Biki-Blog

13/3 Ardeche

Frankreich begrüßte mich typisch französisch. Noch vor Besancon wechselte ich auf die Landstraße und zockelte durch Berge und Dörfer. In der Kaffeepause in einem Dorfcafé kam ich an der Bar ins nette Gespräch mit schicken Kirchgängern. Weinregion, Probiergläschen und frühere Besiedlungen waren Thema. Nach einer schnell verflogenen Stunde machte ich mich wieder auf den Weg. Eingeladen zum Kaffee und mit vielen guten Wünschen startete ich in den 2. Teil der Fahrt. Nach dem Abbiegen aus dem Rhonetal wurde es grau und grauer. Irgendwann schneite es, ich fuhr direkt in die Wolken. Na toll.

Knapp 900 km Anreise mit Twingo und Anhänger zehren an den Nerven. Nach dem Start  um 4.00 Uhr war ich zur Ankunft am Camping Arleblanc in Rosiere am Nachmittag verdient platt und genoss ein entspannendes Kaltgetränk bevor ich mich an den Hausbau machte.

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Die Ausrüstung entsprach den Transportbedingungen.  Noch nie war ich mit dem Auto im Urlaub. Noch nie hatte ich so viel Zeug dabei. Und kaum etwas davon war am Ende überflüssig. Lebensmittel mitzunehmen erwies sich allerdings als nicht notwendig. Im Ort gab es einen großen Supermarkt. Das hatte ich noch anders in Erinnerung von meiner letzten Zentralmassiv-Reise vor 20 Jahren …

Und auch das Tanken scheint unkomplizierter geworden zu sein. Fast alle angefahrenen Supermarkt-Tankstellen nahmen meine EC-Karte. Sehr nett.

Das Wetter rund um das Osterwochenende entsprach den Erwartungen: kalt und nass mit gelegentlichen Sonnenschein-Stunden. Dem Nachtfrost trat ich erfolgreich mit einem Wärmekissen, angeschlossen an die 50m-Kabeltrommel und an die Füße gepackt entgegen. Insgesamt waren die Temperaturen aber höher als in D und ließen sich fast immer gut aushalten. Komisch, in Island komme ich mit Kälte ganz gut klar. Liegt wohl an den Erwartungen: Frankreich verknüpfe ich mit Wärme.

Der Zeltplatz Rosiere Arleblanc ist recht einfach aber ausreichend: warmes Badehaus, Restaurant ab Nachmittag und ein kleiner Shop für das Wichtigste. Er liegt an der Beaume, Startplatz also vor der Haustür. Man kann von hier bis in die Ardeche und weiter in die Rhone paddeln. Wenn man will. Die 6,5 km bis zum superhübschen Ort La Beaume wurden öfter als Morgenetappe oder mal schnell abends „gemacht“. Da fanden sich auch immer bereitwillige Zurückholer. Parallel zum Fluss läuft aber auch ein prima Wanderweg – für die Raft-Reisenden 🙂

Dabei war ein Eskimo Diablo zum Üben, ein T-Canyon für die größeren Flüsse wie die Ardeche und das Alpacka Yukon Yak für mehr als ww2 und viel Wasser. Eingesetzt hab ich aber am Ende nur 2 Tage den Eskimo und ansonsten das Raft.

Morgenfrost:image021

täglicher Besuch – Iris – einer der vielen vielen freilaufenden Hunde hier:image069

Haus, Carport und Vorgarten:image079

französische Piepmätze sind Frühaufsteher – 5.00 Uhr ging das Gezwitscher los und hielt den ganzen Tag an:image530-1

Tag 1

Da an den ersten Tagen noch kaum Paddler meiner „Reisegruppe“ vom Kanuverein Südliche Weinstraße da waren nutzte ich die warme Tagesmitte, um mit der DRZ die Mini-Sträßchen zu erkunden. Weiter als 150 km kam ich nicht. Aber dafür war ich 6 Stunden unterwegs. So viel gab es zu gucken und zu genießen. Entlang einiger sprudelnder Bäche, die auch Paddelziele sein könnten schlängelte ich mich in die Berge. Und wieder runter. Und wieder rauf. Die oberen Täler und Schluchten von Chassezac, Ardeche, Ceze, Beaume und Drobie waren mein Ziel. Im Nationalpark lag noch Schnee und ich war froh, bald wieder unter 800 m zu kommen. Der abschließende Kaffee am Markt in Le Vans brachte das Urlaubsgefühl auf 1000%. Das Mopedfahren geht wieder. Ein ziemlich überwältigendes Gefühl nach den vielen Schmerzen im letzten Jahr, entspannt durch die Kurven zu bummeln und das Blubbern des Motors zu spüren. Weiß nicht, ob das so verständlich ist. Mein bisheriges Leben bestand zu einem sehr großen Teil aus Mopedreisen und täglichem Fahren. Erst mit 32 hatte ich mein erstes Auto. Dann 2 Jahre, in dem ich nur unter Schmerzen oder gar nicht gefahren bin. Und nun war das seit langem der erste Tag, an dem ich wieder so eine Freude daran hatte.

Der Abend klang bei Chiccoreesalat und Würstchen mit einer kleinen Gruppe des Vereins aus.

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Paddler in Rosieres auf der Beaume:image065

Der Kampf gegen die Energiegewinnung aus dem Schiefergas aus den Tonsteinschichten war überall präsent:image057

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Tag 2

Ein paar Vereinsmitglieder mehr waren nun da und wir machten unsere erste Fahrt auf der Beaume. Ich saß das erste Mal im geliehenen Eskimo Diablo (vielen lieben Dank nach Mannheim!), fühlte mich recht wohl aber es fühlte sich schon sehr wackelig an. Die Wellen, Strömungen und Abfälle verunsicherten mich heftig, obwohl es gar keine besonders schnelle Strömung gab. Die Kürze des Bootes sorgte für gefühlte Instabilität. Im Vergleich zu meinem gewohnten 4,30-Boot ist er doch ein wenig agiler 🙂 Ich kam zwar kenterfrei runter, fühlte mich aber sehr gestresst. Zu viele Reize strömten auf mich ein. Die Landschaft nahm ich fast gar nicht wahr. In La Beaume stieg ich erleichtert aus dem Bach und wanderte mit der Fahrtenleiterin Susi und 3 Teilnehmern zurück zum Zeltplatz. Das war dann richtig schön: in der Nachmittagssonne verlief der Weg fast immer auf den Gesteinsschichten der Schlucht mit vielen Ausblicken auf das Wasser. Die leichte Kletterei ging gut, unter uns schwammen Fische in der Beaume und die Stromschnellen sahen total harmlos aus. Ok, waren sie ja auch…

Für mich Paddelanfänger wurde an dem Tag klar: Stützen und Kehrwasserfahren mit einem kurzen Boot sollte ich schnellstmöglich lernen. Sonst macht es keinen Spaß.

auf der Beaume, km 30 – 36,5image283

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Ankunft in La Beaume:image293

Wanderung zurück:image302

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versteinerte Schnecke mitten auf dem Weg: image309

Tag 3

Dieser traumhafte Sonnentag war wieder Mopedtag. Nach einer Stunde Sonnenbad vor’m Zelt ging ich auf die große Tour zur großen Schlucht. Die Schlucht der Ardeche ist berühmt. Die oberhalb entlang führende Straße ist ausgestattet mit jeder Menge Aussichtspunkten und ein paar weitere findet man mit dem Moped immer. Paddler auf der Ardeche sah ich keine, die Verleiher hatten wegen des hohem Wasserstandes Verleihverbot. Bei wunderbarem Wetter und trockenen Straßen übte ich Kurvenlinien und Schräglagen. Wenig Verkehr und verführerische Radien verleiteten mich sogar, manche Kilometer mehrfach zu üben … In St. Martin lud eine sonnige Terrasse zum Ausruhen ein. Ein Schoko-Bananen-Crepe mit Vanilleeis brachte die Energie zurück, der Kaffee dann auch die Wachheit. Und wieder ging es in die Berge. Nordöstlich der Ardeche-Schlucht finden sich zwischen Gras, Valvigneres und St. Maurice wilde Offroad- und Mini-Wege zum Spielen. In Mas d‘ Intras probierte ich mich durch das Angebot an Vin Rouge und lud die Packtaschen voll. Nach einer ausgiebigen Ausnüchterungspause in der Sonne mitten in Weinbergen fuhr ich nach Rochecombe, um mir den versteckten Wasserfall anzuschauen. Hübsch lag er in der Sonne. Ein kleiner Spaziergang im verlassenen Dorf und noch ein paar Kilometer Schotter und schon musste ich wieder die Richtung zum Zeltplatz finden. Entlang der strahlend blauen Ibie, einem potentiellen Paddelbach, bummelte ich in tollem Sonnenschein weiter. In Balazuc an der Ardeche stoppte ich nochmal, um diese wundervollen Ausblicke zu genießen und durch das verwinkelte Bergdorf zu stapfen.

Start der Schlucht am Pont d‘ Arc image082

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Da unten will ich demnächst langpaddeln:image097

angeströmter Felsen: image103

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Mittagspause an der Ardeche in St. Martin: image112

Mas d‘ Intras, das Weingut: image115

Der Frühling ist schon da: image119

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Der Tag 4

ertrank im Regen. Am Nachmittag shuttlte ich die Jungs vom Fluss zurück, ansonsten trödelte ich auf dem Zeltplatz und auf meiner Isomatte rum.

Zielort der Paddler war La Beaume. Für mich die Gelegenheit, das wunderschöne Dorf zu erkunden.

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steil geht’s runter:image206

Da unten fließt die Beaume:image209

Überall blüht es – auch im Regen:image211

Hier blüht die Forsythie neben der Palme:image213

Und den obligatorischen Kaffee am Fluss gab’s hier:image214

Blick über den Fluss zum Dorf: image216

 Kunst im Vorgarten:image222

Die abgeholten Spielkinder lies ich dann an der Welle der Beaume in Rosiere wieder raus: image224

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Tag 5

Diesen Tag war ich mit einer Nachbargruppe aus Monschau unterwegs. Geplant war, dass ich mit einem T-Canyon paddel. Am Start an der Ardeche in Vallon, km 81 ergab sich, dass im Topoduo ein Mitfahrer fehlte. Ich nutzte die Gelegenheit und stürzte mich mit Paddellehrer Harald also in die Fluten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er zeigte mich erstmal, was mit Stützen alles geht. Ich kam mir vor wie die panische Sozia in der ersten richtigen Schräglage. Und ich richtete mich dagegen auf 🙂 Nach und nach vertraute ich Harald und seinem und meinem Paddel. Die richtige Haltung und eine Menge Mut und schon preschten wir in die Kehrwässer und wieder raus. In totaler Schräglage. Jippie! Das machte Spaß. Er bügelte sicher eine Menge aus weil mein Stützen bestimmt nur kosmetisch war. Wir starteten oberhalb eines Wehres an einer Slalomstrecke. Die Einfahrt in die Bootsrutsche war nicht zu erkennen. Prompt fuhren wir daneben. Nur mit ganz viel Paddeln kamen wir zurück und trafen im zweiten Anlauf. Puh, das war knapp. Die Walze unter dem Steilwehr sah nicht grad verlockend aus. Unten sahen wir, dass dem folgenden Mitpaddler das Gleiche passierte. Er schaffte es, an die Rutschen-Einfassung ins Kehrwasser zu kommen und sich dort festzuhalten. Mit dem Wurfsack half ihm die Gruppe aus der gefährlichen Lage. Man, so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Die gefährliche Rutsche, oben der festhängende Paddler:image312

Nach einer gemeinsamen Sammlung ging es dann los. Die Ardeche floss zügig, einige Stromschnellen und Kehrwässer machten es spannend. Hohe Felswände, blühende Bäume. Am Ende kam die Schnelle Charlemagne, die mich mit richtig hohen Wellen und Walzen begeisterte. Harald steuerte uns mittendurch und wir spielten auch noch ein paar Minuten bergauf. Patschnass vom Spritzwasser und mit dickem Grinsen mussten wir leider am Pont d‘ Arc aussteigen: hier warteten die Damen der Mitfahrer mit den Autos. Schade, nur eine kurze Strecke. Aber ich habe viel gelernt. Paddel- und Körperhaltung beim Stützen sind mir endlich klar. Bloß kann ich’s nicht selbst.

die Mitpaddler: image313

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Und Harald, der von hinten in die Kamera grinst:

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Fällt fast gar nicht auf, dass wir immer die höchsten Wellen genommen haben und die Kamera einiges an Wasser abbekam, oder? Ich glaube ja, dass er nur deshalb Topoduo fahren wollte, damit vorne einer das Wasser abfängt…image320

der Kenterstein – zum Glück nicht für uns: image323

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vor der Charlemagne image333

Wir waren recht früh zurück und so traf ich noch auf die Gruppe, die zu einer Tropfsteinhöhle fuhr. Schnell in den Bus gehüpft und schon konnte ich die Grotte La Cocaliere anschauen.

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Tag 6

Der Tag versprach Sonne und Wärme. Also nutzte ich den paddelfreien Vormittag, um eine kleine Mopedtour in die Umgebung zu machen. Dazu lockte ein Markt in La Vans. Auf dem Weg dorthin erkundete ich wieder das eine und das andere Tal mit Bach drin. Der Markt war sehr nett. Neben den normalen Händlern könnte man regionale Lebensmittel, Blumen und handwerkliche Erzeugnisse kaufen. Die Stände waren im alten Dorfteil aufgebaut also gab’s auch noch das passende Ambiente. Ich deckte mich mit Oliven und Knobi ein, dazu noch Käse, ein bisschen Hühnchen und Baguette. Im Café kam ich wieder nett ins Gespräch. Die Sonne und die Marktstimmung waren eine tolle Kombination. Zum Abschied bekam ich eine Primel im Topf geschenkt. So nett! Nun hatte ich eine „Terrassenpflanze“ vor’m Zelt 🙂 Mit meinem Picknick fuhr ich nach Casteljau. Von dieser Straße hat man immer wieder schöne Ausblicke auf den Chassezac – der stand ja auch noch auf dem Plan.

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Zurück am Zeltplatz kam ich grade richtig zur Besprechung. Gepaddelt werden sollte wieder die Beaume. Ich enschied mich wieder für den Eskimo, um zu üben. Das Üben klappte nur insoweit, dass ich an diesem Tag weder die Linie traf noch Kanten und Stützen konnte und kenterte. Nach dem zweiten Mal war ich frustriert weil ich keine Lösung fand was eigentlich falsch war. Den Rest des Flusses paddelte ich einfach grade runter ohne in ein Kehrwasser zu fahren.

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Abends gab es leckeren Flammkuchen, Salate und ausreichend Rotwein. Das versöhnte mich wieder. Aber der Frust über das Unvermögen blieb.

Tag 7 Ardeche ab Vogüé

Gepaddelt sind wir auf der Ardeche von Vogüé nach Balazuc, km 46 – 54. Landschaftlich ein sehr sehr schöner Abschnitt mit wenigen schwierigen Stellen, einem Wehr, ein paar Stromschnellen. Um meine Nerven zu schonen und Spaß zu haben nahm ich das Raft. Grinsend und entspannt genoss ich diese Fahrt so sehr, dass ich den Rest des Urlaubs dabei blieb. Klar, das Raft ist langsamer als die Kajaks, man muss mehr paddeln. Aber Kraft und Ausdauer sind nicht mein Problem. Ab und zu spielten die Kajaker oder fahren ins Kehrwasser und dann konnte ich immer wieder aufholen. Das war ein toller Tag, ich konnte ohne Kenterangst in Ruhe Fotos machen und die Natur genießen.

Die Gruppe besteht aus einer bunten Mischung aus Playboatern, erfahrenen Wildwasserfahrern, Gelegenheitspaddlern und Fast-Anfängern. Alle fahren sicherer oder unverfrorener und fast alle sind jünger als ich. Vielleicht spielt auch das Einstiegsalter eine Rolle. Die jüngeren Anfänger machen sich längst nicht so viele Gedanken.

Start in Vogüé image352

Das Wehr: 2 Kopfüber-Kenterungen an der Bootsrutsche, eine am Wehr – die Jungs hatten ihren Spaß 🙂 image355

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Die „faulen Säcke“ (ich darf das so schreiben ;-)) ruckelten sich die Fischtreppe runter:image370

Die anderen schwatzen und genossen die Sonne:image371

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Und wieder ging es durch steile Felsen:image381

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Der Sprungfelsen kommt in Sicht:image389

Oben 2 verschiedene Absprunghöhen, unten die Abschleppboote für danach: image399

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Und gleich danach die Ausstiegsstelle in Balazuc:image407

Am Nachmittag war ich so unausgelastet, dass ich gleich noch mit 2 Kajakern die Beaume gefahren bin. Im Raft natürlich. Das Teil fiel sowohl auf dem Fluss wie auf dem Zeltplatz auf. Ist doch noch sehr selten so ein WW-Gummiboot. Und ja, es sieht ein bisschen aus wie eine hin- und her paddelnde Gummi-Ente 🙂

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Sonnenuntergangslicht: image420

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Tag 8 Schlucht der Ardeche

Der Tag der großen Schlucht, km 85 – 109. Ich freute mich schon auf die Fahrt an Ostermontag, die eine Verbandsfahrt der Pfälzer war. Unsere ganze Gruppe fuhr mit und wir starteten fast pünktlich am Pont d‘ Arc. Es war ziemlich kalt, die Sonne lugte nur kurz am Felsbogen heraus und verschwand dann wieder. Die Kajaker legten los, um sich warm zu paddeln. Es lagen 23 km vor uns, die sich wohl ziemlich ziehen konnten. Na, mal sehen, ob das  mit dem Raft so lustig wird. Innerhalb weniger Minuten hatte sich die große Gruppe sehr lang gezogen. Ich paddelte zügig hinterher, hatte aber keine Chance, mitzuhalten. Aber ich hatte auch keine Lust, durch die tolle Gegend so durchzuheizen. 23 km mit Strömung ist ja nun auch kein Marathon und locker zu schaffen. In einer kleinen Gruppe fanden sich bald 3 Boote hinten zusammen und genossen die Fahrt. Paddeltechnische Schwierigkeiten gab es keine. Aber ich war froh, das Raft zu haben und so die Wellen und Strömungen abreiten zu können. Ich nahm auch mal die großen und einmal übertrieb ich es: die Wellen bremsten mich ziemlich, dann wurden sie höher und von der Seite kam eine weitere Strömung und schon hob es das Raft aus. Mit einer überraschend schnellen Reaktion und konsquentem Paddelschlag stützte ich und kam über den Kamm. OK, das war wohl die Grenze meines Gummibootes. Glück gehabt.

Start am Pont d‘ Arc: image430

Susi, die Wanderwartin, eröffnet die Verbandsfahrt mit einer Rede:image434

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Auf einer Sandbank machten wir Pause und Picknick. Das Wetter blieb durchwachsen bis nass und ich War froh  um meinen Trocki, der mich warm hielt. Meine kleine Gruppe startete etwas früher als die anderen und so konnten wir uns treiben lassen, Landschaft gucken und unser Tempo fahren.  Und Landschaft gab es echt viel. Vor allem Felsen. Und ab und zu ein kleiner Wasserfall.image475

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Die Kathedrale:image491

Felsüberhänge:image494

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Da oben läuft immer parallel die Straße mit vielen Aussichtspunkten.

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Und hier wachsen die Bäume aus dem Fels und kopfüber: image514

Der Fels ist überall geschichtet, gehoben, verschoben, erodiert,zerklüftet und ausgewaschen. Wer mehr über die Geologie wiessen will schaut hier.image516

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Bis zum Ausstieg hatten uns dann alle eingeholt. Nach nur 3,5 Stunden waren wir am Ziel in Sauze kurz vor St. Martin. Der hohe Wasserstand hat viele Schwierigkeiten überspült, das Hackmesser zum Beispiel hatte nur Strudel aber keine angespülten Felsen. Unterspülte Felsen gab es quasi nicht und die Strömung half heftig mit. Anstrengend fand ich es, außer der ersten Stunde wo es um’s Tempo ging, gar nicht. Bin halt doch Wanderpaddlerin. Und schon ist der Wunsch geweckt, die Schlucht nochmal in Ruhe zu fahren. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit?

Videos der Fahrt gibt hier und hier.

Tag 9

Der hohe Wasserstand versprach eine problemlose Fahrt auf dem Chassezac. Normalerweise muss man darauf hoffen, dass am Kraftwerk Wasser abgelassen wird. Jetzt konnten wir einfach fahren. Der Start war am Kraftwerk, das Ziel war Casteljau, von km 49 bis 66. Unter dem Kraftwerk stand zunächst das Wasser, legte dann aber um einen Stein herum gut los. Aufgrund der großen Gruppe fuhren wir in 3 Teilgruppen. Unser Canadier übersah den Stein und legte einen super Stunt hin, driftete drüber und fing sich eine Menge Wasser ein. Dann kamen 3 Wehre bzw. Stufen. Über das erste fuhren wir in der Mitte, ein bisschen musste man um die Steine herum zirkeln, aber das klappte auch mit dem Raft überraschend gut. Das zweite war ein glattes Schrägwehr, das wir mit Schwung etwas rechts der Mitte nahmen. Der Rücklauf hielt das Raft kurz fest aber gab dann doch auf. Das dritte Wehr war ganz links gut fahrbar, rechts von der Rutsche ging es steil runter. Der Strom lief hier auf Gebüsch und Stein – also schnell ins Kehrwasser rauspaddeln. Danach kamen noch einige Schwallstrecken, auf denen ich mal wieder froh war, das Raft zu haben. Schräge Strömungen mag ich ja gar nicht. Ja, wer nicht paddeln kann muss Raft fahren 🙂 Durch die vielen fast stehenden Abschnitte zog sich die Strecke und ich hatte gut zu tun. Die Jungs und Mädels in den Spielbooten fanden’s auch nicht grad witzig, so viel paddeln zu müssen und waren ziemlich platt.

Zu sehen waren wieder hohe Felswände, Schwarze (oder Rote?) Milane, einladende Steinbänke, immer wieder Sonne und leider oft auch Dornenbüsche. Von denen hielt immer respektvoll Abstand.

Der Einstiegimage535

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Auspacken:image537

Die beiden spielen sich schonmal warmimage542

Das dritte Wehrimage551

Die Sonne gab sich alle Mühe und gewann auch ab und zu:image556

Die drei Steine, die ich bei der Mopedtour von oben gesehen hatte:image560

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Hilfe bei Kenterungen gab es immer: schnell und gutimage573

Der Abend klang aus wie die meisten Abende hier: mit einem Pastis und einer netten Zeit an der Restaurant-Bar.

Tag 10

Die Sonne schien, es war warm, es sollte der schönste Tag der zwei Wochen werden. 4 Paddler hatten sich zusammengefunden, um nochmal die große Schlucht zu fahren. Und wir hatten den perfekten Tag dafür gewählt. 3 Boote legten am Pont d‘ Arc ab: ein gelbes Kajak, ein roter Canadier und ein grünes Gummiboot. Alle Naturliebhaber in Genießerstimmung. Wir ließen uns viel treiben, lagen mittags in der Sonne auf einer Sandbank, betrachteten in Ruhe die Felsen, die Vögel und Wasserfälle.

Beim Start am Pont d‘ Arc stieg noch ein bisschen Feuchtigkeit auf:image576

Und dann schien nur noch die Sonne:image578

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Pause – und keiner wollte so gern da wieder weg:image620

Ach ja: ab dieser Tour hatte ich ’ne Isomatte unterm Hintern: macht deutlich wärmer und bequemer.image631

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Bloß kein Stress 🙂image633

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Schade, nun sind wir schon fast am Ende.image648

Nach der Paddelei fuhren wir die Panoramastraße zurück, verfolgten unsere Strecke und kehrten zum Schluss noch im Cafè ein.

Auf dem Heimweg hatten wir diese Begegnung:image662-1

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Am Nachmittag shuttlete ich nochmal eine Gruppe von La Beaume zurück. Durch die Zeitumstellung und die strahlende Sonne konnte man nun bis 19.00 Uhr am Zeltplatz starten und noch die 6 km nach La Beaume als Abendspaziergang paddeln.

Den Abschluss machte ein gemeinsamer ausgedehnter Grillabend unserer kleinen Gruppe und der lieben Babysitterin. So stellt man sich einen Frankreich-Urlaub vor. Endlich stimmten die Temperaturen.

Tag 11

Morgens wollte ich das anhaltende Wetter ausnutzen und paddelte mit 3 anderen gleich mal in den Morgen: unseren „Hausfluss“ bis La Beaume.Der Wasserstand war deutlich niedriger. Das Raft setzte einige Male auf, blieb auch mal hängen, Schaden gab es aber keinen. Das Limit war für mich erreicht – niedriger darf es nicht werden. Insgesamt hatte ich wohl viel Glück, dass dieses Jahr der Wasserstand so raft-tauglich war 🙂

Am Mittag traf sich dann die Gruppe, um einen weiteren Ardeche-Abschnitt zu besuchen: Von Balazuc bis Ruoms, km 54 – 66. Landschaftlich meine absolut schönste Strecke hier. Start und Ziel in romantischen Bergdörfern, dazwischen spektakuläre Blicke und interessanter Wasserverlauf. Und am Ende meine erste alleingegerutschte Bootsrutsche.

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Danke, Simone, für die Fotos aus ganz anderer Perspektive 🙂

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Die Canadierfahrer hatten gut zu tun, ihr Boote auf Kurs zu halten und schöpften ab und zu Wasser:image677

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Sie spielten derweil lustigen Paddeltausch:image691

An einer Stufe mussten wir in lustigen Wellen links um einen Stein vorbeikurven. Zuerst hielt ich die Luft an, dann zeigte das Raft mir, wie es geht. Problemlos. Eher lustig. Die geringe Geschwindigkeit des Gummibootes führt zu ausreichend Zeit zum Handeln. Zielgerichtet kräftig paddeln und fertig. Die Canadier nahmen die Stufe direkt. Hier wird ihnen der Weg angezeigt: image708

Und da kommt der erste Canadier mit Power:image711

Ach ja – das Wetter wurde gerade richtig nass:image713

Der andere traf dabei unglücklich einen Stein. Die Hilfe kommt sofort. Wieviel Wucht hinter dem Aufprall steckte sieht man im Video deutlich, auch hinterher an der Beule im Boot.

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Weiter geht es durch viele Schwälle.image720

Und durch wunderschöne Landschaften:image722

Eine Sandbankimage723

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Und dort geht es doch eindeutig steil bergab – oder?image727

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Im Starkregen sah das hier eher nach Weltuntergang aus:image731

Sorry, wenn das jetzt zu viele Bilder werden. Ich fand diese Stelle einfach irre. Die Perspektive vermittelt einen steilen Abfall. Dagegen konnte ich zwischen den Felsen noch gut steuern, die Strömung war gar nicht so stark. Allein die Felsschichten verwirren den Kopf. Zusammen mit dem heftigen Regen wurde dieser Moment zum stärksten Eindruck der ganzen Reise. Da man durch Verblockungen lenken, den richtigen Weg finden und die Prallwand vermeiden musste war das Ganze dann doch ein wenig anspruchsvoll.image736

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Und dann sind wir durch:

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Als Abschluss diese Bootsrutsche. Bei weniger Wasser muss man den Kopf einziehen.image747

Michael hat die Rutsche sehr schön geknipst:IMG_4665

Diesen Ardeche-Abschnitt hatte er bei tollem Wetter:IMG_4663

Und den Milan hat er super getroffen:
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Dieser -für mich letzte- Abend endete mit einem leckeren Abendessen im Restaurant. Allerdings hab ich’s nicht lange geschafft und bin bald ins Zelt geplumpst.

Tag 11

Nach gemütlichem Aufstehen und Packen des Hausstandes schwang ich mich zu einer Abschlussrunde auf die DRZ. Bilder gibt’s davon keine. Ich lies mich treiben und gondelte Schlucht rauf, Schlucht runter und über die Miniwege dazwischen. Am Nachmittag kam ich zurück, um die Gruppe abzuholen, die nochmal die Beaume gefahren war. Aber ich musste gar nicht mehr shuttlen, es gab genug Fahrer. So konnte ich alles einpacken und etwas früher abfahren als geplant. Schön. Die Strecke nach Hause ist lang genug. Freitag 16.00 Uhr startete ich also, stand später ein bisschen auf der Autobahn um Lyon herum, fand in letzter Minute kurz vor Besancon die benötigte Tankstelle, hatte viel Spaß mit ausschließlich französisch sprechenden McDo-Bedienungen (sie waren wirklich lustig drauf :-)), schlief ein Stündchen irgendwo bei Mulhouse, vermied ein Zusammentreffen mit freilaufenden Pferden auf der A5 bei Walldorf und fiel ziemlich fertig 3.00 in mein Bett. Wo bleibt eigentlich immer die Zeit bei solchen Fahrten? Gut, 49 PS mit Hänger sind jetzt auch kein Rennmobil…

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Fazit: Wunderbare Landschaft erfahren. Das Zentralmassiv als Mopedziel wiederentdeckt – nach 20 Jahren und auch damals war es Ostern. Eine interessante Woche mit einer Jugendgruppe verbracht. Nicht so viel gelernt wie erhofft. Dafür das Raft lieben gelernt. Ausreichend Kaffee, Ziegenkäse, Baguette und Rotwein konsumiert. Pastis – der Richard muss es sein!- lieben gelernt. Neue Bekanntschaften gemacht, die ich sicher hier und da zum Paddeln wiedertreffen werde. Fortsetzung erwünscht.

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Ein paar Videos sind hier und hier zu finden.

Und ein besonders schönes Video kann man sich hier bei Livlandfahrer anschauen. Leider haben wir uns nicht getroffen.

2 Kommentare »

  1. […] dem guten Start im Zentralmassiv wollte ich endlich mal wieder richtig Mopedfahren. TÜV ging problemlos über die […]

    Pingback von endlich wieder Speedy: schnelle Tour im Schwarzwald und den Vogesen | Biki-Blog — 27. April 2013 @ 22:18 | Antwort

  2. Hallo!
    Toller Bericht, ich fahr seit 2004 fast Jährlich zur Ardeche. Allerdings mit dem Moped und einer Übernachtung in Lons oder Bourg. Lons ist aber besser dann kann man die Parallelstrasse hinter den Bergen fahren. Die Ardeche bin ich nun zwei Mal mit den Plastikbooten vom Verleih gepaddelt. War super aber als Anfänger fühlte ich mich auch voll gestresst.

    Kommentar von waldmichel — 14. November 2014 @ 23:47 | Antwort


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