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13/8 Liguria/Piemonte

Der Sommerurlaub 2013 bestand aus vielen Motorradkilometern, zunächst über Pässe dann auf Schotter und einigen Paddel- und Wanderkilometern. Zwischen den Motorradtouren Alpen, Ligurien und Piemont waren wir in Venedig paddeln und in den Dolomiten wandern und bummeln.

Er begann in der Schweiz mit einem Gemisch aus Wandern-Paddeln-Mopedfahren: Brienzer Rothorn, Klausen, Pragelpass, Ibergeregg, Susten, Furka, Grimsel… Hier nutze ich die Leichtigkeit meines Rafts, um es mit dem Moped zu transportieren und paddele auf dem Vierwaldstätter und dem Klöntaler See. Erstaunliche 20 km waren kein Problem. Wind und Unschnittigkeit des Gummibootes bremsen gar nicht so sehr.

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Die Weiterreise über die Alpen mit meiner kleinen DRZ 400 ging über Klausenpass, Lukmanier, Bernardino, Susten, die Grimsel, Nufenen, Gotthard, Oberalp, Splüggen, Passo San Marco und den Passo de Zambla. Ich tauchte ein ins norditalienische Kurvengeschlängel. Ab dem Passo Croce Domini wurde  es schotterig. Plätze fürs Zelt fand ich in der Schweiz und in Italien problemlos an Refugios, Wald-/Jagdhäusern oder neben der Piste. Richtig schön war es, im Morgengrauen über dem Gardasee alles zusammen zu packen und ganz früh den Tremalzo runter zu rollen. Die Sonne ist schon da, der Nebel noch unten am Gardasee.

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Übernachtet habe ich in meinem kleinen Zelt, die Suzi direkt daneben, immer wild und immer an schönen Plätzen. Einsam habe ich mich dabei nicht gefühlt. Unterhaltung gab es durch viele Tiere rundherum, geniale Aussichten oder plätscherndes Wasser, an dem mein Camp stand.

Ich hatte die Zeit sehr genossen, gedankenlos über die schönen Straßen und hohen Pässe zu düsen, nur Landschaft genießen, Schräglage zu fahren, und sonst an nichts denken. Nach einer Woche quer über den ganzen Alpenhauptkamm mit vielen vielen Kurven und Höhenmetern kam ich über die Südausläufer der Dolomiten in die Ebene von Veneto. Schlagartig wurde es warm und das T-Shirt unter der Kombi war schon zu viel.

Am Ende der Tour war mein Ziel das Dorf Campalto. Dort wollte ich mich mit meinem Mann treffen und hier vom Kanuverein aus zu einer Paddeltour nach Venedig starten und weiter von Venedig nach Grado paddeln. Das war der Plan. Schon als ich ankam lagen die Temperaturen deutlich über 35 °C. Es war kaum auszuhalten. Wir paddelten mit unseren Kajaks auf eine kleine Insel im Norden von Venedig. Dort empfingen uns bereits die Mücken. Tausende. Millionen. Wir entluden die Boote, bauten das Zelt auf, und paddelten direkt weiter nach Venedig. Hier hatten wir einen schönen Tag, trödelten durch die Kanäle, freuten uns an den Gondolieren und ihren Gondolas, fanden gut einen Parkplatz für die Boote und paddelten im Sonnenuntergang zurück zur Insel. Jetzt waren die Mücken und die Temperaturen erträglich.

Paddeln in Venedig: wie letztes Jahr auch nett, entspannt, problemlos. Hab sogar meine Lieblings-Gelateria wiedergefunden 🙂

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Rückfahrt zur kleinen Insel, auf der unser Zelt steht und die Moskitos warten.

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Einige Tage lang erkundeten wir den Norden der Lagune: Flamingos, zelten in den Salzwiesen, traumhafte Sonnenuntergänge.

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Dann mussten wir unsere Pläne umwerfen. Es herrschte zunehmend ein afrikanischer Wüstenwind, die Moskitos sind wie wild und die Temperaturen steigen locker an die 40°C. Mit warm hatten wir ja gerechnet, aber das ist zu viel. Als dann noch das Wasser durch ein Loch mein Boot flutete reichte es.

Wir entschieden uns für die Berge: die Dolomiten waren nicht weit, Boote und Moped konnten beim Kanuverein bleiben. Zwar hatten wir kaum passende Ausrüstung für einen kühlen Campingplatzurlaub mit Wandern dabei aber da kann man improvisieren. Wir fanden einen der wenigen freien Plätze, erwischten sogar einen mit Picknicktisch und Nähe zur Quelle. Perfekt.

Kleine Wanderungen machten wir, die kaputte Hüfte wehrte sich gegen mehr Belastung. Meistens fuhren wir daher mit den reichlich vorhandenen Bahnen auf Berge, legten uns in die Sonne und genossen die Aussicht auf die Berge und die reichlich blühende Flora. Kaffee und Eis, Käse und Wein – wir ließen es uns gut gehen.

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Dann muss mein Schatz nach Hause und ich weiter. Es ging Richtung Süden. Erstes Ziel: Cinque Terre, die Küste. Ich trödelte mit der DRZ durch das Hinterland Liguriens auf den kleinen Straßen herum.

Für mein kleines grünes Zelt fand sich immer irgendwo ein schöner Platz mit toller Aussicht, mal stand es am Meer und mal im Wald. Traumhafte freie Zeltplätze fanden sich ganz einfach. Hier schlief ich bei Vollmond, der sich im Meer spiegelte auf dem Monte Penello. Ein Überzelt brauchte ich nicht, es war zwar kalt aber so schimmerte die Sonne morgens ins Zelt.

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Über den norditalienischen Apennin mit seinen 5 Millionen Kurven bummelte ich 4 Tage parallel zur Küste bis die Ligurischen Grenzberge in Sicht kommen. Solche Schilder versprechen Spaß 🙂

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Direkt am östlichen Einstieg zur Ligurischen Grenzkammstraße traf ich mich mit meinem langbekannten Reisepartner und wir freuten uns über das tolle Wetter. Mit einer Truppe lustiger Italiener düsten wir mit unserem Zeltgepäck zum Saccarello auf der LGKS hinauf. Die Sonne schien, kein Gewitter war in Sicht, so konnten wir auf dem Saccarello schlafen. Ein langer Traum, dessen Erfüllung ich nicht mehr erwartet hatte…

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Zum Sonnenuntergang konnten wir viele Gemsen beobachten. Leider waren sie mit dem wenigen Licht nur schwierig zu fotografieren.

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Wir schliefen gut wenn auch ziemlich kalt. Morgens packten wir das Urlaubsgepäck auf die Mopeds und es ging über die Stein- und Sandserpentinen über La Brigue hinunter nach Tende, meiner Lieblingsstadt wenn ich hier bin. Sie liegt im Royatal und fühlt sich eher italienisch als französisch an. Stammcafébar, Bäcker gegenüber und die Pisten liegen direkt vor der Tür. Der Zeltplatz ist schlicht aber ok. Wir luden ab und fuhren noch am gleichen Tag wieder hinauf auf die Hauptstrecke der LGKS. In den folgenden Tagen holperten wie gewohnt über alle Abschnitte der LGKS, den Westhang des Tales, die Verbindung zum Turini und die Südabfahrt. Abends regnet es dann immer wieder.

Auf der Hauptstrecke wurde fleißig gebaut. Enduros und Fahrräder mit freundlich lächelnden Fahrerinnen und Fahrern durften passieren. Für anderen Fahrzeuge war die Durchfahrt gesperrt und auch gar nicht möglich. Ich bin gespannt, wie sich der Zustand der Strecke in den nächsten Jahren entwickeln wird und wie man sie befahren darf.

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14 Tage mit traumhaftem Wetter: warm und sonnig.

Noch nie habe ich die Ligurischen Berge so klar, regenfrei und sonnig erlebt. Keine Gewitter, quasi keine Wolken, wenig Wind. Jeden Tag hab ich ausgekostet – entweder mit Fahren oder Bummeln oder Kaffeetrinken. Viele Schotterkilometer sind zusammengekommen, zum Teil auch auf den italienischen Bergsträßchen östlich der LGKS. Auch dort ist reichlich Schotter zu finden.

Nach einigen Tage zogen wir unter Gewittergrollen über kleine Pässe weiter Richtung Westen nach Castellane, in die Wärme und Trockenheit. Auch ein nettes Städtchen. Wir erkundeten Tage lang die grandiose Schlucht von Verdun mit dem Moped, rafteten im oberen Teil und nahmen uns “frei”, um Sonne zu tanken.

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So langsam mussten wir uns der Heimat nähern. Also schlugen wir den Weg nach Norden ein. Ein extrem abwechslungsreicher Tag führte uns von Castellane aus entlang des strahlend blauen Lac de Castillon, durch die rote Cians-Schlucht, über den schlängeligen schmalen Cayolle, den schotterigen Parpaillon mit seinen vielen mutigen Murmeltieren und den gelben Izoard mit seinen Sandsteintürmen bis nach Briancon.

In Briancon zelteten wir 1000m über der Stadt an einer kleinen Kapelle und genossen die rot angestrahlten Berge und das Funkeln der Stadt. Wir schauten von oben auf die Forts und planten bei Wein, Pulet und Käse die kommenden Offroad-Tage im Piemont.

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Schon wieder Mumeltiere! Ich liebe sie. Wie sie so träge und doch schnell über die Wiese flitzen. Das Pummelchen hier ließ sich so gar nicht von uns stören: putzte sich, schlief, schnüffelte – und blieb sitzen.

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Im Piemont ging es dann weiter mit schottern und Sonne genießen. Alle Pisten waren befahrbar, offene Rechnungen konnten beglichen werden: Mulattiera und die Skispiste vom Jafferau. Höhepunkte waren die Übernachtungen in den Bergen: Jafferau, Fort Lenlon, Assietta, Sommeiller. Sonnenauf- und untergänge in rot und blau, angestrahlte Bergspitzen, ein genialer Sternenhimmel, leckeres Abendessen mit Rotwein und totaler Ruhe. Manchmal kommt man sich schon sehr klein vor, so allein auf einem riesigen Berg.

Eines Morgens fuhren wir zügig zum Col de Granon. Es ist Sonntag, eine Wandererflut drohte. 8.30 Uhr saßen wir frühstückend vor dem Rundfort Lenlon, danach erkundeten wir das Versorgungsfort d’Olive.

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Weiter ging es zum Mulattiera. Nachdem er letztes Jahr offen war konnten wir auch dieses Jahr den tollen Schlängel-Waldweg ab Beaulard bis zur Punta Colomion fahren, dann erst steht das Verbotsschild. Sonntags gaaaanz schlecht erkennbar.

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Wieder hinunter ging es nach Oulx, die Abendversorgung sichern und über Solomiac die Skipiste rauf. Die Anfahrt mit Gepäck ist für mich immer wieder eine Herausforderung. Genau wie ich letztes Jahr schlugen wir unsere Zelte auf der schönen Wiese der Bar Soleil Boeuf auf – gegenüber dem Chaberton, hinter dem die Sonne unterging. In den Hängematten liegend füllten wir unseren Flüssigkeitsspeicher auf und konnten uns kaum satt sehen. Morgens stieg der Nebel und hüllte die Assietta komplett ein in seine eklige Nässe.

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In Omegna genossen wir nochmal Eis, Seeblick und die Wärme, übernachteten in einem Bergdorf auf schönster Wiese und mit eigener Quelle neben dem Friedhof und einer uralten Kapelle.

Die Alpen verabschiedeten sich grandios. Strahlende Sonne auf dem Simplon und der Grimsel und ein Schauspiel der Schweizer Luftrettung, die Übungen flog. Wir konnten uns kaum trennen – aber es half nichts.

Durch die Schweiz und Süddeutschland zog es sich, das Bett wartete. Zum Glück war das Wetter hier ja auch super, da kann man doch gleich nochmal mit dem Latte Macchiato auf die Terrasse …

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Beim Schreiben ist mir wieder aufgefallen, dass die Höhepunkte immer wieder die Abende hoch in den Bergen, meistens zwischen 2000 und 2500m,  sind. Die Farben der Sonnenuntergänge, die Klarheit der Sterne, die Stille und die zu überblickenden Gipfel machen jeden Abend zu etwas Besonderem. Nachts stören keinerlei Geräusche und am Morgen freut man sich, wenn die Sonne gegen 7.00 über die Gipfel schaut und die Nase wärmt. Wenn dann die kleine Espressomaschine dabei ist ist es perfekt.

Insgesamt waren es etwa 4900 km mit der DRZ 400: Schweiz – Venedig – Cinque Terre – Ligurien – Provence – Piemont:

  • Pässesammeln in der Schweiz und Norditalien
  • Paddeln auf dem Vierwaldstätter See
  • Paddeln in und um Venedig
  • Bummeln und Wandern in den Dolomiten
  • Kurvenrauschen im nördlichen Apennin
  • Offroaden in Ligurien und Piemont
  • Sightseeing in der Provence

Highlights:

  • Tremalzofahrt hinunter zum Gardasee
  • Übernachtung auf dem Saccarello mit Traum-Sonnenuntergang und Vollmond
  • Kanäle in Venedig
  • Rumklettern auf der Tofana und Gewitter an den 3 Zinnen in den Dolomiten
  • Sonnen und Faulenzen auf diversen Dolomiten-Almen
  • Gelateria, Sonne, Wärme
  • Käse, Oliven, Wein und Baguette täglich
  • LGKS Hauptteil doch noch mal befahren – bei schönstem Wetter
  • Schlucht des Verdon: erst mit dem Moped oben umrunden und dann von unten im Raft erleben
  • Parpaillon, Granon/ Fort Lenlon/ Fort Olive, AssiettaMulattiera bei schönstem Wetter und mit Bergübernachtungen
  • Traumwetter am letzten Kurventag auf der Grimsel
  • keinerlei Unfälle, nur nette Mitfahrer, 99 % der Tage ohne Niederschlag, kein technischer Ausfall

Ich bin sooo froh, die Tour trotz einer kaputten und einer ausgetauschten Hüfte noch einmal gemacht zu haben. Das Wetter tat mir sehr gut und da ich einen Teil der Straßen sicher nicht wieder befahren werden kann habe ich die Tour sehr bewusst erlebt.

4 Kommentare »

  1. Ach, ist es nicht schön, solche Traum-Touren noch einmal Revue passieren zu lassen? Ich bin zwar (oft genug) Solo-Fahrerin, was ich schon abenteuerlich genug finde, aber Deine Trips allein mit Zelt auf Mopped in der Pampa haben eine ganz andere Qualität.

    Kommentar von SonjaM — 3. Februar 2015 @ 19:06 | Antwort

  2. Mit kleineren Motorrädern erlebt man mehr von Land und Leuten als mit den zweirädrigen Boliden. Das gilt besonders für die Südalpen mit dem reichen Netz schmaler Strassen und Pfade jeder Kategorie.

    Besonders interessiert mich, wo du die Aufnahme mit der Ziegenherde aufgenommen hast? Der weisse Bock erinnert mich an den Habitus der Kaschmirziegen. Von denen gibt es in Europa nicht viele.

    Ich lese deine Beiträge immer wieder gern, Stephan

    Kommentar von Stephan Wagner — 16. Februar 2015 @ 13:48 | Antwort

    • Hallo Stephan

      Das mit den Ziegen war auf der SP67 (Lago di Tenarda) auf dem Weg hoch zum Colle Melosa und weiter über die LGKS nach La Brique.

      LG
      Tom

      Kommentar von Tom — 8. Mai 2015 @ 18:33 | Antwort

      • Jetzt habe ich eine grobe Vorstellung, wo die Tiere zu finden sind. Im September werde ich wieder im Gebiet sein und die Augen offen halten.

        Ich kann Dir auf der beschriebenen Strecke den „sentiero degli alpini“ empfehlen und vom Colle Melosa auch den direkten Abstieg nach La Brigue.

        Kommentar von Stephan Wagner — 8. Mai 2015 @ 20:39


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