Biki-Blog

12. März 2015

Paddelwochenende rund um Taubergießen

Filed under: Kajak — bikibike @ 23:43

Ich hatte diesmal einen echten Grund, paddeln gehen zu müssen: ein Boot, das eventuell meins werden könnte, lag im Auto. Ich suche schon länger etwas Leichtes und Faltbares. Bezahlbar soll es auch noch sein und haltbar natürlich.

Irgendwann kam ich auf die russischen FMK-Falter, von denen ist es der kleinste, der паша. Paulchen heißt er also.

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Gedacht ist er für Solotouren auf kleinen Flüssen, aber auch mehrtägige Wanderfahrten, auch auf Seen. Das Ergebnis: das Eine kann er super, das Andere eher nicht. Die Mehrtagestouren wären aber der wichtigere Teil.

Bootsmaterial ist ok, seine Form mit 3,20m macht ihn eher langsam, der Sitz ist eine Katastrophe. Gepäckplatz wäre so gerade ausreichend, sein Gewicht von 11 kg ist ein Traum 🙂

Die Probetour führte mich ins südliche BaWü: ins Naturschutzgebiet Taubergießen, auf die Alte Elz und auf den originalen Rhein ab der Isteiner Schwelle. Zufällig lag auch das Mamba im Auto und so verbrachte ich ein paar Trainingsstunden auf dem WW-Hüninger Kanal.

Im Taubergießen setzte ich mit dem Fahrrad um und stieg bei Oberhausen in den ruhigen See mit sehr gutem Wasserstand ein. Bereits an der ersten Brückendurchfahrt riss der Schwall die Spritzdecke runter. Im Boot 15 cm Wasser, alles unterhalb der Paddeljacke patschnass. Dank der Sitzposition quasi auf dem Boden blieb das unangenehm bis ich einen Landeplatz fand und das Boot und mich trocken legen konnte. In den folgenden Schwällen hielt ich die Decke fest. Gut, dass ich nicht stützen musste. Das Sauerstoff-Mühlrad stand an diesem Tag still. Die Fische im Teich nebenan müssen wohl noch nicht versorgt werden. Immer wieder traf ich fleißige Holzarbeiter, die Bäume und Äste entfernten und immer gerne einen Schwatz hielten. Kein Hindernis stand mir ernsthaft im Weg, aber die großen Kähne kämen noch nicht durch.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit dem Bestaunen der Natur: Grünspecht, Schwäne, graue und weiße Reiher, Nutrias, Fasan, Blessrallen, Gänse und Enten lebten aktiv um mich herum. Und ich konnte das erste Mal einen Eisvogel fotografieren, der ruhig im hohen Gras sitzen blieb.

Es war ein wunderschöner Tag und auch die Nutrias hatten ihren Spaß:

Am Ziel in Wittenweier genoss ich noch lange die Ruhe, bis zum Sonnenuntergang dauerte es nur noch kurz. Abendessen gab es im ausgesprochen gemütlichen Ochsen mitten in Rust, Parken konnte ich am Anglerheim Oberhausen. Der geniale Sonnenaufgang weckte mich früh. Eiskalt aber wunderschön war der Morgen. Mit Tee und Rosinenzopf wurde ich richtig wach.

Für den nächsten Tag war ich verabredet. Im Kanu-Forum hatte ich nach interessierten Mitpaddlern gefragt und tatsächlich starteten wir zu zweit: Ein russisches Faltboot 3,20 lang und ein schwedisches Feststoffboot mit 5,20 Länge. Das konnte spannend werden. Aber Seekajak und Gummischüsselchen hielten sich gut. Das Lange ging um die Ecken und der Gummi hielt den Baumhindernissen stand. Das lag aber natürlich nur an den Fähigkeiten der paddelnden Menschen!

Wir stiegen in Riegel ein und schlängelten uns durch die Wiesen. Immer wieder lagen Bäume quer, ließen uns aber jedes Mal gerade so durch.

Hinter Kenzingen ging es ein paar Kilometer geradeaus. Buhnen sorgten für Verwirbelungen und Pascha suchte ein paar Kehrwasser auf. Der Mamba hätte hier Spaß gehabt… Der Seekajakpaddler biss schon mal ins Paddel 😉

Und wieder beobachteten wir eine Menge Tiere: Nutria, ein Reh begleitete uns eine Strecke, große Gänse (kennt die jemand?), weiße Reiher, jede Menge Störche, Schwäne, Eisvögel.

Die Umtragungen in Kenzingen und am E-Werk waren ok. In Rust war tatsächlich eine neue Brücke eingezogen, die eine zweite Umtragung im Park erfordert. Das war nicht clever von den Erbauern! Eigentlich wollen sie doch, dass die Paddler nicht im Park herum spazieren. Wir wollten uns telefonisch beim Sicherheitsdienst anmelden. Es ging aber keiner dran. Na dann eben nicht.

Die letzte Umtragung in Kappel nutzen wir, um gegenüber einen Kaffee zu trinken und zu faulenzen. Dann mussten wir aber los: noch eine Stunde war zu paddeln. Zum Sonnenuntergang kamen wir in Wittenweier an, genossen den Blick auf den farbigen Himmel und machten uns auf zum Essen.

 

Für den letzten Tag hatten wir uns viel vorgenommen. Von der Isteiner Schwelle bis Breisach waren es 41 km. Ich kannte die Strecke nicht und hoffte auf gute Strömung. Ein paar Kilometer weniger hätten es auch getan aber ich wollte es ja so. Mit dem Schüsselchen neben einem Seekajak zu paddeln frustrierte dann aber sehr.  Dazu war ich nach einem Schwall mal wieder nass obwohl die Decke gehalten hatte, das wirkte sich auf die Gelenke aus und der Po tat heftig weh. Ein toller Tag also. Dabei schien die Sonne, der Strom war super, die kleinen Schwellen lustig. Wir machten nach 20 Kilometern eine längere Pause, dabei trocknete ich halbwegs und es gab Kaffee und Brote. Und es gab einen Paddler mit Erbarmen. Wir tauschten die Boote und ab da grinste ich wieder. Das schnittige Point 65 zog seine aalglatte Bahn durchs Wasser, hatte einen bequemen Sitz, war dicht und schnell, vermittelte große Sicherheit und machte mir vom ersten Meter an Freude. Den letzten Schwall wollte ich unbedingt fahren und fand es sehr lustig. Der leichte Pascha wurde umtragen, einer mit nassen Hosen reicht.

Auf den letzten Kilometern wurde der Strom breit und ruhig. Die blaue Stunde war beeindruckend. So etwas hatte ich noch nie erlebt.

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6 Kommentare »

  1. Du hast die Nutrias tatsächlich bei der Familienplanung erwischt 😉
    Phantastische Bilder, nur das mit dem nassen Hintern müsste ich nicht haben. Da brauche ich nur dran denken und bekomme eine Blasenentzündung.
    Das letzte Foto gehört als Hintergrundbild auf den Desktop.

    Kommentar von sonjakm — 13. März 2015 @ 16:59 | Antwort

    • Nicht nur bei der Planung, hihi. Hast du seinen Blick gesehen?

      Kommentar von bikibike — 13. März 2015 @ 17:09 | Antwort

      • Wer würde nicht so gucken, wenn er DABEI gestört bzw. beobachtet wird.

        Kommentar von sonjakm — 13. März 2015 @ 18:48

  2. Hi,
    ein richtiges Kajak und das Mädel schwebt im siebten Paddlerhimmel, lach.
    Frag mich nicht wie froh ich war als wir im Seglerhafen ankamen……
    Der Paddler-Ritter

    Kommentar von Rubberdug — 21. März 2015 @ 18:57 | Antwort

    • Und ich erst, dass ich auf der zweiten Hälfte nicht mehr ins Gummiboot zurück musste 🙂

      Aber das letzte Bild von dir im kleinen Boot ist doch schön, oder?

      Kommentar von bikibike — 21. März 2015 @ 18:59 | Antwort

  3. Die drei letzten Bilder gefallen mir besonders gut. „Die blaue Stunde“ ist immer etwas besonderes.
    Gruss

    Kommentar von Rubberdug — 21. März 2015 @ 20:11 | Antwort


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