Biki-Blog

4. November 2013

Altmühl, die Zweite

Filed under: Kajak — bikibike @ 01:16

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Nachdem wir im Frühjahr zu zweit schon den oberen Teil der Altmühl gepaddelt sind habe ich mich gefreut, als Mike im Canadierforum einen Verabredungsfred startete. Viele Seiten lang wurde geplant, verworfen, angemeldet, abgemeldet, nachgefragt, …

Von der Donau fuhr ich also abends direkt zum Treffpunkt am Lagerplatz in Hagenacker an der Altmühl.

Hier verbrachten wir zu viert einen sehr harmonischen, aber kalten Abend am Feuer. Ich schlief das erste Mal in meinem neuen Bus: sehr bequem, warm, gemütlich, alles Wichtige und Unwichtige war dabei. Ausgestattet mit einer richtigen Matratze mit tollem alten bunten Campingbezug, Island-Schlafsack und reichlich Daunenklamotten. Dazu Kocher, Stuhl, trockenes Holz und was man so zum Luxuscamping braucht. Ich wollte jeden Abend das Auto nachholen, um zu sehen, wie sich das so anfühlt und welche Ausbauten ich als erstes vornehmen sollte. Bisher habe ich Flusswanderungen immer als Gepäckfahrten gemacht: autark und mit wenig Ausrüstung. Ist ein komisches Gefühl, jeden Tag in die Zivilisation zu fahren und vom Auto abhängig zu sein.

Am nächsten Morgen überzog Raureif die Wiese und Autos, später waberte Nebel herum. Aber dann starteten wir in schönster Sonne zusammen mit dem Organisator Mike ab Pappenheim an der Mühle.

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Die Solnhofener 12 Apostel faszinierten durch den Kontrast der weißen Felsen zu den vielen Farben des Herbstes in strahlender Sonne und den bunten Booten. So ein schöner Tag!

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Ein Mitfahrer im großen Ally saß das erste Mal so richtig in seinem Boot und übte in der ersten Stunde angestrengt das Geradeausfahren. In der zweiten Stunde drehte er sich nicht mehr so oft und dann hielt er schon fast das Gruppentempo. In einer steilen Lernkurve schaute er sich in den 3 Tagen eine Menge bei den routinierten Mitpaddlern ab und am letzten Tag hatte er richtig Spaß 🙂

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Auf dem Weg zu unserem Lagerplatz in Hagenacker genossen wir die Natur, bewunderten die Spiegelbilder auf der planen Wasseroberfläche und unterhielten uns gut. Die Stufe an der Hammermühle umtrugen alle außer Mike, der souverän hinunter fuhr.

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Der Tag endete nach 18 Paddelkilometern wieder am Lagerfeuer, diesmal mit reichlich heißem Essen. Frank kochte wie jeden Abend aus frischen Markteinkäufen lecker und viel in seinen Dutch Oven. Es dauert lange, aber man sitzt ja eh am Lagerfeuer und schwätzt Benzin Paddelstorys. Heißer Met und Glühwein hielten uns warm. So rundum gut versorgt ging es uns jeden Abend richtig gut. Vielen Dank, Frank!

Tag 2

4 weitere Canadierfahrer in 3 Booten ergänzten am Morgen die Gruppe. Nach dem Umsetzen der Autos paddelten alle in recht großen Abständen los. Dazu zogen sich durch die sehr unterschiedlichen Tempi die Boote weit auseinander. An den Umtragungen trafen dann alle wieder aufeinander.

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Das Wetter blieb trüb, die Sonne schaffte es nicht, mal durch zu blinzeln. So bleiben auch die Bilder recht kontrastlos in dieser urigen Landschaft.

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Das Altmühlkrokodil ließ uns brav vorbei und auch die Baumkraken hielten uns nicht fest.

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Mittags rasteten wir in Wasserzell. Im Gasthaus Hirsch (sehr empfehlenswert mit leckeren Lammgerichten) verwöhnte ich mich schnell mit einem Kaffee und genoss die warme Toilette. Frank wärmte die Reste vom Vortag auf, die von der Gruppe im Handumdrehen verputzt wurden. Ein Tee und Süßes machte uns fit für den zweiten Teil.

Echtes Bootswandern:

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Ankunft in Eichstätt nach etwa 20 km. Wir paddelten die große Schleife, umtrugen unser vorletztes Wehr -das dritte heute- und landeten kurz nach dem vierten Wehr am Zeltplatz, der bis auf ein paar Wohnmobile leer war. Feuer, Kochen, Autos holen – die Zeit war gefüllt. Die Größe und die ausgesprochene Vielfalt innerhalb der Gruppe machten den Abend etwas weniger harmonisch. Kaum jemand kannte mehrere Teilnehmer, keiner hatte die Organisation in der Hand. Die übergroße Demokratie begann die Absprachen schon schwierig zu machen.

Spät gab es Pastinaken-Kartoffeln- Fleisch-Topf. Den meisten knurrte schon vorher der Magen und einige Reservewürstchen wanderten auf den Grill. Kaum war der Eintopf verputzt verschwand einer nach dem anderen in Zelt, Hängematte oder Auto und Frank und ich saßen noch einige Zeit allein am Feuer. Nach wärmenden Getränken war es dann doch irgendwann Zeit für die Matratze. 

In der Nacht begann der Regen und er blieb auch den ganzen Morgen. Gelernt habe ich, nicht unter Bäumen zu parken. Das Klopfen der großen Regentropfen auf dem Autodach ist zu aufweckend.

Tag 3

Nachdem diverse Apps das Ende des Regens gegen 9.30 ankündigten schöpften wir Hoffnung, stellten die Autos aber ganz vorsichtig nur 8 km vor.

Beim Paddelstart war es schon trocken und bald kam sogar die Sonne raus. Heute ließ sich der große Teil der Gruppe sehr gemütlich talab treiben. Paddelverbot war ausgesprochen, damit wir nicht zu schnell ankommen. Nicht alle haben sich jedoch daran gehalten 😉 Für mich begann hier der bisher unbekannte Abschnitt der Altmühl.

Es gab viel Zeit, in Seitenarme zu schauen, Pflanzen mit glitzernden Regentropfen zu bewundern, sich hinter umgestürzten Bäumen zu verstecken und an den wenigen Wellen zu spielen.

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Das größte Spielpotential bot der Schwall unter der historischen Brücke in Pfünz. Hier lachte auch wieder richtig die Sonne und wir legten gut gelaunt am Ziel an.

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Allerdings war es erst 13.00 Uhr, die Paddelmotivation bei einigen hoch, andere wollten bleiben, die nächsten wollten nach Eichstätt gebracht werden, um nach Hause zu fahren. Nach endloser Diskussion und Abstimmerei schafften wir es irgendwie, den Nachmittag zu organisieren. Nachdem die Autoholer zurück waren paddelten wir in einer kleinen Gruppe noch weitere 10 km. Davon habe ich keine Bilder mehr, da ich das Treibenlassen und die netten Unterhaltungen auskosten wollte. Zeitdruck gab es nicht, Peter spielte grinsend erfolgreich mit seinem dicken Ally, ein weiterer Canadier mit Zweierbesatzung konnte kennengelernt werden. Mehrere Baumhindernisse lagen im Wasser, die Ufer waren nun mit vielen Büschen bestanden und im weiten Tal sahen wir schon die Burgruine Arnsberg.

Der Bootswanderplatz in Gungolding sah sehr einladend aus. Den werde ich mir merken, denn ab hier muss ja die Flusswanderung später mal weitergehen. Aber auch unser Platz in Inching war sehr nett. Vor allem wartete dort schon wieder das leckere Abendessen von Frank – diesmal Schichtfleisch mit Speck und Kartoffeln.

Nachdem 6 Mitpaddler den Heimweg angetreten hatten umlagerte der Rest noch lange das Feuer. Genau die 5 Nasen, die schon die ersten beiden Abende zusammen saßen waren noch da.

Der Sonntag begann mit viel Regen, nun trotzten nur noch 2 Paddler dem Wetter – und hatten Glück. Ab Paddelstart blieb es trocken. Ich fuhr nach dem Ausschlafen nach Hause, fast durchgehend im Regen. Um die zur Verfügung stehende Zeit war ich froh, denn Auspacken, Wäsche und mich ins Wasser tunken und den folgenden Arbeitstag vorbereiten konnte ich in Ruhe abarbeiten.

Einen weiteren Bericht gibt’s bei Axel zu lesen.

Fazit

Da schließe ich mich dem Protokoll der Abschiedsrede von Mike an: „War schön.“ Insgesamt eine erholsame geruhsame knappe Woche auf dem Wasser, durch das Schlafen im Auto bequemer, wärmer und trockener. Trotzdem wird das klassische Wanderpaddeln mit Zelt meine Lieblingsvariante bleiben. Wieder etwas Kraft gesammelt für die kommenden Arbeitswochen und einige Menschen neu kennen gelernt. Verabredungen getroffen, 4 Lagerfeuerabende genossen, mein Auto ein bisschen kennen gelernt und als tauglich befunden. 

1 Kommentar »

  1. Sehr schöner Bericht und vor allem sehr schöne Fotos zur Kanutour auf der Altmühl. Ich habe die Altmühl bisher immer nur per Rad auf der Landseite erkundet.

    Kommentar von Danny — 10. Januar 2016 @ 15:50 | Antwort


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