Biki-Blog

22. Juni 2012

erste richtige Rheinfahrt

Filed under: Kajak — bikibike @ 22:25

Der Rhein ist für uns recht nah und die verschiedenen Altrheinarme sind sehenswert. Dazwischen liegt immer wieder die Überquerung des Hauptstroms. Und das ist etwas ganz Neues für uns.

Am Samstag entschlossen wir uns, uns erstmal auf dem Ketscher Altrhein einzupaddeln und dann eine Überquerung zu üben.

Wir hatten Hochwasser. Das hieß, im Altrhein gab’s mächtig Gegenströmung. Aber gut, wir haben ja dicke Oberarme und der überschwemmte Dschungel sah wirklich toll aus.

Am Bühler Kanuclub setzten wir ein und bekamen noch eine Menge guter Infos.

rechts der Hauptstrom, links der Ketscher Altrhein

Im Altrhein trafen wir eine recht entspannte Kanada-Gans-Familie, völlig unentspannte Schnecken, die panisch auf den Blumen und Gräsern hingen und einen lustigen, kommunikationsfreudigen Angler.

im Dschungel des Ketscher Altrheins

sie klettern immer weiter rauf

Canadagänse

Mama, Papa, Kind – mit Zoom natürlich!

Am oberen See des Ketscher Arms angekommen lugten wir erstmal in den Strom. Oha! Das sieht aber ganz schön wild aus. Mein Respekt vor dem Fluss stieg noch weiter. Vielleicht keine gute Idee, bei ca. 2 m Hochwasser zu üben.

Wir peilten ganz fest die Einfahrt in den Otterbacher Arm an, stellten uns in eine ordentliche Seilfährenposition und paddelten energisch los. Oh, das Wasser zieht, die Strömung ist stärker als mein Gegenpaddeln. Wir hatten vereinbart, wenn es einer nicht schafft treffen wir uns am Brühler Bootshaus wieder …

Mit ganz viel Kraft, frisch gelernter Paddeltechnik und auch Verzweiflung habe ich es geschafft, drüben anzukommen und auch gegen den Strom wieder auf die richtige Höhe zu kommen. Mein Freund hatte mehr Mühe, mit seinem kürzeren und flacheren Boot hat es ihn immer wieder aus der ein-Uhr-Position rausgedreht. Aber mit mehr Kraft und Ausdauer kam er auch am grünen Pfahl an.

Geschafft. Warten am grünen Pfahl. Mir im Rücken liegt der Altrheinarm.

Gelernt: erstmal im Kehrwasser stressfrei ein paar hundert Meter bergauf und dann mit der Strömung in Seilfähre rüberpaddeln.

Nach einer ausgiebigen Pause trauten wir uns wieder auf den Hauptstrom. Wir mussten ja noch zurück zum Brühler Club.

Schräg bergab paddelten wir durch den schnellen Strom – spannend! Unsicher machten mich die Strudel über den Buhnen – für mein Boot zum Glück kein Grund, auszubrechen solange ich am Gas blieb. Das kleine gelbe tanzte ganz schön wild herum und drehte sich immer wieder.

Wir hatten genug Wegstrecke, um die Seite zu wechseln, Schiffsverkehr gab es auch nur einmal. Also alles gut, anlanden in Brühl, durchatmen.

Bootshaus Brühl

Am nächsten Tag wollten wir das Gelernte vertiefen.

Zunächst mal einsetzen am Zeltplatz am Otterstädter, rauf und runter im Altarm war eher unspektakulär, Militärzone, ein paar Schwäne und viel Grün. Ein Schild: wenn der Warschauer oben ist ist gesperrt. Der arme Typ, der dann dort tagelang hängt. Kann mal einer erklären, was ein „Warschauer“ ist?

Ein Blick auf die Autobahnbrücke – hinterm Deich liegt der Rhein, unter uns sprudelte braune Schmutzbrühe von ihm herauf. Der Altrhein war schön klar. Die Angler nutzten die Mischzone offensichtlich erfolgreich aus.

Eine Anlegestelle lag weit unter Wasser. Wir paddelten über Trailer, Blumenbeete, Wege.

Blumenbeet mit Taglilien

Unterwasserblumen

Zurück und weiter bis zum Hauptstrom, um gerade rüber in den Ketscher zu kommen. Jetzt machten wir es besser, zuerst paddelten wir 200 m bergauf. Das ging besser als gedacht, es gab genug Kehrwasser am Rand, Schiffe kamen auch keine. Dafür ein Paddler uns entgegen. Er meinte später, er wäre mal eben 8 km rauf gepaddelt und kommt nun wieder runter. Okeeee, mit seinem Schlauchbootpaddel und dem neckischen Hütchen sah der Rentner in seinem recht kurzen Plastikboot lustig aus. Er paddelt bestimmt schon 50 Jahre, das ist für ihn nur Spaß.

Wir konzentrierten uns auf die Seilfährtechnik, spielten damit herum und kamen sehr entspannt und sicher rüber. Strudel und Strömung konnten wir schon besser lesen und entsprechend steuern, es machte sogar Spaß, am Ufer dahin zu treiben und den Gänsen bei km 409 zuzuschauen. Einschwingen in den Altrhein wurde dann nochmal interessant, besonders, als ich die Linie zum Kehrwasser erwischte und mein Paddel ins Leere stieß.

Den Ketscher Altrhein trieben wir einfach runter, quatschten wieder mit dem Angler und fuhren am Bootshaus Brühl in den Hauptstrom ein. Nun hatten wir wieder einige km Zeit, die Seite zu wechseln. Wir spielten sogar mit den Wellen eines Frachters, achteten gut auf die Buhnenstrudel und die Bojen mit ihrer Umströmung.

Im Reffenthaler Altrhein haben wir unsere verdiente Pause beim Griechen eingelegt und ein sündhaft süßes griechisches Teil gegessen: Blätterteigstreifen, Zuckerfäden, Honig, Mandeln. Das waren die Kalorien des ganzen Paddeltages und noch einige mehr. Hm, lecker.

Blick auf das überschwemmte Ufer.

In Fressnarkose arbeiteten wir uns weiter bis ans Nordende des Arms. Vorbei an kleinen Inseln, mehreren Marinas und wieder viel Grün kamen wir ans Ende des Arms.

Hier hatten wir vorher schon unseren Ausstieg ausgeguckt. Mein Freund holte das Auto und ich tauchte mein Boot, um noch die Lagunenreste abzuspülen. Dabei ging es dann mal eben unter. Der abgeschottete Gepäckraum und die Luke waren vollgelaufen und es rutschte die überschwemmte Böschung runter. Man, war das eine Arbeit, es wieder raufzuziehen. Zum Glück hatte ich es an die Leine gelegt und konnte es so festhalten und wieder umdrehen. Immerhin war es nun rundherum abgespült.

Geschafft und müde fiel ich ins Auto und nur der Belohnungskaffee in unserer Stamm-Eisdiele konnte mich nochmal zum Aufstehen motivieren.

Ergebnis: Rhein erfolgreich bezwungen, Seilfähre gelernt, Muskeln aufgebaut, Strömung lesen gelernt, viel gelacht.

Überraschend fand ich den Kommentar eines Clubkollegen heute abend: „Auf dem Rhein würde ich bei Hochwasser dann vielleicht auch mal die Schwimmweste mitnehmen.“ Ah ja. Also wir hatten die großen orangenen dabei und immer an.

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