiener mit der BMW auf dem Anhänger, die wir auch schon im Hochland getroffen haben und könnten mich zur Not einladen. Das beruhigt, ist aber dann zum Glück nicht nötig.

Die Italiener erzählen, dass sie die Hochlandpiste geschafft haben, die GS selbst ohne Gepäck aber ganz oft umgekippt ist. Der Mopedfahrer sah ziemlich leidend aus bei der Erzählung.

Wir fahren zurück zum Zeltplatz, waschen die Mopeds an der Tanke, kaufen noch was für die Fähre ein. Dann gibt es statt hotpot eine Pizza an der Tanke – sehr lecker!

Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer!!! Auf dem Zeltplatz sammeln sich alle Fährmitfahrer, es wird richtig voll und nervig. Wir veranstalten ein kleines Mopedtreffen mit allen Mopedfahrern auf dem Platz. Jeder berichtet von kleinen und großen Problemen unterwegs, von kleinen und großen Heldentaten, schwierige und noch schwierigeren Pisten, tiefen und noch tieferen Furten. Beim Schwärmen von der großartigen Landschaft sind sich dann alle wieder einig.

Die verschiedensten Typen tauchen hier auf, alle mit großen schweren Motorrädern. Ich bin sehr glücklich gewesen mit der DR. Keine andere hätte mir so viel Spaß gemacht, ist so gutmütig und hätte es mir so leicht gemacht.

Am Morgen wecken uns die Zeltnachbarn. Rundum stehen Slowaken, die alle ihre Zelte abbauen, in den Bus packen, frühstücken… Als die halbwegs fertig sind fangen wir an. So ein Trubel hätte heute echt nicht sein müssen. Nie wieder auf diesen Platz am letzten Tag! Der Weg nach Seydisfördur liegt im Nebel genau wie bei der Anfahrt. Schade, so sehen wir wieder nichts. Dabei soll diese Gegend wirklich schön sein.

An der Fähre haben wir noch viel Zeit, checken ein und gehen dann einen Kaffee trinken. Lecker! In einem richtig schönen edlen Cafè. Dort treffen wir einige vom Abend wieder. Und auch unsere gutgelaunten  Schweden -die Unfallfahrer von der Askja- sehen wir wieder. Sie sind in einer Woche um die Insel gefahren, übernachtet in Hotels, viele Kilometer pro Tag. Verrückt.

Die Fährfahrt geht so. Wir haben Betten in einer Couchette – wieder mit Slowaken zusammen. Wir kommen leider nicht ins Gespräch. Sie kochen dort drin und sind sehr unkommunikativ. Seltsam und schade.

Die Party in der Bar fällt ruhig aus. Ich sitze viel mit den Lörrachern zusammen, wir trinken Cocktails und schauen Islandbilder, essen Oliven mit Salzstangen und lesen.

Den letzten Morgen verbringe ich in der Sonne auf dem Oberdeck. Es wird immer wärmer.

Die Ankunft in Hanstholm verzögert sich, wir stehen über eine Stunde im Parkdeck. Dann geht alles schnell. Runter von der Fähre, 20 km bei schönstem Wetter bis Thisted. In unserer Jugendherberge ist das Zimmer falsch reserviert – wir haben kein Bett. Beide sind wir jetzt richtig krank und enttäuscht. Der Abend ist kalt. So schlafen wir erstmal auf der Couch und verdrücken uns später ins Zelt. Ist dann ganz ok und kostet nichts.

Auf der Autobahn wundere ich mich, wo die 5 Wochen geblieben sind. Die Eindrücke haben mich überfordert. Die müssen jetzt erstmal verarbeitet werden.

7 Kommentare »

  1. Hallo Birgit,
    ein beeindruckender Bericht, den ich allerdings stellenweise nur überflogen habe – war offensichtlich eine beeindruckende anstrengende aber schöne Tour mit tollen Erlebnissen!
    was mich interessiert, weil auch ich neben einer „Dicken“ eine DR350 fahre:
    wie war sie ausgestattet: welche Reifen? Technik-Werkzeug? Gepäck(taschen) usw. ?
    was ging unterwegs kaputt bzw. war verschlissen und musste ersetzt werden(außer dem notwendigen Wechsel des Kettensatztes)? was hattet Ihr an Ersatzteilen dabei? Gabs Reifendefekte?
    Das sind sicher Fragen, die auch andere (DR350-) Fahrer interessieren werden! Ich hoffe, ich hab nichts überlesen!

    Kommentar von 2RaFa — 22. März 2010 @ 11:58 | Antwort

    • wie war sie ausgestattet:
      großer Tank, Ortlieb-Hecktaschen + Gepäckrolle, Tankrucksack, Trinkrucksack. Ich mag keine Blechkisten, hab schon drunter gelegen, da ist mir die Verletzungsgefahr zu groß. Die Belastung auf den Trägern und dem Heck ist dann auch größer als bei den weichen Taschen.

      welche Reifen?
      Pirelli MT 21, alte Version mit mehr Negativ-Profil. Passte.

      Technik-Werkzeug?
      alles für’s Reifenwechseln, Vergaserausbau, Luftprüfer, Pumpe, Kerze usw. Standard, nix Besonderes. Gemacht werden musste außer Hebel- und Kettenwechsel nichts. Platten hatten wir nicht, aber damit muss man im Hochland schon rechnen. Vorher alles kontrollieren, Dinge, die verschleißen sollte man halt vorher tauschen – siehe Kettensatz. Demnächst ausschließlich nagelneu und nicht 1000 km alt.

      was hattet Ihr an Ersatzteilen dabei?
      Panzerband und Öl 😉
      Hebel, Draht, Kerze, Sicherungen, Schrauben, Kabelbinder, Schläuche, Luftfilter, Seil zum Abschleppen

      Kommentar von bikibike — 22. März 2010 @ 14:08 | Antwort

  2. […] Island 2008 lesen! Abgelegt unter: Uncategorized — bikibike @ 01:36 So, hier nun wirklich der Islandbericht 2008 […]

    Pingback von Island 2008 lesen! « Biki-Blog — 22. März 2010 @ 21:59 | Antwort

  3. Schöner Bericht – mit Begeisterung und Herzblut geschrieben.
    Dabei bleibt für den Island-Unkundigen machmal ein bisschen die Orientierung auf der Strecke und hier und da wird es schwierig, Namen, Orte, Fahrzeuge und Probleme zuzuordnen, aber eigentlich stört das gar nicht.

    Kommentar von eigenhirn — 23. März 2010 @ 10:01 | Antwort

    • Dankeschön!

      Einfach hinfahren und angucken – dann fällt die Zuordnung leichter 🙂

      Für die Orientierung: Wir sind MIT dem Uhrzeiger gefahren. Und: jeder Weg beginnt und endet irgendwann auf der 1.

      Kommentar von bikibike — 23. März 2010 @ 16:40 | Antwort

  4. Servus Birgit,

    ich habe den Bericht förmlich verschlungen 😉 Klasse geschrieben! Ich mußte auch ein wenig schmunzeln über Deine „Erfahrungen“ mit den Italienern…GRINS!
    Wir Bayern sind wohl das südländische Temperament besser gewohnt :-))))) Ja, am 2. Juni geht´s bei mir dann auch los, aber mit dem Gespann. Freu mich schon wie ein kleiner Junge auf Island! Ein leicht ungutes Gefühl bleibt aber immer noch vor den Furten…….bin mal gespannt wie es mir da mit meiner „Resi“ geht und ich hoffe das ich die Seilwinde nicht brauche 😉

    Gruß
    Fredl

    Kommentar von Fredl — 30. März 2010 @ 19:34 | Antwort

    • Prima, dann bist Du ja richtig angefixt :-))

      Die Furten kriegst Du schon hin. Schreib, wenn Du noch was wissen willst.
      Bin gespannt, was Du erzählen wirst. Zeitlich könnte ja ein Kaffeeklatsch dazwischen klappen, oder?

      Wünsche Dir trockenes Wetter und ganz viel Spaß!

      Kommentar von bikibike — 30. März 2010 @ 20:01 | Antwort


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