Biki-Blog

8. Juni 2015

158 km und 7 neue Flussabschnitte: Walchensee, Isar, Ammer, Mangfall, Leitzach

Filed under: Kajak — bikibike @ 02:12

Nach einer holprigen und frustrierenden Urlaubsplanung Venedig, Grado, Soca, einer mehrtägigen Genesungszeit und mehrfacher Startverschiebung fuhr ich wenigstens für ein paar Tage zum Paddeln an die Isar. Wie immer mit Bussi, Boot und Fahrrad traf ich auf dem schlichten Campingplatz Arzbach bei Bad Tölz ein und lernte im Laufe der Woche eine Menge netter Karlsruher Paddler kennen. An einigen ihrer Touren nahm ich teil. An anderen Tagen konnte ich in der Gruppe von Mathias mitfahren, der für die kompetente Paddelseite kajaktour.de verantwortlich ist. Er hat auch Schuld daran, dass ich vor 3 Jahren überhaupt schneller fließendes Wasser kennengelernt habe und mehr wollte: HochrheinAare, Reuss, Thur.

Wieder war dieses Jahr sein Ziel, neue Flüsse bzw. Abschnitte für seine Seite zu dokumentieren, aber auch einfach schöne Paddeltage zu erleben. Diesmal war Wildwasser 2-3 geplant. In wechselnder Zusammensetzung ging es auf die Oberste und Obere Isar, die Ammer, die Mangfall und die Leitzach. Mit den  Karlsruhern paddelte ich verschiedene gemächliche und wunderschöne Isarabschnitte, u.a. auch die Canada-Isar oberhalb des Sylvensteinstausees.

Nun der Reihe nach.

Am ersten Tag fuhr ich an den Walchensee, baute mein neues Pakboat auf und drehte eine Runde auf dem Walchensee. Ein traumhaftes Panorama des verschneiten sonnenbeschienenen Karwendel zauberte mir ein dickes Grinsen ins Gesicht. Genuss pur auf stillem See mit Inselchen, netten Pausenplätzen und anderen Paddlern. Gegen Mittag zog der Wind an, die Wellen kamen schräg und der Spaß war vorbei. Mitten durch die Surfer hindurch suchte ich meinen Weg zurück zum Parkplatz. Das XT verhielt sich vorbildlich: Wirklich kentergefährdet war es nie. nur anstrengend. Nach 20 Kilometern legte ich erschöpft, leicht verbrannt und zufrieden an.

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Besondere Bedeutung für mich hat die Strecke Sylvenstein-Isarburg. Dieses Stück befuhr ich im April 2014 an meinem allerersten Tag mit der grünen Mamba. Inzwischen fühle ich mich viel sicherer und freute mich auf entspanntes Einpaddeln auf dieser Strecke. Einige Kehrwässer und Wellen machten mir Freude, Stress kam nicht auf. Wir trödelten bei schneller Strömung hinunter. An diesem Tag hatten wir viel Wasser. Nach dem Anschauen des Isarkataraktes wollte ich auf die andere Flussseite wechseln. Dabei erfasste mich die Strömung, ich kam nicht dagegen an und sie zog mich auf der falschen Linie ganz links hinunter. Doof. Nach der ersten Stufe kenterte ich in einem großen Loch, stieg aus und schwamm den Rest durch die Wellen hinunter bis ins untenliegende Kehrwasser. Außer einem heftigen Steinkontakt mit dem Steiß ist nichts passiert, aber schön war das nicht. Boot und Paddel blieben freiwillig bei mir, Hilfe durch die beiden Paddelfreunde war zum Glück nicht notwendig.

Die gleiche Strecke, einmal noch weiter bis Bad Tölz, bin ich dann im Laufe der Woche noch zweimal problemlos rechts gefahren. Sylvensteinspeicher-Arzbach-Bad Tölz, km 224-207-201, Pegel Lengries 134/121/107, WW 1-2 (3)

Oberhalb des Sylvensteinstausees schlängelt sich die Isar durch ihr Kiesbett und eine Landschaft, die an Kanada erinnert. Wunderschön, weiße Kiesel, grüne Bäume, türkisgrünes Wasser. In einer recht großen Gruppe genossen wir das tolle Wetter und die geniale Landschaft. Wildwasser gab es hier nicht, dafür lagen jede Menge Bäume in den Kurven, die es zu umschiffen galt.

Wir paddelten diese Strecke bei Pegel Lengries 130, km 248-231

Inhaltlich passt der folgende Abschnitt genau hierher. Im Verlauf der Woche war er allerdings mein absoluter Höhepunkt an den beiden letzten Tagen des Urlaubs: Die Oberste Isar, von Hinterautal nach Scharnitz, knapp unter der Quelle. In Scharnitz ruft man einen Taxibus, der uns und mit einem Anhänger die Boote zum Einstieg transportierte und mit aktuellen Infos versorgte.

Diesen Abschnitt paddelte ich mit der Gruppe um Mathias und fühlte mich gut begleitet und sicher. Die Schwierigkeit lag bei ww 2-3 und damit an meinem obersten Limit.

Landschaftlich ein Traum. Nachdem durch den G7-Gipfel einige andere Bäche nicht erreichbar waren fuhren wir den Abschnitt zweimal. Am ersten Tag von Hinterautal bis Camping Isarhorn, am Folgetag nochmal bis Scharnitz. Die Wiederholung tat mir gut, auch wenn ich dabei an einer Stufe geschwommen bin. In den beiden Katarakten fühlte ich mich beim zweiten Mal sicherer, fand gut die Linie und konnte mir die Landschaft anschauen. Einige angespülte Wände erforderten Konzentration, durch den guten Wasserstand strömte die Isar recht zackig um Ecken und über Steine. Die Strecke begann mit einem Geschlängel durch’s Kiesbett, bald kam der erste Katarakt, der fast gerade befahrbar war. Nach einigen Kurven und wenigen Kehrwassern begann die Schlucht. Hier gab es einen weiteren Katarakt, der mir schwerer vorkam als der erste und in dem ich sehr konsequent und aufmerksam lenken musste. Durch die beeindruckende Schlucht mit ihren hohen Felswänden hindurch wurde es leichter, endete dann an einer Stufe, in der man gut stützen musste, möchte man nicht schwimmen. Ich dagegen landete schnell im Kehrwasser und die netten Mitpaddler fingen meine Mamba wieder ein. Für mich folgte klassisches Flusswandern, wobei ich die schöne Schlucht in Ruhe genießen konnte. Am Ende musste ich noch das Ufer wechseln, was per Seil und Schwimmeinlage meine erste derartige Aktion war. Gut, mit erfahrenen Paddler unterwegs zu sein. Danke! Natürlich revanchierte ich mich nach der Tour mit einem Erfrischungsgetränk. Leichtere Schwälle und Kurven folgten bis Scharnitz. Dort stiegen wir am ersten Tag zur Pause aus und umtrugen ein Blockwurfwehr. Eine ordentliche Streckenbeschreibung kann man bei Mathias auf Kajaktour nachlesen, demnächst sicherlich auch aktualisiert. Die folgenden 10 Kilometer zogen sich. Einige Stufen und ein renaturiertes Wehr unterbrachen das Dahintreiben. An einer der Stufen saßen ein paar junge Polizisten. Kontrollieren wollten sie uns nicht, die Stimmung war locker und urlaubig. Ein Helicopter kam schnurgerade auf uns – das wirkte doch sehr bedrohlich. Am Ende paddelten wir kanalisiert aber, bis auf einige höhere Stufen, leicht durch Mittenwald und kamen nach einer langen Kurve endlich am Campingplatz an.

Wir paddelten die klassische Strecke Oberer Futterstadel – Scharnitz – Isarhorn, km 273,4-265-253,5, WW II u. II-III, Strecke 10+10 km.

Die Anfahrt nach Scharnitz war an beiden Tagen geprägt von Polizeikontrollen, Fahrzeugen und Parkverboten. Während der ganzen Woche wurde ich 5 mal sehr freundlich und korrekt kontrolliert, einmal inklusive Fahrzeugbesichtigung. Der Aufmarsch erschien enorm, die Einheimischen waren sehr genervt, Touristen blieben ihnen aus, der Mittenwalder Zeltplatz war an diesem langen Ferienwochenende quasi leer. Der Taxifahrer hatte keine einzige Wochenend-Vorbuchung, was für ihn eher ungewöhnlich war und natürlich große finanzielle Einbußen bedeutete. Dagegen konnten wir die Feierlichkeiten zu Maria Himmelfahrt ohne Einschränkungen in Scharnitz beobachten.

Letztes Jahr bin ich ja schon einmal die Ammer gepaddelt. Damals sehr unsicher und aufgeregt. Diesmal freute ich mich auf die schöne Schlucht. Wir begannen schon einige Kilometer oberhalb der Scheibum und stiegen bei Unterammergau ein. Bis Altenau paddelten wir auf knapp 5 Kilometern ww 1 mit 3 kleineren Abfällen. Es ging um viele Kurven, man musste auf Baumhindernisse achten und konnte ansonsten eine unspektakuläre grüne waldige Landschaft genießen. Wir paddelten km 176-171,5, ww 1-2, diese Strecke.

Oberhalb Kammerl kann man nicht befahren, wir setzten also um zur Scheibum. Ich schaute mir den Abschnitt an und entschied, bis zu einem Loch, das mir sehr unsympathisch vorkam, zu umtragen.

Durch den Schlitz ging es flott hindurch und schon begann der schwierige Abschnitt mit einigen Stufen und Walzen. Mit viel Konzentration kam ich gut hindurch und konnte mich auf den folgenden Kilometern am Schleierwasserfall und der schönen Schlucht freuen. Unter der Echelsbacher Brücke lagen zwei Bäume quer, die man aber gut umtragen konnte. Am Ende rutschten wir noch lustig das steile Wehr bei Rottenbuch hinunter. Wir paddelten Kammerl – Rottenbucher Brücke 11,7 km WW II (III) km 168,9 – km 157,2, Pegel Peißenberg 83, Durchfluss 13 cm. Die Flussbeschreibung gibt es wieder hier.

Ein spannender Tag ging am Naturfreundehaus Saulgrub zu Ende, wo wir essen und im Bussi bzw. Zelt schlafen konnten.

Zwei für mich ganz neue Flüsse sollten erkundet werden. Die Mangfall ist der Abfluss des Tegernsee, die Leitzach entsteht in Bayrischzell. Beide Flüsse sind sehr hübsch, haben Schwierigkeiten zwischen 1 und 2 und viele Stufen.

Die Mangfall beginnt gleich an der Maxlhütte Mühltal mit vielen vielen Stufen zwischen 20 und 80 Zentimetern. Meist sind sie gut fahrbar und gut einzusehen. Eine habe ich umtragen, die schräg verlief und viel Blubberwasser produzierte. Zwei Bäume lagen ungünstig im Bach, wären aber unterfahrbar gewesen. Das Umtragen ging überall leicht, da rechts ein kleiner Pfad verlief. Eine Kajakschule nutzt den Bach und bahnt dabei die notwendigen Fluchtwege. Nach etwa 3 Kilometern versperrt ein Wehr den Weg. Halbrechts ist es bei Normalwasserstand befahrbar, wenn auch holprig. Achtung auf eine etwaige Walze.

An einem rechts liegenden Forsthaus kann man Lamas (oder Alpackas?) anschauen. Nach etwa 7 Kilometern ändert die Mangfall ihre Fließrichtung und strebt wieder dem Süden zu. In dieser sehr langgezogenen Kurve sprudelt das Wasser noch einmal über größere und kleine Stufen und einen etwas längeren verblockten Abfall, den man bei Unsicherheit vorher anschauen sollte. Vor Unterreit befindet sich links ein guter Ausstieg mit Grillstelle 47.908770, 11.809858. Wir paddelten km 38-29, ww 1-2, diese Strecke. Die Mangfall ist ein kleiner Waldbach mit vielen Spielgelegenheiten und großem Spaßpotential für übende Anfänger.

Die Leitzach bekommt hier ihren Platz als letzter Fluss, der beschrieben wird. Sie war der hübscheste und romantischste der Flüsse dieser Woche. Nicht so spektakulär wie die Oberste Isar. Nicht so schwierig wie ein Katarakt. Nicht so verspielt wie die Mangfall. Am Einstieg konnten wir unter der Brücke am Sägewerk südlich von Point 47.716402, 11.937201 jede Menge Forellen und Saiblinge und neben der Brücke einen Strauch voller Gespinstmotten beobachten. Wir fuhren WW I u. II(+), km 31,5-22,7, diese Strecke.

Der obere Teil ist ein gemütlicher Wiesenbach. Einige kleinere und drei größere Stufen beschäftigten mich gut. Das Wehr Untermühle habe ich bei diesem niedrigen Wasser lieber umtragen, 3 von uns sind über die Fischtreppe hinunter gefahren. Geschrappt hat es darunter noch genug. Danach kam der schönste Teil des Flusses. Das Drachenthal: leicht verblockt, kurvig, zügig, hübsch. Noch ein paar Kilometer zum Genießen und schon waren wir am Wehr bei Wörnsmühl und die Fahrt war vorbei. Infos zum Fluss gibt es hier.

Eingestellt war ich auf eine entspannte Urlaubswoche auf Wanderflüssen. Da ich dann mit Mathias fahren konnte wurde eine spannende und fordernde Woche daraus.

Kilometer

Ein schöner Abschluss meines Wildwasser-Paddeljahres mit gut 800 Kilometern, meist auf wilderem Wasser, war das. Vielleicht gibt es noch ein paar bummelige Flachwassertage.

Denn im August geht es ins Sabbatjahr und die nächsten Paddelkilometer werden erst im Herbst in Thailand stattfinden.

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6 Kommentare »

  1. Gosh, traumhafte Bilder… irgendwie bekomme ich aber gerade jetzt ganz großes Heimweh nach Kanada…

    Ich hoffe, dass Du auch aus Deinem Sabbatjahr weiter berichten wird. Bin neugierig, wohin es Dich überall treiben wird.

    Bei mir wird ja auch demnächst eine Sabbatzeit anstehen, das heißt aber hier wohl im Jargon: Arbeitslosigkeit. Deswegen wird es für mich ja auch wieder ab ins Ahorn-Land gehen 😉

    Kommentar von sonjakm — 8. Juni 2015 @ 16:03 | Antwort

    • Ja, es gibt schon ein sabbatblog. Deine Auszeit ist ja nicht die schlechteste Lösung für „jobfrei“…

      Kommentar von bikibike — 8. Juni 2015 @ 16:09 | Antwort

  2. Hi bikibike, habe grad deinen Bericht von unseren bzw. deinen Paddeltouren entdeckt. Sehr schön geschrieben und tolle Fotos!
    Viele Grüße Mathias

    Kommentar von Mathias — 9. Juni 2015 @ 15:12 | Antwort

  3. Wow, warum bin ich jetzt erst auf diesen tollen Blog gestoßen?
    Beeindruckende Impressionen, wunderschöne Bilder!

    Kommentar von Tim — 23. Mai 2016 @ 10:31 | Antwort


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