Biki-Blog

13/5 Elbe

Nach der langen Anreise starteten wir zunächst mal mit Kultur: gerade lief in ganz Dresden das Dixie-Festival. Lange war ich nicht mehr hier – damals verbrachte ich manchen Sommerabend bei Dixie und der ein oder anderen Bowle …

Wir bummelten über die Prager Straße bis zur Elbe und zurück. Bei schönstem Sonnenwetter war viel los. Die Bands spielten schön verteilt, es gab viele leckere Sachen zu futtern und ich konnte natürlich nicht dem Softeis widerstehen.

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wunderbares Dresden – mit der Maus auf’s Bild zeigt den Titel

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unsere Reisegefährtin: schon seit 356 km unterwegs wird sie uns morgen mit sich nehmen:

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Das Auto blieb in Dresden in der Nähe vom Hauptbahnhof kostenlos stehen. Wir starteten bei tollstem Wetter mit einer gemütlichen Halbtagstour in Schmilka. Die Elbe machte es uns leicht, sie zu mögen 🙂

Die ersten beiden Nächte verbrachten wir auf dem DKV-Platz in Wehlen. Parken kann man auch hier schlecht, schlafen dagegen sehr gut. Und nebenan gibt’s lecker Essen.

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Die Einsetzstelle in Schmilka an der Fähre. Meine Eltern brachten uns hier hin und sorgten für ein paar Bilder. Parken kann man in Schmilka ganz schlecht, die Pause beim Kaffee am Anleger dagegen war für mich sehr amüsant. Hier setzen auch Leihkanus und Raftgruppen ein.

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Festung Königstein mit Schaufelraddampfer. Die Dampfer sind prima. Sehen lustig aus, sind langsam und machen keine fiesen Wellen.P1080773_1 P1080779_1 P1080782_1 P1080783_1 P1080784_1 P1080786_1

Es ist Einiges los. Aber es war auch hier in einem totalen Ausflugsgebiet am Pfingstsonntag auf dem Wasser quasi nie stressig.

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Sehr beruhigt kamen wir wieder in Wehlen an. Die heutige Strecke von Schmilka nach Wehlen diente dem Einpaddeln, der Kontaktaufnahme mit dem Strom, dem ersten Erfahren solcher Strömung und dem Genuss der tollen Sonne. Mit den Gierseilfähren kommen wir zurecht, die vorbereiteten Unterlagen aus dem Faltbootforum und Karten von Jübermann helfen gut bei der Orientierung, die Strömung hilft gut aber überfordert uns nicht. Alles passt.

Statistik: Schmilka- Wehlen 21 km 3,9-24,9

Am Nachmittag wanderten wir dank Eltern-Shuttle durch das fürchterlich grüne Polenztal.

Natur, Natur 🙂

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der Zeltplatz füllte sich am Abend des Pfingstsonntag

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hier muss alles bis 85 m im Kreis paddeln 🙂

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So sonnig wie der Samstag endete so bewölkt begann der Sonntag. Regen und Wind sind angesagt. Und Wind hatten wir, reichlich und leider von vorn.

Nun begann unsere Wanderfahrt. Alles Zeltgepäck passte problemlos in die Boote, einige wenige Lebensmittel, Kekse und mein kleiner Stuhl. Im letzten Moment packte ich noch meine absolute Lieblingsjacke ein: nicht praktisch weil aus Baumwolle wurde sie trotzdem wegen des Wetters so wichtig für’s Wohlfühlen.

Wir näherten uns Pillnitz. Man merkte es an der Schaufelrad-Dichte.

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Aber noch blieb es trocken und wir genossen die Vorbeifahrt an Pillnitz. Ein kurzer Spaziergang auf dem Schlossgelände brachte leider keinen Kaffee, dafür aber kalte Beine.

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Möchtegern-Tradition trifft Moderne

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Sie ist blau und keiner wundert sich mehr. Der Dampfer klappte den Schornstein ein 🙂 – der Stahlkoloss Blaues Wunder

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Nun begann Dresden. Ich wartete gespannt auf die Unmengen an Ausflugs- und Sportbooten, mit denen wir rechneten. Aber nix war. An diesem wolkigen und kalten Pfingstmontag schliefen wohl alle nächtlichen Dixiegänger aus und dem Rest schien es zu kalt zu sein.

Die drei Schlösschen kamen in Sicht.

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Das ist die umstrittene Waldschlösschenbrücke, wegen der Dresden seinen Status als Weltkulturerbe verloren hat. Nun ja, eine Brücke, wie einige andere hier. Ich kann nicht sagen, dass sie besonders furchtbar den Blick auf die Stadt verstellt. Und sie ist eine echte Erleichterung für die Menschen, die hier Auto fahren müssen. Und dann kam die Silhouette von Dresden in Sicht. 

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Sorry, wenn es nun zu viele Dresden-Bilder werden. Es war für mich schon etwas ganz Besonderes, hier zu paddeln. Ganz allein genossen wir die Stadtdurchfahrt.

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An der Gohliser Mühle bei km 65,4 machten wir Rast, freuten uns über eine frisch gegrillte Thüringer und ein dunkles Bier. Nach einem Nickerchen in der Sonne mussten wir uns überwinden, wieder ins Boot zu klettern. Aber zum zelten war es zu früh und an der Mühle war zu viel los.P1080885_1

Zudem war es nicht mehr weit bis zum Coswiger Kanuverein bei km 73,3. Wir wollten ein bisschen abkürzen und uns durch den Dschungel der Gauernitzer Halbinsel schlagen. Durch einen Zahlendreher im Kopf glaubten wir, genug Wasserstand zu haben. Ähem, also – es wurde sehr knapp, wir rutschten durch Schlamm und über kleine Stufen, die Strömung zog uns immer weiter, ein Zurück gab es nicht, wir fanden aber mit viel Glück tatsächlich den richtigen Weg und kamen durch.

Da vorne geht es irgendwo rein…

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Ziel erreicht. Begrüßt wurden wir vom trainierenden bzw. spielenden Slalomkajak-Nachwuchs. Coswig nimmt an den deutschen Schüler-Meisterschaften teil. Auf dem super gepflegten und urgemütlichen Gelände des Kanuvereins richteten wir uns am Nachmittag häuslich ein. Der später eintreffende Bootshauswart kannte viele kleine Geschichten um die Elbe, die in der Hauptströmung hier immer mit flotter Strömung fließt. Auch von der Durchflutung des Vereinshauses 2002 erzählte er und zeigte uns Bilder. Der gesamte erste Stock stand  unter Wasser. Es wurden inzwischen Hochwasserschutzwände angeschafft, die einen Wasserstand von 8m abhalten können. Und nun ist schon wieder alles unter Wasser – der Pegel stieg auf 8,76 und schwappte über die Wände, wieder bis unter die Decke der beiden Häuser.

Der Verein hat in einem Blog den Verlauf am Bootshaus dokumentiert und auch ein Spendenkonto eingerichtet. Aber auch die Website des Vereins mit einem kreativen Video ist sehenswert.

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Wir verbrachten den Abend noch ohne eine Vorahnung auf der Sonnenuntergangs-Sitzecke bei einem frischen Kaltgetränk aus dem Bootshaus. Auf der Halbinsel gegenüber ließ sich eine Nilgans im Baum nieder, hinter uns im alten Bootshaus rumorte der Marder, ein Storch flog majestätisch vorbei und eine Menge Zwitschervögel verabschiedete die Sonne.

Wehlen – Coswig/Sachsen 48 km 24,9-73,3

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Der Morgen begrüßte uns mit Sonne, bald auch mit Wärme. Nur der Wind lies nicht nach. Permanent blies er aus Nordwest. Aus dem Seitenarm paddelten wir wieder auf die Elbe und staunten über die deutliche Strömung, die uns begrüßte. Also hieß es jetzt, sich zu konzentrieren und zu freuen 🙂

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Sandsteinwände und Weinberge begleiteten uns auf dem Weg ins Weinland bei Meißen.

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Hinter einer Biegung sahen wir schon den Meißner Dom. Da für den Nachmittag heftiger Regen gemeldet war verschoben wir den Stadtbummel und näherten uns zügig dem Tagesziel.P1080918_1

Davor wärmten wir uns im ZuEssenHaus auf. Und an der Stelle muss ich auf ein grundlegendes Problem dieser Tour eingehen. Ich liebe Kaffee, der mit Espresso hergestellt wird. Am liebsten trinke ich Latte Macchiato oder gleich puren Espresso. In Sachsen spielte Kaffee wohl nie eine Rolle als Genussmittel. Es ist ganz schön schwierig, etwas anderes als Filterkaffee zu bekommen. Hier zum Beispiel gab es Latte M. mit Filterkaffee. Wahlweise bekamen wir auch lösliches Pulver in die Milch gerührt… Mein großer Fehler war es also, die kleine Espressomaschine nicht mitgenommen zu haben.

Aber Sachsen macht das auch wieder wett: ein gutes und kaltes Bier bekommt überall und sofort 🙂

Das ZuEssenHaus bei unserem Besuch und 2 Wochen später. Mehr Hochwasserbilder hinter dem Bild.

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Wir kamen in Riesa an. Keine besonders einladende Stadt, aber eine große aktive Kanugruppe, die vorbildlich in Seilfähre die Elbe überquerte. Riesa war unser erklärtes Minimal-Ziel. Das Wetter hielt aber noch und so peilten wir nach einer kurzen Pause die nächste Übernachtungsmöglichkeit an. Ein Restaurant, das sich Kanu-Restaurant nannte. Da es aber außer dem Schild weder einen Anleger noch einen einladenden Zeltplatz gab paddelten wir auch hier weiter.

Die folgenden Kilometer, die wir mit Blick in die Abendsonne erlebten waren geprägt von 2 Schiffsbegegnungen und viel Natur. Er hier machte nette lange Wellen und weckte den Spieltrieb in uns.

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Zunächst begegnete uns dieser Touridampfer. Das folgende Boot hatten wir in Riesa bereits gesehen, nun kam es wieder bergwärts. Es trug den Namen WSP, fuhr nah an uns vorbei und und nahm dann das Gas weg. Aus 10 m Entfernung bekamen wir zu hören, dass wir ihm nach (bergauf!) paddeln sollten und unseren Bootsnamen zeigen sollten. Hä? Der steht echt groß auf beiden Seiten bzw. vorne drauf und ihr seid gerade an uns vorbei gefahren. Vielleicht sollte man der Riesaer WSP einen Optiker-Gutschein oder ein Fernglas spenden?

Und dann kam nur noch Natur und gar kein Regen 🙂

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Und das ist sie: „Unsere Buhne“. Bei km 137,4 beendeten wir den längsten Tag unserer Tour. Lagerplätze finden sich hier unkompliziert. Ich fand die linke Seite netter – rechts führt der Radweg nebenher.

Coswig/Sachsen – Belgern 64 km 73,3-137,4

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Die beiden wichtigen Ausrüstungsgegenstände: mein kleiner Stuhl, na – mehr ein Sessel und die IK.A-Tasche mit dem Futter. Hier kann man es sich gut gehen lassen 🙂

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Für den folgenden Tag war nun wirklich Sauwetter angekündigt. Und das weckte uns auch schon. Pünktlich zum Start eröffnete auch der Nieselregen und wuchs an zu einem ausgewachsenen Dauerregen. Nicht schön, aber unser Ziel Torgau lag ja nur um die nächste Kurve und ein leckeres Frühstück lockte uns. Den Touristenfrachter ließen wir lieber noch vorbei:

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Sagte ich schon, dass es regnete?

beeindruckend und laut, wenn die Gänse sich in die Lüfte schwingen:

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Als wir kurz danach in Torgau ankamen steuerten wir direkt den Kanuverein an. Am Steg der Ruderer konnten wir bequem aussteigen, wurden von einem Einheimischen direkt über den Ort und die Vereine informiert und brachten die Boote zum KC. Dort trafen wir ein Spät-Losfahrer-Päärchen, von dem wir Schlüssel und Zimmer übernehmen konnten. So hatten wir tatsächlich gleich eine warme Dusche, sogar eine Couch und einen Wasserkocher für den Tee. Sehr nett!

Hier mal ein ganz großes Dankeschön an die besuchten Vereine! Wir fühlten uns überall willkommen, durften bei schlechtem Wetter drin schlafen und wurden immer mit den notwendigen Infos versorgt. Der Schlüsseldienst funktionierte am Ende sehr gut, die Offenheit und Selbstverständlichkeit des Übernachtens hat mich überrascht. Das hab ich im Westen des Landes schon anders erlebt.

Ich bin ja so eine Urlaubs-Bier-Trinkerin: ankommen, das Wichtigste ausräumen und aufbauen und dann erstmal mit einem Radler zurücklehnen. Es war nie notwendig, eine Flasche im Boot zu transportieren. Immer war die Versorgung (oft auf den ersten Metern im Haus ;-))gesichert, bezahlt wurde meist per Vertrauenskasse. Natürlich gab es auch immer Wasser und Limo.

Belgern- Torgau 18 km 137,4-155,2

Ich bin inzwischen ein bekennendes Weichei und gegen kalte Nässe intolerant. Aufgewärmt und ausgeruht machten wir uns auf den Weg zum Frühstück. In Torgau bekommt man alles was man braucht. Einen guten Kaffee und sehr freundliche Begrüßung findet man neben passenden Infos zur Stadt in der Touri-Info. Die Besichtigungstour (ohne Bilderausbeute) fiel angesichts strömenden Regens recht kurz aus: Schloss, Braumuseum und Katharina-Luther-Stube, dazu natürlich der Marktplatz mit Renaissance-Bürgerhäusern.

Den Kuchen zum ebenso leckeren Kaffee bekamen wir in diesem urigen Café, wo extra ein Reserviert-Schild für uns geschrieben wurde, um genau diesen Tisch zu bekommen. Hier kann man es eine lange Weile aushalten.

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Der neue Tag begrüßte uns mit Kälte und strahlender Sonnen. Perfekt 🙂 Die flache grüne Landschaft zog umrahmt von blauem Himmel mit Schäfchenwolken so dahin, die Fahrt war geprägt von verschiedenen unaufregenden Begegnungen: Schafe, Kormoran, Frachter, Ladogas:

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Und dann waren wir auch schon da – am Kanuverein Elster. Viel Nettes hab ich von diesem Verein gelesen, ein Stopp war deshalb schon eingeplant, 45 km sind auch ok.

Torgau – Elster: km 155 – km 200

Der Clubraum war voller netter älterer Menschen: Skatnachmittag des Dorfes. Wir bekamen unser kleines Zimmer im DDR-Jugendherbergs-Stil. Sehr einfach aber warm, trocken und ruhig. Das Bootshaus lag voller Faltboote. Wirklich viele für so ein Dorf! Der, der immer hier ist, erzählte uns ein bisschen vom Dorf und dem Verein, befüllte das Bierglas und gab Tipps zur Abendgestaltung. Wir begannen mit dem Café Elbterrassen an der Fähre, leider nicht mehr griechisch und preiswert sondern gehobene Küche und teuer. Nett aber schon, sonnig und in bester Lage. Wir bummelten weiter durch’s Dorf und landeten in einer nicht wirklich empfehlenswerten Kneipe (Landgasthof Arndt). Naja. Wir sind satt geworden.

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Den Sonnenuntergang genossen wir auf dem Vereinsgelände, saßen noch lange am Ufer und hörten den Fröschen zu. Gegenüber legten mehrere Frachter zur Übernachtung an. Und überall blühte der Schnittlauch: mnjam!

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Schönes Vereinsgelände, prima Zeltplatz und ein Lokal, das immer geöffnet ist.

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Wir schliefen gut und wurden mit extra für uns eingekauften Brötchen und Kaffee verwöhnt. Der, der immer hier ist, freute sich über einen Frühstücksplausch, aber irgendwann wollten wir los. Sehr nasses Wetter war mal wieder gemeldet und wir schafften es gerade bei Regenbeginn nach nur 12 km, am Kanuverein Lutherstadt Wittenberg anzukommen.

Elster – Lutherstadt Wittenberg km 200 – km 213

Zufällig war auch jemand vom Verein da und nahm uns auf. Einräumen, umziehen und ab in die Stadt. Wittenberg hat viel zu bieten. Besonders die kleinen Nebengassen hatten es mir angetan. Leider war die Schlosskirche gesperrt.

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Das Marc de Café lohnt sich: lecker und sehr gemütlich!

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Aufbruchstimmung bei starkem Gegenwind, Abschiedsblick und Rückblick auf Wittenberg

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Und der Blick voraus – ein Chemiepark:

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Nach 23 stürmischen Kilometern und permanentem Gegenwind liefen wir Coswig/Anhalt an. Ein relativ unscheinbares Dorf, von dem man allerdings den Wörlitzer Park erreicht. Beim Kanuverein war eine große private Feier – für uns nicht einladend. Und für die nächsten 2 Tage war ein Sturmtief gemeldet. Es sind die Regentage, die danach für das Hochwasser sorgen sollen. Wir entschieden, weiter bis Dessau zu fahren und uns Wörlitz für später aufzuheben.

Das Anlegen am Dorfufer war sehr einfach, unsere Kajaks bekamen Nachbarn aus Hamburg und wir bummelten durchs Dorf. Ein sehr spezielles „tagsüber Café der Frau, abends Bar des Mannes“ mit der Familie im Nebenraum und ein Asiatisches Restaurant fanden wir. Beides sehr empfehlenswert – meine beste Ente seit Langem! 

Das Coswiger Schloss, leider in Verfall. 

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Hier drunter liegt der Anlegeplatz – der Pensions-Chef sicherte sofort Aufpassen zu 🙂 und nette Verabschiedung vom Schwarzen Bären.

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Und dann stürzten wir uns wieder in Natur und Einsamkeit. Auf den nächsten Kilometer bombardierte uns die Natur: Stille, Sturm, Sonne, Regen, Regenbogen, Schwäne, Eichelhäher, Milane, Seeadler (wow!),  Gänse, die immer wieder einige Meter vor uns landen, Elbtal-Auen, Windböen, alte und uralte Bäume, mehrere Reiher, Kormorane, Sandstrände.

Vogelschutzgebiet, Naturschutzgebiet und Biosphärenreservat treffen hier aufeinander. Militärgebiet auch, aber sehr viel scheint da nicht los zu sein.

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Diese Seeadler hab ich leider nicht im Flug erwischt. Wow, sind die groß! Und wieder Milane, wunderbare Strände im Militärgebiet:

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Und da kam er schon: stürmischer Regen mit Gewitter. Nicht lustig! Auf diesem Abschnitt kombinierte sich ein entgegenkommender Frachter mit starkem Wind und einer überspülten Buhne zu einer Welle, die mein Boot komplett überspülte und mich arg in Bedrängnis kommen ließ. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Und mein Cruiser ist nun wirklich nicht kippelig. Mit hoher Konzentration fuhr ich die nächsten Kilometer, damit nicht auch noch der Wind das Paddel mitnahm.

Schwierig war das Befahren der Elbe ansonsten nicht. Wellen der wenigen Schiffe nahmen wir brav von vorn, an Gierfähren warteten wir ab und zu, auf die Verschneidungen zum Kehrwasser mussten wir bei der guten Strömung ein bisschen aufpassen und wir warnten uns konsequent vor den Bojen. Die viele Natur verführt sehr zum Rumgucken und die Strömung zum Treibenlassen. Da passiert es schon, dass man eine Tonne nicht wahrnimmt.

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Die beiden Milane jagten sich vor unseren Augen lange und heftig. Sehr beeindruckend!

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Er steht schon länger hier:

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Und dann zerstörte ein grelles Geräusch die Stille. Ein Rennboot fuhr im Kreis um uns herum. Zuerst machte es mir mächtig Angst – ich erwartete hohe Wellen. Aber er ist ja ein Gleiter und macht gar keine Wellen. Nur der kreischende Zweitakter war grausam.

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Nach 46,5 km kam das denkmalgeschützte Bootshaus der Junkers Paddelgemeinschaft in Sicht. Ich war sehr erleichtert, dem Sturm und dem aufgekommenen Starkregen zu entkommen. Da das Anmelden nicht geklappt hatte riefen wir sämtliche Telefonnummern an, die wir finden konnten und erreichten endlich jemanden. Ganz schnell war eine junge Paddlerin mit dem Schlüssel da und zeigte uns alles. Unter einem Dach konnten wir warten und waren wir froh, ins Haus zu kommen – und auch noch in so ein interessantes. Wir durften uns im Clubraum mit Küche ausbreiten und wurden sogar noch zum Einkaufen mitgenommen.

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Das angekündigte Unwetter kam zuverlässig. Abends trudelten noch die beiden Kajakfahrer aus Hamburg und die beiden Ladogas ein. Die Einkauf- und Kochmöglichkeit bescherte uns einen sehr zufriedenen Bauch und wir fielen nach einem langen Erzählabend wohlig in den Schlafsack.

Wittenberg – Dessau 46,5 km  212-261

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir die beiden Hamburger in strömenden Regen, zwei Holländer paddelten auch noch vorbei. Wir dagegen drehten uns in den Schlafsäcken nochmal um und kochten dann Kaffee.

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Den Regentag nutzte mein Mann, um das Auto aus Dresden nachzuholen. Merke: Beim Loslaufen zur Bahn nicht den Autoschlüssel vergessen! Hat aber grad noch geklappt…

Ich vertrieb mir den Tag mit Tablet und Planung, Sachen räumen, Kaffeekochen  und „Aus-dem-Fenster-gucken“. Langweilig wurde mir nicht. Immer wieder kam jemand vom Verein, räumte was im Bootshaus, war verabredet oder kam nur auf einen Plausch hoch. Jeder war froh über einen warmen Kaffee und ich hatte nette Unterhaltung. Am Abend fuhren wir durch den Ort und schauten uns die verschiedenen Bauhaus-Wohnsiedlungen und Meisterhäuser an und bummelten durch die menschenleere Innenstadt bis in ein lustiges Retro-Café. Wieder beschlossen wir den Tag im Bootshaus mit einer großen Pfanne voll leckerer Dinge.

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Das Clubhaus der Paddelgemeinschaft war für die werkseigene Paddelgemeinschaft gebaut worden von den Flugzeugwerken Junkers. Seine Dachkonstruktion und die Türen verweisen auf die Technik und das Material der Junkerswerke. Heute kann man sich einen Eindruck davon im Technikmuseum Dessau holen.

Über die Ereignisse beim Hochwasser 2013 kann man hier im Archiv nachlesen. Das erste Mal überhaupt stand das Wasser im Clubhaus.

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Gut ausgeschlafen erwachten wir vom Prasseln der Tropfen auf dem Dach. Da wir das Auto an diesem Tag nach Magdeburg versetzen wollten nutzten wir die Fahrtstrecke, um uns das Biosphärenreservat aus der Landperspektive anzuschauen.

Das Verwaltungsgebüde und der Informations-Garten Auenhaus zwischen Dessau und Oranienburg

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Dort gibt es auch eine Biberfreianlage, zu der wir wanderten. Und wir konnten ein fleißiges Päärchen beobachten:

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Den Nachmittag verbrachten wir im Solebad und dann trafen wir in Magdeburg wie verabredet unseren neuen Mitpaddler Uwe aus Hannover. Mit ihm fuhren wir zurück nach Dessau. Wir sahen uns nach einem Jahr das erste Mal wieder und so waren die Gespräche und das gemeinsam unterwegs sein in den nächsten Tagen wichtiger als das Paddeln. Abendessen gab es im Kornhaus. Lecker und mit tollem Ausblick aus dem Bauhaus-Gebäude hinaus auf die Elbe und in den Sonnenuntergang.
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Nach unserer letzten Nacht im Bootshaus von Dessau paddelten wir nun zu dritt weiter. Gemütlich ließen wir es morgens angehen, alle mussten ihre Klamotten neu sortieren und weit hatten wir es nicht. Nette Gespräche verkürzten gefühlt die Strecke noch mehr als sie schon war und die gute Strömung übrig ließ. Viel Aufregendes gab es nicht: ein paar Vögel, auch wieder Milane, rechts und links Schafweiden, Ruhe. Wieder blies uns starker Gegenwind ins Gesicht, immerhin blieb es noch trocken. Unterwegs suchte Uwes Boot mal kurz die Freiheit, ließ sich aber doch brav wieder einfangen.

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Hier entdeckte ich den einzigen Silberreiher auf dieser Tour.

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Der Schiffsverkehr nahm ein wenig zu. Dieses hier war ein Arbeitsschiff, das wohl pumpte. Gut, wenn man die roten Signale lesen kann und auf der richtigen Seite an ihm vorbei fährt. Nicht ganz so schön, wenn genau zur gleichen Zeit Gegenverkehr kommt.

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Noch ein Schiff – allerdings eins mit Restaurant und Museum: Breitenhagen

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Am frühen Nachmittag kamen wir schon in Barby an. Beim Kanuverein war noch keiner da, wir konnten aber das Gelände nutzen und uns „stadt“fein machen.

Dessau – Barby 30 km 261-191

Der Verein liegt direkt an der Fähre, gegenüber gibt es ein einladendes Café mit einer Menge Pfauen. Der Weg in die Stadt ist etwa 2 km lang – sie hier schauten uns erstaunt an, dahinter der „Prinz“:

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Zwischen den vielen Wolken regnete es auch mal langsamer. Die wichtigsten Kleidungsstücke blieben aber auch jetzt ein warmer Pulli und die Regenjacke. Wir erkundeten das Dorf, wurden im Café und später im chinesischen Restaurant nett empfangen und hatten uns viel zu erzählen.

Der Abend drohte weiter mit Unwetter-Wolken:

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Wir schlugen unser Lager im Gastraum des Vereins auf und am Morgen schaute mich dieses Auge durch’s Fenster an:

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startklar in Barby:

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Die Saale brachte eine Menge Treibgut mit. Der Pegel stieg, aber noch gab es für uns keinen Grund zur Beunruhigung.

P1090201_1 Rückblick auf Barby und das Prinzesschen links P1090206_1

Bundeswehr bei Paddelübungen:

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und noch ein trocken gelegtes Schiff am Ufer – das Schiffshotel Sonnenschein in Schönebeck:

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Einfahrt nach Schönebeck – Fachwerkhäuser am Ufer und das Kunstwerk Salzblume:

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Was würdet ihr vermuten, wenn ihr dieses Schild und eine Bank mit Dach seht?

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Wir haben uns erlaubt, zu landen, freuten uns auf einen warmen Imbiss, den es hier geben sollte und wollten das Gewitter abwarten, das über uns stand. Das Zeichen „Blaues Band“ auf dem Schild lud uns ein auf einen paddlerfreundlichen Platz.

Zunächst mal war der Imbiss geschlossen. OK, wir haben ja noch was dabei. Als wir unter dem Dach saßen um das Gewitter abzuwarten wurden wir äußerst unfreundlich gefragt, ob wir nicht wüssten, dass das hier kein öffentlicher Platz ist. Wenn wir bleiben wollten müssten wir Gebühr bezahlen. Wie viel erfuhren wir allerdings nicht. Wir hinterfragten erstaunt diese Forderung, verstauten dabei schon unser Picknick in den Booten und zogen uns wetterfest an. Plötzlich lief uns auch noch der Inhaber zu und versicherte sich auf aggressive Art, ob wir verstanden hätten, dass wir zu gehen hätten.

Also merken: das Wassersportzentrum Henning ist kein Wasserwanderrastplatz sondern ein privater Zeltplatz, auf dem Betretungsgebühr verlangt wird.

Zum Glück zog das Gewitter schnell weiter und wir konnten gefahrlos weiterpaddeln.

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Die lustigen Bundeswehr-Rafts landeten auch am Rastplatz, zahlten aber nach Information des Inhabers dafür. Aha.

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Gerne wäre ich noch zum Pretziener Wehr gepaddelt. Aber das Wetter mahnte, in Magdeburg anzukommen.

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erster Blick auf den Magdeburger Dom:

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Hier teilt sich Elbe, rechts zweigt die Alte Elbe ab, in die wir einfuhren.

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Unter dieser Brücke befindet sich der Cracauer Wasserfall, einem Überlaufwehr, das jetzt bei Hochwasser beeindruckend zog. Ganze Bäume polterten hier runter und die Strömung erzeugte heftige Strudel und eine dicke Walze. Rechts kurz vor dem Wehr liegt die Slalomstrecke unseres Ziels: der Kanuverein „Börde“. Wir blieben die nächsten 2 Tage hier.

Barby – Magdeburg 32 km 291-323

An diesem 30. Mai stand der Höchstpegel „nur“ bei 3,30m, Mittelwasserstand ist hier 1,95. Nicht zu glauben, dass er in den nächsten Tagen bis auf 7,46m am 9. Juni steigen sollte. Eine informative Seite zum Hochwasser 2013 bietet Wikipedia.

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Als die Männer Uwes Auto aus Dessau nachholten nutzte ich ein trockenes Zeitfenster, um angemessen am Ende unserer Tour anzukommen:
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Am nächsten Tag musste Uwe nach Hause fahren und wir bummelten durch die Stadt, brachten Ordnung in die Klamotten, trockneten alles und packten das Auto.

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letzter Nachmittag – Abschied von der Elbe:

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Etwa 320 Elbekilometer haben wir hinter uns gebracht. Geprägt waren sie von den Kuckucken, die uns täglich begleiteten, vielen Milanen und anderen Greifvögeln und Schafen.

Geprägt waren sie auch von herzlichen Menschen in den Vereinen, lustigen Menschen in Cafès und Restaurants und der Kontaktfreudigkeit und Unkompliziertheit aller. Ich habe mich mehr und mehr (wieder) heimisch gefühlt 🙂

Das Wetter verwöhnte uns zunächst mit viel Sonne und wir konnten an DKV-Stationen und wild campen. Der Wind blies meist aus Nordwest, was die gute Strömung zum Glück wieder wett machte. In der zweiten Hälfte zeigte sich das Wetter kalt und nass, daher haben wir dann in Vereinsheimen übernachtet. Die Stimmung blieb trotzdem durchgängig gut und ab und zu kam ja auch die Sonne raus. Wir haben die trockenen Vormittage zum Paddeln genutzt und die nassen Nachmittage oder Dauerregentage zum Besichtigen, Urlauben und Faulenzen genutzt. Das passte so sehr gut für uns.

Die Schifffahrt hat uns gar nicht beeinträchtigt. Die wenigen Kähne fuhren rücksichtsvoll.

SCHÖN WAR’S – UND TSCHÜSS …

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1 Kommentar »

  1. Danke fürs teilen.

    Kommentar von Gunter — 30. Juni 2013 @ 21:28 | Antwort


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