Biki-Blog

12/5 Ruppiner Seen

Aussetzen ließ ich mich am Südende des Vielitzsee, packte das ganze Zeltgepäck und den Bootswagen in die Luke, zog die Kappe gegen die Sonne ins Gesicht und musste mich wieder ein bisschen an das Geschaukel im Boot gewöhnen. Das Wetter zeigte sich von seiner sonnigsten Seite. Der Start am Nachmittag war gut, da war die Mittagshitze schon vorbei. Mein erstes Mal paddeln über einen See war unspektakulär. Wind gab es fast keinen.

Dann traf ich auch geich meinen Mitpaddler Stefan und wir bummelten erstmal nach Lindow, um etwas zu trinken und uns zu beschnuppern.

Rund um die Insel Werder -auf der unser geplanter Übernachtungsplatz schon besetzt war- fuhren wir bis zum Ausgang des Gudelacksee. Dort fanden wir ein nettes Plätzchen mit der Aussicht auf Morgensonne. Leider dröhnte die Musik vom Volksfest in Lindow über den See bis hierher, sodass die Vogelstimmen von den Bässen untermalt wurden. Ein kleines Lagerfeuer gegen die Mücken und für die Atmosphäre und schon war ich schlafbereit. Die 600 km – Fahrt nach Brandenburg und ein sehr sehr langer Abend davor machten sich bemerkbar.

Früh morgens waren wir beide wach, hatten schnell gepackt und paddelten durch den Verbindungsfließ zum Möllensee.

Vorbei an der Mündung des Rheinsberger Rhin waren wir überraschend schnell am Zermützelsee. In den Tornowsee schauten wir nur kurz herein, picknickten und genossen den Weg durch das Rottstielfließ. Hier war es schön schattig und kühl – die Sonne kam grad richtig raus und auf dem See wurde es heiß. Viele Buschwindröschen säumten das Ufer. Ein Biber querte unsere Bahn. Als von vorn noch ein kleines Boot kam fand er das gar nicht lustig und schlug laut platschend mit seiner Kelle.

Da vorne isser:

Unser nächster Stopp war am Wasserwanderrastplatz in Molchow. Hier konnten wir Hausbootfahrern zuschauen wie sie mit ihren Mietteilen langtuckerten und das Steuern übten. Eine Menge Paddler trafen wir auf den Seen, das Wetter war natürlich perfekt. Quasi windstill, sonnig und endlich wieder warm genug, um im Träger-Shirt zu paddeln. Hätt ich das mal lieber gelassen. Der Sonnenbrand auf der Schulter war deutlich.

An der Schleuse Alt Ruppin konnten wir das erfolglose Steuern einer Hausbootfahrerin beobachten. Die sehr nette Schleusenwärterin betrachtete sich das Ganze mit Geduld, die anderen Paddler kamen uns grinsend entgegen und wir wurden dann allein in die Kammer gelassen.

Rund um die Seen grüßten uns immer wieder freundliche Brandenburger die je nach Tageszeit mit Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Bier oder Wein am Ufer saßen und Aussicht und Wetter genossen. Sehr angenehm, hier lang zu paddeln. In Alt Ruppin ließen wir uns durch den Rhin treiben und erlebten Spreewaldfeeling. Auf den bin ich ja schon gespannt.

Nach etwa 25 km legten wir beim Ruderclub in Neuruppin zur Mittagspause an. Ein Stadtbummel mit sehr leckerem Eis, dann einen Kaffee und zum Schluss ein Kaltgetränk am See und schon waren wir wieder fit.

Unaufregend ging es weiter um einige Seewindungen bis Wustrau.

Hier besuchten wir Schwester und Schwager von Stefan, erholten uns gut und gingen hinter dem Wehr an der Wustrauer Mühle auf die nächste Etappe auf den Wustrauer Rhin.

Die auch sehr freundliche Schleusenwärterin in Hakenberg schleuste uns obwohl wir außerhalb der Zeiten kamen und wir konnten dem zukünftigen Schleusenwärter beim Training zuschauen. Noch brauchte er jemanden, der ihn an die Knöpfe hebt. Aber in 4-5 Jahren macht er das schon allein.

Zunächst sehr geradeaus ohne viel Aussicht auf die Landschaft bis Fehrbellin, dann begleitet von lauten Wasservögeln und Fröschen kamen wir nach Linum. Dort gab es lecker Essen und einen schönen Blick über die Wasserflächen. Natürlich habe wir auch Störche gehört und gesehen und sind durch’s Dorf spaziert.

Mühsam wurde der Weg zum Kremmener Rhin. Der Wind kam böig von vorn, der Alte Rhin schlängelte sich ohne viel Schutz hin und her, meine Kraft lies nach und ich fuhr in Stefans Windschatten.

Am Kremmener Rhin legten wir daher erstmal eine Schattenpause ein. Hier lagen in Häufchen Muschelschalen herum. Wem es da wohl geschmeckt hat?

Was ist an diesem Bild falsch?

Genussvoller war dann der restliche Weg bis zur Sealodge. Hier sind die Ufer wieder bestanden, viele Vögel sind zu beobachten und die kleineren Flächen werden bald voller Seerosen sein. Die Lage der Sealodge ist toll, den Sonnenuntergang zu beobachten macht Spaß.

Kraniche

Allerdings wurde die Nacht heftig kalt und ich war früh wieder wach und ging zum Aufwärmen ein Stück spazieren.

Schlafplatz:

Kaffee gab’s noch lange nicht also packen, auf dem Steg frühstücken und los Richtung Sonne.

Auf dem langen Ruppiner Kanal vertrieben wir uns die Zeit mit Quatschen und Gucken. Biber, Vögel und Eichhörnchen, auch mal eine schwimmende Schlange konnten wir sehen.

Gegenverkehr:

Schleuse Hohenbruch und Tiergartenschleuse hatten bereits die Tore für uns geöffnet. So ging es sehr zügig nach Oranienburg. Beim Umsetzen in die Havel hatten wir nur einen kurzen Weg, mein Bootswagen mochte allerdings sehr ungern auf dem holprigen Weg bleiben. Wie gut, dass ich eine Tupperschüssel fahre, die so einfach zu handeln ist. Einsetzen in die Havel:

Am WSC Möve in Oranienburg legten wir zur Mittagspause an. Pro Boot kostet das nach der seit heute! gültigen Satzung € 2,-. Der Platz ist sehr schön, sicher und liegt perfekt. Nach einem Getränk bummelten wir in die Stadt, schlugen uns den Bauch voll und freuten uns an der entspannten Stimmung. Ich probierte das erste Mal Berliner Weiße und stelle fest, dass es ok ist aber ich Zitronenradler mehr mag. Aber das Kinderschnitzel im Schlossrestaurant war super!

Einaufswagen genießt den Havelblick:

Bei der Möwe legten wir uns noch in den Schatten und warteten die Mittagshitze ab. Dann ging es zügig und nett die Havel runter bis zum Nieder-Neuendorfer See.

Wir schauten beim Wasserpolospiel zu. Verrückt, was die mit den Booten anstellen können!

Dann paddelten wir zügig zum KC Heiligensee, hinter uns drohten schon dicke schwarze Wolken. Weiter wären wir nicht gekommen. Sobald das Zelt stand begann das Gewitter. Wir wurden nett aufgenommen, die Dusche war nach der Hitze sehr erholsam, Bier und Grillfleisch schmeckten gut. Dankeschön! Wir waren sehr froh drum und konnten den Sonnenuntergang von der überdachten Terrasse aus beobachten. Außerdem konnte ich Kontakte knüpfen für eine Mopedtour Richtung Türkei.

Das Frühstück auf dem Steg war erfrischend, schnell waren wir wieder auf dem Wasser Richtung Süden. Auf einer Insel im Heiligensee konnten wir eine Menge brütender Vögel beobachten:  Reiher, Kormorane, ?

Zum Glück ist alles gut ausgeschildert:

An der Schleuse Spandau konnten wir dank Stefans Kontakte die Boote liegen lassen, einen Blick aus dem Turm werfen und genossen den Frühstückskaffee im Brauhaus. Fürs Steak waren wir zu früh. Leider. Daher gab es nur Kaffee und Kuchen und einen neugierigen Spatz.

Die nächste Sehenswürdigkeit kam schnell. Am Pichelssee bogen wir ab nach Klein-Venedig in Kleinwerder. Schmal, romantisch, kühl, gemütlich.

Als wir nach einigen Runden -in denen mir die Orientierung verloren ging aber Stefan sich zum Glück auskannte- wieder auf eine offene Wasserfläche trafen war das schon das nördliche Ende des Wannsee.

Bei einer Pause im Schatten probierte ich ein paar Unterwasserfotos. Meine Kamera kann das nicht gut. Aber sie ist tatsächlich wasserdicht.

Was ich 3 Minuten später „in echt“ testen konnte. Ein Dickschiff fuhr auf dem See an uns vorbei. Die Wellen waren schneller da als gedacht – das Wasser zog sich schnell zurück – ich lag auf dem Trocknen und konnte nicht drehen – das Wasser kam in Form ziemlicher Wellen zurück und platschte hoch bis zu meiner Schulter ins Boot. 4 mal. Ich hatte ca. 15 cm Wasser im Boot, hatte meine verdiente Abkühlung und begann erstmal zu schöpfen …

Mit Rückenwind ging es weiter nach Süden. An einem schönen kleinen Sandstrand legte ich dann mein Boot und mich trocken. Bei dem Wetter ging das schnell.

Es war uns immer noch zu heiß zum Weiterpaddeln. So landeten wir an, stiegen hoch zur Kirche Nikolskoe und genossen nebenan im Biergarten ein kaltes Getränk.

Die Wellen waren immer noch sehr nett zu mir. Gut, dass der Wind heute aus der richtigen Richtung kam. Nur selten hatte ich mit einem drehenden Boot zu kämpfen. Wobei auf diesen Seen ein Steuer schon schön wäre. Jedesmal wenn ich aufhörte zu paddeln drehte sich mein Boot sofort quer zu den Wellen. Waren die Wellen höher begann die Schaukelei. Ich überlegte mir genau, ob ich etwas trinken oder ein Foto machen wollte. Danach war immer Kraft zum Drehen und Starten notwendig. Besonders schade ist das in schmalen Fließen wenn ich Tiere beobachten wollte. Ich musste immer mit leichten Schlägen korrigieren und verscheuchte sie dabei.

Das Schloss auf der Pfaueninsel:

Die Heilandskirche bei Sacrow:

Trabi unterwegs:

Auf dem Weg nach Potsdam

ich finde diese Mandarinenenten sooo hübsch!

die beiden haben es gemütlich:

In der Potsdamer Innenstadt faulenzten wir noch eine Weile, tranken in einer Strandbar einen Kaffee/Bier und entspannten schon mal. Gegen Abend paddelten wir die letzten 3 km zum Potsdamer KC. Auf dessen Gelände durften wir unser Zelt aufbauen und die Boote liegenlassen, hüpften unter die Dusche und fuhren dann zügig Richtung Stadt. 3 Pizzen und 2 Bier später waren wir satt und zufrieden und fielen auf die Isomatten.

In der Nacht gewitterte es wieder, aber der Regen hielt sich in Grenzen.

Wir starteten ein paar Tage später zu unserer Bonusrunde. Vorbei am Olympiastützpunkt paddelten wir durch den Wentowgraben. Hier kamen uns pfeilschnelle Kajakerinnen entgegen. Bloß schnell an die Seite! Und wieder sahen wir die hübschen Enten. Schön ruhig war es hier. Keine Wellen, kein Wind – das gefällt mir.

Dann bogen wir ab nach Nordwesten in den Zernsee und sofort blies uns der Wind entgegen. Ging aber noch. Wir peilten die Insel Werder an. Gut, dass wir so früh unterwegs waren. Gerade war Baumblütenfest und abends bestimmt sehr ungemütlich.

Wir legten am Sandstrand mit Café an und wärmten uns erstmal mit einem Kaffee auf. Der Tag war kalt und ab uns zu trafen uns Regentropfen. Solange das Wetter so ruhig blieb war das aber sehr angenehm nach den letzten 6 Tagen Hitze. Dann spazierten wir durch den Ort, schauten uns die Kirche an, versorgten uns mit Postkarten. Das Café am Strand war gut – also nochmal aufwärmen und ausruhen, Karten schreiben, Zeitung lesen. Dann weiter auf dem Zernsee.

Ab dem Zernsee hatte wir mit schrägem Gegenwind zu tun, der mich schon ziemlich genervt hat. Mein rechter Arm wurde immer dicker vom einseitigen Gegenpaddeln. Schön war es wieder um Grube herum. Hier war es schmaler und sooo viele Reiher standen an den Ufern. Brütende Schwäne sahen wir auch immer wieder. Am Schlänitzsee blitzte die Wasserschutzpolizei den Verkehr. Na, wir waren bestimmt nicht zu schnell 🙂

Im Sacrow-Paretz-Kanal mochte uns der Wind dann wieder. Der Kanal zieht sich und Gegenwind wär hier echt nervig gewesen. So konnten wir in Ruhe Entenfamilien anschauen, über die sanften Wellen diverser Frachter schaukeln und kamen in den Jungfernsee.

In Biergarten der Meierei bei Potsdam machten wir unseren nächsten Stopp, tranken noch was und schauten den dunklen Wolken zu. Hier hält auch ein Linienbusschiff.

Aber schöner ist es ohne:

Wir paddelten noch bis zur Glienicker Brücke und trennten uns dort. Ich wollte weiter nach Nicolassee, Stefan nach Potsdam. Schön waren die Tage zusammen. Obwohl wir uns nur von 2 Sätzen im Netz und am Telefon kannten hatten wir keinen Stress, Reiseart und -tempo passten gut zusammen.

Vielen Dank, Stefan, für die Reiseleitung und die vielen Infos zu den schwimmenden Eisenhaufen 😉

Bis hierher sind wir in gut 5 Tagen etwa 180 km gepaddelt. Ganz schön viel für mich Anfängerin 🙂

Mein Weg zurück zum Wannsee verlief durch den Griebnitzkanal. Es war nichts los, es begann aber doch noch zu regnen. Also Regenjacke zu und Kappe auf. Weit war es ja nicht mehr. Und zum Glück war’s auch kein Gewitter.

Ab dem kleinen Wannsee versuchte ich, eine Ausstiegsstelle zu finden, um mich abholen zu lassen. Leider durfte ich weder an den Ruderclubs noch an den Marinas den Steg benutzen und aussteigen. Ganz schön unfreundlich sind die Leute hier. Einen Kanuclub gibt es nicht, also versuchte ich es weiter. Nach weiteren 8 km, am letzten Steg, dem des Wannsee-Ruderclubs, ließ ich dann nicht locker und durfte raus. Zuerst zog ich mich trocken an und bestellte ein Radler. Mit Blick auf den verregneten See wartete ich im Clubhaus gar nicht lange auf einen warmen Imbiss und freute mich sehr auf die Dusche bei Freunden in Berlin.

Der nächste Tag gehört irgendwie auch noch dazu. Er sollte mein Erholungstag werden also schonte ich die Arme und fuhr mit dem Fahrrad um die Seen zwischen Charlottenburg und Wannsee. Beim Thema Wasser wollte ich schon bleiben. Es wurde ein schöner langer Fahrradtag mit ausgedehnten Sonnen-Pausen zum Trinken und Fotografieren.

 

Bikiboat

5 Kommentare »

  1. Vielen Dank für den schönen und ausführlichen Bildbericht. Von so einer Tour träume ich schon seit Jahren obwohl mir Strömung und Wellen inzwischen lieber sind. Ihr habt ja enormes Glück mit dem Wetter gehabt.
    Axel

    Kommentar von Axel — 14. Mai 2012 @ 15:55 | Antwort

    • Das mit dem Wetter stimmt. War eher schon zu heiß. Lange Mittagspause war Pflicht.

      Strömung ist aber auch schön. Bin schon gespannt, wenn ich die Elbe paddel. So richtig Strömung hab ich noch nicht gehabt.

      Kommentar von bikibike — 17. Mai 2012 @ 19:40 | Antwort

  2. …ein sehr schöner Bericht, und es ist nichts übertrieben. Danke dafür.

    Bis zur nächsten Tour grüßt Stefan.

    Kommentar von Stefan — 17. Mai 2012 @ 11:51 | Antwort

  3. Schöner Bericht, schöne Bilder, gefällt wie immer.

    Bye Gunter

    Kommentar von Gunter — 5. Februar 2013 @ 22:10 | Antwort


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