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15/4 Karlsbad

Karlovy Vary – Karlsbad kennt man eher als Heilbad, heiße Quelle und Quelle des Becherovka. Rundherum gibt es ein paar schöne Flüsse, die im frühen Frühjahr genug Wasser führen sollten, um sie paddeln zu können. Falls nicht, gibt es Zuschusswasser aus den Talsperren.

Jarda, Jan und Dieter, die Organisatoren der Woche der Karlsbader Kleinflüsse geben sich alle Mühe, ein sportliches und kulturelles Programm für etwa 30 Paddler zusammen zu stellen. Gewohnt wird in der Pension Hubertus. Rustikales Frühstücksbuffet und gehaltreiches Abendessen mit gutem böhmischen Bier machten den täglichen Energieverbrauch mehr als wett.

Autofahren muss in der Woche keiner. Ein genialer Busfahrer kutschiert die 30 Paddler und nichtpaddelnde Begleiter und die Boote mit einem gecharterten Bus + Kajakanhänger zu Besichtigungen, Restaurants, Ein- und Ausstiegen, Pausenplätzen während der Paddeletappen. Waldwege, Wenden im Wald, enge Pflasterstraßen durch die Dörfer schrecken ihn nicht.

Jeder Tag ist gefüllt mit einer Besichtigung (Porzellanfabrik, Brauerei, Becherovka, Burg usw.) und einer Paddeletappe zwischen 16 und 22 Kilometern ww 1-2. Die Flüsse variieren von schmal und schnell bis breit und schnell. So ganz gemütlich war es nur über Staustufen. Auffallend waren die vielen Bäume in den Bächen nach dem Sturm eine Woche zuvor. Kurven, Steine und Schwälle gab es auch reichlich.

Die Woche begann mit eisiger Kälte. Morgens war alles gefroren und wir waren ganz froh, zunächst mal auf die Burg Hartenštejn stapfen zu können. Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter zum Einstieg zur Střehla nach Rabštejn. Auf den 17 Kilometern bis Mladotice konnten wir uns einwackeln, machten Pause an einem Tierhof, wärmten uns dort an einem Feuerkorb und rutschten ein paar Schwälle hinunter. Der Fluss plätscherte mit nettem Wasserstand und ohne große Schwierigkeiten daher, die Bäume ließen sich unterfahren.

Bilder lassen sich mit Klicken zur Diashow öffnen.

Tag zwei begann mit mit fetten Schneeflocken und einem Besuch auf dem Bauernhof Bernard. Das Interessante hier war das Museum zum Fluss Ohře/Eger. Auch zur weit verbreiteten Kohleindustrie und der umgebenden Landschaft konnten wir einiges erfahren. Gegen Mittag starteten wir zu den 21 Kilometern von Kraslice nach Sokolov auf der Svatava. Jetzt konnten wir die ganze Bandbreite böhmischen Wetters erleben: strahlende Sonne, heftiger Wind, lieblicher Schneefall, Schneesturm, ruhiges Frostwetter. Am Ende schien wieder die Sonne. Die meisten fuhren trotzdem die ganze Strecke. Ich fand es eher spannend als nervig, war aber am Ende auch froh, in den warmen Bus steigen zu können.

Am Tag 3 hatten wir früh einen Empfang beim Bürgermeister von Karlovy Vary. Eine knappe Ansprache, ein Fotoshooting mit einheitlichen T-Shirts und ein Prost mit Becherovka und schon konnten wir uns die hübsche Stadt anschauen gehen. Bis zum Mittag spazierten wir entlang der Tepla, probierten das Heilwasser und bewunderten die vielen renovierten Villen. Nur noch wenige davon gehören den Tschechen. Russisch dominiert in den Geschäften und auf Plakaten.

Da der geplante Kleinfluss zu wenig Wasser hatte wichen wir aus auf die Ohře von Loket bis zu unserer Pension. Es wurden 21 Kilometer auf breitem Fluss mit Schwällen und 2 Wehren, einer Pause in der Sonne und am Ende dem Hubertus-Schwall, eine kleine natürliche Slalomstrecke vor der Haustür der Pension.

Tag 4 begann mit einer längeren Fahrt zur Brauerei Chodowar. Brauereibesichtigung, Bierbrunnen, Mittagessen und schon ging auf den Bach. Die Mže fließt keine 50 m geradeaus, war voller Bäume, die oft umtragen werden mussten, manchmal durchfahren werden konnten und manchmal mit vereinten Kräften aus dem Weg geräumt wurden. Dazu kamen eine Menge Wehre, Stufen und Steine. Für mich sehr anstrengend, mich über so eine lange Zeit zu konzentrieren: jeder Meter war eine Herausforderung. Am Ende der für alle von 26 auf 16 Kilometer verkürzten Strecke war ich platt. Aber sowas von platt. Auch viele andere schliefen im Bus ein. Zum Fotografieren kam ich kaum. Daher gibt es hier neben den Brauerei-Bildern vor allem die Aufnahmen von Jarda, unserem Canadier fahrenden Guide zu sehen.

Am Tag 5 fuhren wir vormittags zum Becherovka-Museum nach Karlsbad. Natürlich gab es auch Kostproben des Kräuterbitter. Ich finde den Lemond und die Variante mit Lindenblüten und Weißwein am leckersten. Aber mehr als Nippen war nicht gut. Mittags bummelten wir nochmal durch Karlsbad, tranken einen sehr gemütlichen Kaffee und ich versorgte mich mit Karlsbader Oblaten. Am Nachmittag hatten wir einen anspruchsvollen Bach vor uns: Lomnicky Potok. Direkt unter dem Stausee begann die Paddelstrecke, von oben gab es reichlich Zuschusswasser. Für mich war der Bach zu schell, zu schmal, womöglich mit Bäumen versperrt und zumindest ganz oben gab es kaum Kehrwasser. Eine kleine Gruppe startete hier und kam auch erfolgreich hinunter.

Die Gruppe auf den letzten Metern des Lomnicky Potok:

Wir anderen fuhren mit dem Bus zur Mündung des Lomnicky in die Tepla. Es strömte für mich noch genug. Steine und Kurven machten die Strecke von Anfang an abwechslungsreich. Nicht weit vom Einstieg lagen uns große Felsblöcke im Weg, die zu einem schnellen Seitenwechsel zwangen. Hier kenterten 2 Paddler, ein Boot verklemmte sich. Weiterpaddeln wollten die beiden an diesem Tag nicht, verletzt war aber niemand. Das Boot wurde am Nachmittag bei gesunkenem Wasserstand geborgen.

Ab dem Beginn von Karlsbad war die Tepla kanalisiert. Zwischen den hohen Wänden fuhren wir durch die Stadt, die bunte Gruppe erregte bei den Spaziergängern Aufmerksamkeit. Zu Beginn fährt man über mehrere kleinere Stufen. Mittendrin führt der Fluss unter dem Kurhaus hindurch durch einen Tunnel, dahinter direkt in eine Kurve. Strömung, Kurve und Wände erzeugen eine Welle, die ich zum Glück genau traf: perfekt.

Unsere Rafts treiben an dieser Stelle weit nach außen:

Im unteren Bereich der Stadt müssen 4 Walzen befahren werden. Je nach Wasserstand halten die gut fest. Mein Mamba war das kürzeste Boot der Gruppe. Ich hatte deshalb den Auftrag, mit Vollgas rein zu fahren, Nase hoch und PAAAAADDDDDEEEEELLLLLN! Gehalten haben sie mich alle, durchgekommen ist mein Bootchen trotzdem. Danach mündet die Tepla in die Ohře. Ab hier trieben wir entspannt bis zu unserer Pension hinunter und hüpften zum Schluss noch durch den Hubertus-Schwall.

Die 14 Kilometer hatten es in sich, waren aber lange nicht so anstrengend wie der Tag zuvor. Die Sonne schien und es gab immer wieder Zeit zum Luftholen.

Am letzten Tag wollte ich es langsam angehen lassen. Für mich folgten ja noch 200 km Autofahrt am nächsten frühen Morgen und 2 Tage Paddeln auf dem Schwarzen Regen. Zu dritt klinkten wir uns aus und paddelten ab Hubertus auf der breiten Ohře. Ich lieh mir dafür ein längeres Boot und wir genossen einen sonnigen und ruhigen Tag. Das einzige Wehr war gut befahrbar, die Schwälle immer lustig, die meisten Steine erkennbar, die Landschaft nett anzuschauen. Mittendrin lag Bad Kyselka: Vor langer Zeit ein mondäner Kurort standen nun völlig verfallene Kurhäuser vor uns. Einzelne wurden bereits restauriert, aber da braucht es noch jede Menge Arbeit und Finanzen. Den Plakaten nach investiert hier v.a. Mattoni, deren Quelle hier liegt und das Kulturministerium des Landes Tschechien.

Trotz unserer Bummelei hatten wir am frühen Nachmittag die knapp 20 km schon geschafft. In der Sonne gab es Kaffee und Eis auf unserer Terrasse, wir konnten in Ruhe duschen und packen und waren bereit für den Abschlussabend.

Es war schön, diese Woche erleben zu können. Genau 100 Kilometer bin ich an 6 Tagen gepaddelt. Ich bin Flüsse gefahren, wie ich sie in dieser Art noch nicht kannte. Technisch war das Meiste eine Herausforderung für mich, an der ich viel gelernt habe, sicherer geworden bin aber auch selbstbewusster.

In unserer Kurzbootgruppe habe ich mich wohl gefühlt und ab dem dritten Tag sicher. Interessant war es, nette Paddler, verrückte Individualisten und erfahrene Urgesteine zu treffen. Das Laden der Boote und das Umtragen an den Bäumen wurde im Team erledigt, meist war eine helfende Hand zur Stelle. So unterschiedlich die Teilnehmer waren so abwechslungsreich waren die Gespräche auf dem Bach und beim Essen. Das leckere böhmische Bier trug sicher zur guten Stimmung bei.

Vielen Dank an Jarda, Dieter und Jan für die herzliche Betreuung und die durchorganisierten Ausflüge und Paddeltermine! Sie investierten viel Zeit und hatten es mit dem chaotischen Haufen nicht leicht. Die tschechische Gelassenheit erinnerte mich immer wieder an frühere Besuche.

Ganz besonders liebe Grüße an Hannah!

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