Biki-Blog

09/6 Pyrenäen

Zunächst geht es mit dem Reisezug von Neu-Isenburg nach Narbonne.

Mit der kleinen DRZ will ich mir die Strecke nur einmal antun.

Verladen und Packen sind unkompliziert, der Abend wurde bei internationaler Kommunikation im Abteil verbracht.

Am nächsten Morgen begrüßen mich Wärme, Sonne und französische Gerüche.

Über Ministraßen geht es nach Peyrepertuse. Am Straßenrand steht duftender Ginster, der Blick über die blühenden Mohnfelder ist genial. Zur Burg kann man hoch fahren. Der Blick zurück beeindruckt sehr.

Die nächsten Kilometer fahre ich offroad durch die Pampa. Erster Test: gelungen. Weiter zur Schlucht Galamus. Tief, blau und schmal schlängelt sie sich durch die Felsen. Bis kurz vor Prades finden sich wieder längere asphaltfreie Abschnitte, die auch an der Hütte und der Herde eines einsamen Ziegenhirten vorbei führen. Die Hütehunde finden es nicht ganz so witzig, lassen mich dann aber ungeschoren vorbei. Das Schönste an dieser Etappe sind die Blicke auf den verschneiten Canigou – meinen absoluten Lieblingsberg.

In Prades frage ich am Bikes Paradise nach einem Zimmer. Leider ist alles belegt, so bleibt nur ein Notcamp im Garten. Sehr nette Herberge mit Outdoor-Whirlpool und wunderbarem Garten. Nach einem ausgiebigen Bad im Pool fühle ich mich sauber und fit für die Pizza 🙂

Am nächsten Tag will ich auf den Canigou – zumindest so weit wie möglich. Die Sträßchen sind genial: schmal, guter Asphalt, dann Schotter, weite Ausblicke bis zur Küste. Leider ist die Piste auf den Berg wegen eines größeren Bergrutsches schon früh gesperrt. Ich muss also irgendwann nochmal hin. Durch 1000 Kurven und 100 Bergdörfer fahre ich um den majestätischen Berg herum. Ein Stausee, Felsformationen, Weinberge, ein kleines Gewitter, Blicke bis zum Meer begleiten mich. Ich nehme gedanklich eine große Portion Wärme und Sonnenschein mit – über dem Col de Jau hängen dicke Wolken.

Der Pradel-Pass ist noch wintergesperrt. Verführerisch liegt die dreckige einsame Piste durch die Berge. Nur oben auf dem Pass muss ein Schneefeld umfahren werden, dann geht es auf der anderen Seitee runter nach Ax-le-Thermes. Nass und kalt krabbel ich spät abends ins Zelt.

Der Morgen ist eiskalt, aber oben scheint die Sonne. Also los nach Andorra. Über die fürchterlich ausgebaute Straße geht es bei 6°C auf 2650 m. Es liegt Schnee, Andorra begrüßt mich mit modernen bunten Skiorten. Im ersten kleineren, noch ursprünglichen Dorf mache ich Picknick auf dem Markt. Hier ist es wieder warm, der Kaffee gut und beim Bäcker gibt es Leckerli.

In Canillo biege ich ab in die Pampa, asphaltiert mit wunderschöner Streckenführung. Über Pal finde ich den Abzweig zu einer einfachen Schotterpiste, die mich nach Spanien bringt. Sogar eine Furt ist zu überwinden 🙂 Geräumt und freigegeben ist er nach dem Winter  zwar noch nicht, aber der Schnee lässt eine Mopedspur frei. Oben ist es sehr eisig und kalt. Aber dann geht es lange durch Pinienwälder und entlang eines plätschernden Bergbaches. Hier könnte ich länger bleiben. Unten brauche ich einen Kaffee und einen Imbiss, über Tirvia schlängeln sich die Schotterwege weiter. Entspannen bis Rialp und wieder ab in die Berge. Der Bauer sagt zwar, dass noch zu viel Schnee  liegt, aber bis auf ein Schneefeld ist genug frei. Überwältigende Ausblicke über die weichen Bergkuppen, unter mir ein Skigebiet – dann geht es auf einfacher Piste wieder ins Tal nach Boi.

Eine Alm auf 2500 m bietet einen traumhaften Platz für’s Zelt. Mit Blick über die Berge schläft es sich richtig gut. Am Morgen ruft ein Kuckuck, Kühe stehen vor’m Zelt, Greifvögel kreisen und die Grillen wachen auf. Es ist wieder eiskalt – aber die Sonne strahlt: es ist sooo schön!

Der nächste Versuch über die Skipiste weiter zu fahren scheitert an einem riesigen Schneefeld: mit Gepäck und meinen Enduroerfahrungen keine Chance.  Also weiter über die Straße. In der „Bar la Navarra“ bei Pont de Suert falle ich über einen gemischten Fischteller her. Genial!

Über den Col de Espina nach Castejon de sos, in die Schlucht Congosto de ventamillo. Senz, Viu, Laspuna. Nicht ganz einfach, aber machbar. Unterwegs begegne ich wilden Pferden, es geht weit durch warme Pinienwälder und hoch über tolle Pisten. Ein kurzer  Blick in die Anisclo-Schlucht, dann schlängelt sich die schmale Straße entlang des Ordesa-Nationalparks. Beim Fahren drehe  ich einen langen Film, die Blicke in’s Bachbett, große Überhänge und hohe Felswände ziehen sich kilomterlang.

Ein Ranger empfiehlt den Zeltplatz in Oto – den brauche ich, heute ist duschen dringend nötig!

Am nächsten Tag versuche ich, einen Übergang nach Gavarnie in Frankreich zu finden. Aber alle Pisten enden an Bergmassiven, in Geröllfeldern oder in Wanderwegen. Schade. Trotzdem ist das Fahren in diesem Bergmassiv schön, Adler schweben hoch über mir und das Erforschen der Schluchten macht Spaß. Auf allen Wegen, v.a. an Pfützen sitzen tausende Schmetterlinge: kleine helle, große bunte. Das sieht völlig verrückt aus wenn man da ran fährt und alle hochflattern.

Über Biesca – Jaca – Aisa – Hecho – Tardets Sorholus bleibe ich heute auf Asphalt. Die Straßenarbeiter muss ich mit vielen Gesten und noch mehr Augengeklimper davon überzeugen, dass ich JETZT durch die Baustelle im Tunnel muss.  Die Spiegel der DRZ müssen runtergedreht werden und schon passt sie durch’s Gerüst. Mit einem Kopfschütteln winkt er mich durch 😉

Der Zeltplatz in Tardet ist wunderlich aber sehr sympathisch. Die Hausherrin auch. Überall stehen Stühlchen und Tischchen mit bunten Decken und Blumen drauf. Sieht aus wie in einer Puppenstube.

Den Abend verbringe ich mit einer Gruppe Basken, die ich in der Kneipe kennen lerne. Die Tour durch die Bars der Umgebung ist abenteuerlich – die Getränke auch. Die Stimmung wird immer besser, irgendwann ziehe ich die Notbremse. Schließlich will ich am nächsten Tag ans Meer!

Verkatert gurke ich durch’s Baskenland: single tracks, weiche grüne Hügel, 100e kreisende Geier, viele Kurven führen mich nach Biarritz. Zeltplatz am Meer, 16°C, aber Baden MUSS sein! Irgendwann tut’s auch nicht mehr weh und macht richtig Spaß. Wellenhüpfen, sonnen, wärmen und dann in die Stadt. Teure Geschäfte, leckeres Eis, Essen am Meer, Party auf dem Marktplatz. Dort treffe ich ein paar Amis. Sehr interessante Typen, sie sind beruflich hier.

Den Sonnenuntergang genieße ich am Zeltplatz mit Rotwein und netter Unterhaltung mit Surfern. Ist wohl ein guter Platz hier für die, bloß grad zu viel Wind.

Über Schluchten und Pässe, vorbei an Wasserfällen komme ich in die Nähe von Lourdes. Keine gute Idee zu Pfingsten. Also Abstand halten. Für die Nacht finde ich einen schönen Platz direkt an einer Kapelle bei Argeles mit Blick über’s Tal und Quelle. Den roten Sonnenuntergang nutze ich, um stimmungsvolle Fotos zu shcießen. Dann kommt eine französische Familie. Sie kommen jeden Tag zum Sonnenuntergang hierher. Wir unterhalten uns gut.

Ich möchte gerne über den Tourmalet fahren. Aber auch der ist noch nicht freigegeben. Gebrochener Asphalt und aufgeschüttete Hügel sind kein Hindernis. Nachdem ich im Dorf noch eingekauft hatte genieße ich in der Sonne auf dem Col das luxuriöse Frühstück: verschiedene Bergkäse, Baguette, Tomaten, Obst, Milch. Hinter mir pfeifen die Murmeltiere und auf dem Hügel vor mir weidet eine Herde Lamas. Irre!

Über Schotter- und Waldwege komme ich nach Saint-Lary, über Ministraßen nach Castillon, einen Abstecher zum Tanken nach Spanien. Der Versuch, den Col de Pause zu schaffen misslingt – es liegt zu viel Schnee. Es wäre riskant, das zu erzwingen. Weiter geht es  Richtung Osten. Fahrerisch entspannend bleiben die Ausblicke und Kurven unterhaltsam.

Pflicht ist für mich der Besuch der Höhle Nieux. Die Führung ist leider nur auf französisch, aber ein Teil wird übersetzt. Höhlenzeichnungen der Magdalenen, es gibt viele und große Stalagniten und -titen, wir laufen weit durch den Berg. So etwas liebe ich.

In Tarascon biege ich wieder ab nach Ax-le-therme und fahre noch weiter in den Süden. Über abenteuerliche Wege arbeite ich mich am Pic Carlit vorbei zum Lac de Bouillouses.  Zum Glück ist dort ein Platz in der Hütte frei. Es ist eisig kalt hier oben. Das Holzfeuer bollert schon und ich  genieße mal wieder die idyllische Landschaft. Den Abend verbringe ich mit 4 französischen Wanderern bei großer gemeinsamer Tafel und irgendwas Selbstgebranntem.

In Ripoll  lasse ich Mensch und Moped beim Kaffee und Croissant von der Sonne auftauen. Die Abfahrt aus den Bergen war sehr kalt.

In Spanien warnt mich ein Schild vor 70 km Kurven 🙂 Na, die sollen mal kommen. Auf der gesamten ausgebauten Strecke begegnen mir 3 Autos. Leider hat die DRZ für solche Straßen zu wenig PS. Hier kommt sie an ihre Grenzen.

Ich schleiche mich nochmal an den Canigou an, diesmal von Süden. Das hier ist ein Enduroparadies! Nur auf die Grenzen des Naturparks muss man achten, sonst wird’s teuer. Ein Schwätzchen mit 2 Holsteiner Mopedfahrern sorgt für unterhaltsame Abwechslung.

Ich erkunde noch 2 kleinere Schluchten zu Fuß, kühle mich im Wasser ab und schaue mir Menhire an. Hier in der Serra de l‘ Alberra ist es schon ganz schön heiß. In Llancà komme ich auf die extrem kurvige Küstenstraße. Natürlich ist hier zu viel Verkehr, trotzdem ist so eine Küste schön anzuschauen. Kaffee und Pizza bekomme ich in der Altstadt von Collioure. Hafen, Burg, Palmen und Strand – was will man mehr?

Schwierig ist es, einen vernünftigen Zeltplatz zu finden. Klar wäre es am Meer schön. Aber dort findet man nur Party-/ Kinderplätze. Riesig und teuer. Nix für mich nach diesem Natur-Urlaub. Bei Leucatel finde ich einen Womo-Platz am See. Nett und unkompliziert.

Nachdem ich so viele Kilometer auf Asphalt verbracht habe und die Sitzbank der DRZ nicht unbedingt die bequemste ist hatte ich unterwegs schon den Reisezug zurück gebucht. Dafür konnte ich noch 3 Tage im Süden bleiben und ersparte mir die Hockerei.  Noch ein Vorteil: ich konnte mir in Narbonne die Packtaschen voll packen mit Rotwein, Käse und Oliven 🙂 Besonders lecker: Fitou grand reservè! Am nächsten Morgen kam ich wieder in Neu-Isenburg an und hüpfte 2 Stunden später zu Hause unter die Dusche.

Viele Straßen sind noch unentdeckt, viele Schotterwege wollen noch probiert werden.  Sicher war ich nicht das letzte Mal da.

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