Biki-Blog

14/8 Verdon Rad/Kajak

Das ist nun die Fortsetzung des Urlaubs nach der Paddelwoche an der Durance. Ich packte Boot und Rad, Zelt und Bierbänke in den NV Evalia und zog weiter Richtung Süden. Mein Ziel war der Lac de Sainte-croix. Schon ein paar Mal bin ich in Mopedurlauben an diesem Stausee des Verdon vorbei gefahren. Viel zu viele Urlauber, Party und Badegäste knubbelten sich am Ufer des schönen Stausees. Nie bin ich geblieben.  Als ich nun Anfang August auf dem Weg nach Süden vorbei kam war kaum etwas los. Es war kühl, nachts richtig kalt. Also blieb ich diesmal.

Auf dem Weg dorthin fuhr ich zunächst hoch oberhalb der Durance, entlang des Lac de Serre-Ponçon und der Ubaye. Wunderschöne Schluchten, einsame Rastplätze und beeindruckende Felsen kann man hier betrachten. Unterwegs fuhr ich auch durch das Bes-Tal und ließ mir hier den ganzen Tag Zeit. Es liegt im geologischen Reservat der Haute-Provence, dem größten Schutzgebiet Europas. Beeindruckende Fossilien, Ammoniten, geologische Formationen und eine sehr empfehlenswerte Quelle (44.225544, 6.268565) liegen entlang der D 900 Le Bès. Ich trinke seit Langem -wenn  möglich- nur noch Quellwasser. Hier fand ich das Wasser wirklich super lecker und füllte ich alle Kanister nach. Schön sind z.B. die Schneckenabdrücke bei 44.119533, 6.234091.

Für die Nacht fand ich einen ruhigen und romantischen Platz im Tal hinter La Condamine.

Um den Regentag zu überbrücken fuhr ich zunächst nochmal weiter nach Süden. In Aups war Markt, die Regenfront war gerade durch. Ich schlenderte lange durch das historische Städtchen und über den Markt, trank den einen und anderen Café-au-lait, unterhielt mich lange mit deutschen und englischen Zuwanderern und versorgte mich mit leckerem Essen für den Abend.

Wieder zurück am Sainte-Croix fand ich ein schönes Plätzchen auf einem Parkplatz am See, nicht weit von der Verdonmündung. Hier standen nun am Sonntagabend nur wenige Womos und ich konnte für die nächsten Tage im Schatten mit eigenem kleinen Wald stehen. Mit dem Bus sah ich nicht so arg nach Womo aus. Keinen hat’s gestört. Auf dem Campingplatz Las Galetas gegenüber behauptete man an 3 Tagen, ausgebucht zu sein. Na dann.

Von hier aus paddelte ich an 2 Tagen unter der Pont du Galetas hindurch in den Verdon hinein. Die Wände aus hellem Kalkstein erstrahlten sobald die Sonne es bis hinein schafft. 4-5 km kann man wohl fahren, dann kommt die Strömung aus der Schlucht entgegen. Gemütliche Tage verbrachte ich hier. Die Leihbootfahrer kamen nicht so weit, nur ein paar Wanderer traf ich. In der Sonne liegen, picknicken, Geier und Steinadler beobachten, Fossilien suchen – die Tage kann man füllen. Mittendrin gab es eine wunderbare Dusche unterm Wasserfall: sehr erfrischend. Am Nachmittag sollte man nicht zu spät zurück fahren: der Wind bläst heftig die Schlucht hinauf – sehr lustig, mancher Leihbootbesatzung jetzt zuzuschauen. Zurück auf dem Stausee hat man auch die Sonne wieder und kann sich noch lange gemütlich treiben lassen. Abends saß ich am See, kochte mir was Leckeres, genoss rote Sonnenuntergänge beim roten Wein und fror. Bald also ins Bussi und bei spannender Lektüre einschlafen. Die Nachbarn in weißen Womos waren ausschließlich ältere Franzosen, die ebenfalls sehr entspannt ihr Tage verbrachten.

Nach 2 faulen Tagen packte mich dann aber wieder die Unternehmungslust. Ich radelte um den Lac de Saint-Croix. Leider gab es keinen speziellen Radweg, und auch das Höhenprofil erinnerte eher an eine Bergstrecke als an eine Seeumrundung. Nach 50 km mit einer Menge an Höhenmetern, langen windigen Geraden durch verblühte Lavendel- und Sonnenblumenfelder, wunderschönen Blicken über den See und Einblicken in die typischen französischen Höfe war ich doch froh, am Ende eine 16%ige Serpentinenstrecke hinunter rollen zu können. Heiß war es zwar an diesem Tag, auf den Straßen kaum etwas los, das Radeln machte Spaß. Zur Erholung machte ich einen Abstecher nach Moustiers Sainte Marie auf das ich zuvor schon von oben hinunter schauen konnte. Hier stieg ich im Dorf hinauf bis zur kleinen Kathedrale und dem goldenen Stern, genoss den Blick zurück und gönnte mir später einen super leckeren Crepe beim besten Crepemacher Frankreichs. Lange saß ich am Flüsschen Ravin direkt unterhalb des Wasserfalls, um mich zu regenerieren. Währenddessen lud mein Akku in der Touri-Info. Übrigens in Frankreich völlig unkompliziert: mein e-bike durfte jederzeit irgendwo an die Steckdose. In Cafés, Infos und Geschäften gab es nie eine Ablehnung. Ein riesiger Unterschied zu den Vorbehalten hier in D.

Zurück am See sprang ich erstmal ins erfrischende Wasser und füllte die Speicher mit Energie auf: eine Pfanne Shrimps, dazu Salat und Baguette. Lecker!

Nun war also wieder ein Entspannungstag im und am Wasser angesagt. Das Wetter passte und ich paddelte und schwamm ein bisschen herum, lag faul und lesend in der Sonne. Einen kleinen Ausflug machte ich mit dem Rad nach Les Salles, versorgte mich im Mini-Supermarkt mit dem Nötigsten und fand einen schönen ruhigen Campplatz für’s nächste Mal. Nebenbei plante ich die kommenden Tage.

Nach diesem Testlauf ging es  nun richtig los. 2 wundervolle Tage lagen vor mir: ich wollte die Schlucht des Verdon mit dem Rad umrunden. Gut 100 km mit Abstechern und knapp 3000 Höhenmeter bergauf würden es werden. Für diese Strecke würde ich mehr als 2 Akkuladungen brauchen und ich wollte dieses Erlebnis genießen. Ich plante also 2 Tage ein, mit Übernachtung im Zelt irgendwo an der Route de Cretes – daher auch die Wahl der Fahrtrichtung. Das Wetter blieb sehr sonnig aber auch sehr frisch.

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Die erste Herausforderung war der Aufstieg über Aiguines. Ich fuhr sehr früh morgens los und war allein auf der Straße. Dadurch konnte ich immer auf der linken Seite fahren und die Blicke in die Schlucht genießen. Unterwegs kannte ich eine Quelle, um die Flaschen mit frischem Wasser zu füllen, das ich sicherlich reichlich brauchen würde. Heftig bergauf ging es, 600 Höhenmeter wollten bewältigt werden. Bloß gut, dass das Motörchen hilft. Oben angekommen genoss ich den atemberaubenden Blick über das Schluchtende, den See und die kommenden Kilometer. Die morgendliche Sonne brannte schon, die Bilder wurden viel zu hell. Erstmal ging es bergab weiter auf der D 71. Ein Traum! Ich bummelte die Straße entlang, hielt an jedem schönen Ausblick und ließ mir viel Zeit. Eine riesige gelbe Raupe überquerte gerade die Straße. Ich half ihr ein bisschen. Es ist ein zukünftiges Wiener Nachtpfauenauge. Sehr beeindruckend! Mehr Bilder sieht man hier und hier. Eine lange Pause machte ich am Relais de la Mescla. Hier lud ich meine Batterien und die meines Haibike, spazierte an der Schlucht entlang, schaute den Bungeespringern zu und genoss die Ruhe. In der Schlucht waren Kletterer und Wanderer unterwegs, da an diesem Tag kein Wasser abgelassen wurde gab es keine Kajaker zu sehen. Deutsche Motorradfahrer schafften es bis auf die Stühle des Imbiss und fuhren dann weiter ohne in die Schlucht geschaut zu haben.

Weiter ging es im lustigen Auf und Ab. Trigance als nächste Station lud zu einem Spaziergang ein, ins Chateau hab ich nur einen Blick werfen können. Ich fuhr auch bis zum Chateau hinauf, um runter zu schauen. Dann ging es bergab. Bis zum tiefsten Punkt der Tour, der Pont de Soleil, auf der ich den Verdon überquerte. Ab hier musste ich immer wieder halten, um die Aussicht zu genießen. Die nächste Pause gab es nach dem Anstieg zum Point de sublime. Natürlich lief ich zum Aussichtspunkt, genoss die Sonne und schaute den Touristen zu. Währenddessen lud wieder der Akku im Kneipchen an der Straße ein wenig nach.

Es wurde Zeit für mich, von der Straße zu kommen. Es war Nachmittag und meine Energie ließ nach. Immer noch war es kalt, vielleicht gab es deshalb relativ wenig Verkehr. Vor La Palud bog ich links in die Route de Cretes ab. Ein kräftiger Anstieg wartete auf mich. Ich fuhr langsam, war allein auf der Straße und hielt an jedem Ausguck. Der vorletzte vor dem Hochpunkt wurde zu meinem Endpunkt für diesen Tag: Belvédère de la Dent d’Aire. Hier traf ich Kletterer an, denen ich den Nachmittag über zuschaute. Die Geier und Adler flogen unter uns durch die Schlucht, wir picknickten oben gemeinsam.

Das Zelt baute ich auf dem 2×1 m großen Plateau auf, wo es gerade so hin passte. Zum Glück hat es ein Geländer. Es wurde ein grandioser Abend in knapp 900 m Höhe. Die spürte ich dann auch als die Sonne unterging. Es wurde saukalt. Alles was ich dabei hatte zog ich an, die Jackenkapuze über den Kopf. Noch die letzten Kekse in den Mund schieben und auf Schlaf im leichten Sommerschlafsack hoffen.

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Morgens weckte mich die Sonne als sie über die Berge lugte. Wow! Die ersten Kletterer waren auch schon da und hatten einen heißen Tee für mich. Bald baute ich ab und kurbelte mich warm auf den letzten Metern bis zum Pass. Drüben rollte ich bibbernd im Schatten hinunter, genoss aber trotzdem die Ausblicke hinüber zur Mescla, in die schmale Schlucht Styx und zum Tunnel de Fayet. An jedem Haltepunkt stoppte ich, schwätzte lange mit einer Schweizer Frühaufsteherfamilie, die ebenfalls die autofreie Straße genoss. Am Chalet de la Maline vorbei ging es durch kleine Tunnel und dann endlich wieder bergauf. Bis La Palud blieb es kalt.

Dort gab es dann eine lange Frühstückspause in der Sonne im Gartencafé, der Akku wurde geladen und spazierte durch den Ort. Im kleinen Supermarkt bunkerte ich Baguette, Käse, Salami für den Tag und ein gutes Fast-Fertiggericht für das Abendessen. Hier in Frankreich gibt es leckere Päckchen mit Couscous und Gemüse, auch mit Fleisch. Schnell gemacht und schmeckt gut.

Bisher war ich sehr zufrieden mit der Tour. Nun kam ein Abschnitt mit mehr Verkehr, nochmal eine deutliche Steigung zum Col d’Ayen und dann die Abfahrt zum See. Wieder blieb ich eher auf der linken Seite, um auf die Ardeche und die lustigen Leihbootfahrer zu schauen. Dabei hielt ich an jedem Ausblick. Gestört hat das keinen. Am frühen Nachmittag kam ich an der Pont du Galetas an und stand dort noch lange, um den Leihbootfahrern zuzuschauen. Noch wollte ich das Ende der Tour herauszögern. Zurück am Auto kochte ich Kaffee, hüpfte in den See und saß in der Sonne. Das Abendessen fiel reichlich aus, eine große Pfanne Couscous, Gemüse und Fisch wurde vernichtet. Nie hätte ich gedacht, dass ich diese Runde mal mit einem Fahrrad fahre. Mit dem Moped war ich so oft schon da. Es ist ganz anders. Langsamer, windiger, intensiver.

 

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